Kommentar
Noch ein Beschattungsfall: Die CS-Spitze ist bis auf die Knochen blamiert

CS-Konzernchef Tidjane Thiam und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner beteuerten eben noch hoch und heilig, die missratene Beschattung ihres früheren Star-Bankers Iqbal Khan sei ein «isolierter Einzelfall» gewesen. Die jüngsten Enthüllungen sind äussert peinlich für sie.

Patrik Müller
Patrik Müller
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Der Beschattungsskandal bei der CS und seine Folgen – was bisher geschah: Im Juli gibt die Credit Suisse bekannt, dass Iqbal Khan, Chef der Vermögensverwaltung, die Bank verlässt.
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Als im August der Wechsel Khans zur UBS öffentlich wird, veranlasst CS-Manager Pierre-Olivier Bouée dessen Überwachung.
Er befürchtet, Khan (im Bild) werde wichtige Mitarbeiter und Kunden von der CS abwerben.
Khan wird im September während knapp zwei Wochen von einer Detektivfirma überwacht.
Dann stellt er einen seiner Beschatter in der Nähe des Zürcher Paradeplatzes. Khan fühlt sich bedroht und erstattet Anzeige bei der Polizei.
CS-Präsident Urs Rohner gibt eine Untersuchung in Auftrag.
Soll von der Beschattung nichts gewusst haben: CS-Chef Tidjane Thiam.
Die Affäre nimmt eine tragische Wende, als ein Detektiv des Zürcher Büros, das Iqbal Khan beschattet hat, aufgrund des zunehmenden auch medialen Drucks das Leben nimmt.
An einer Medienkonferenz orientieren Verwaltungsrat John Tiner (links) und CS-Präsident Urs Rohner über die Ergebnisse und Konsequenzen der Untersuchung: Die Grossbank trennt sich per sofort von Sicherheitschef Remo Boccali sowie COO (Chief Operating Officer) Pierre-Olivier Bouée.
Später wird bekannt: Der Grund für Khans Abgang liegt in einem Streit zwischen ihm und Thiam bei einer Cocktailparty Anfang Jahr.
Dann kommt aus: Es soll einen zweiten Beschattungsfall eines CS-Kadermitglieds gegeben haben. Der damalige oberste Personalchef Peter Goerke ist im Februar 2019 ebenfalls überwacht worden.
Die Finanzmarktaufsicht Finma wollte im Rahmen ihrer Untersuchung zum CS-Beschattungsskandal prüfen, ob etwa der Konzernchef der CS Tidjane Thiam seine Kontrollfunktionen ordnungsgemäss ausgeführt hat. (Archivbild)
Im Februar 2020 nun der Paukenschlag: CEO Tidjane Thiam nimmt nach monatelangen Spekulationen und Aufforderungen zum Rücktritt den Hut.
In seine Fussstapfen tritt Thomas Gottstein, der derzeitige CS-Schweiz-Chef.

Der Beschattungsskandal bei der CS und seine Folgen – was bisher geschah: Im Juli gibt die Credit Suisse bekannt, dass Iqbal Khan, Chef der Vermögensverwaltung, die Bank verlässt.

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Diese Bespitzelungs-Aktion um Khan führte im September nicht nur zu hämischen Schlagzeilen in der Weltpresse; das ginge ja noch. Nein, sie endete tragisch: Der Mann, der zwischen der CS und der Detektivfirma vermittelt hatte, erschoss sich mit einer Pistole. Dies Überwachung sei ein Einzelfall gewesen, von dem sie nichts gewusst hätten, sagten Thiam und Rohner bislang ohne jede Relativierung.

Jetzt gibt es einen zweiten «Einzelfall». Keinen Geringeren als ihren damaligen Personalchef Peter Goerke liess die CS observieren. Besonders peinlich ist, dass diese Enthüllung der «NZZ» die Bankspitze überrascht hat. Sie habe von dieser Bespitzelung nichts gewusst, liess sie verlauten. Das ist zumindest beim operativ verantwortlichen Konzernchef Thiam schwer vorstellbar. Wenn es doch wahr ist: Was wiegt eigentlich schwerer? Ein Nichtwissender zu sein - also nicht zu wissen, was in der eigenen Firma läuft? Oder einen Nichtwissenden zu mimen - also zu lügen?

Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse, kürzlich am Europa Forum (Luzern, 4. Dezember 2019)

Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse, kürzlich am Europa Forum (Luzern, 4. Dezember 2019)

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Vertrauensbildend ist keine der beiden Varianten. Die CS muss die Hintergründe schnell aufklären. Sollte sich erhärten, dass der Überwachungsauftrag auch bei Goerke von der CS kam, wackelt der Stuhl von Thiam. Im Verwaltungsrat gilt er als angezählt. Und irgendwann verlieren auch die Grossaktionäre, die bislang zu Thiam halten, die Geduld.

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