Nicht nur Präsident Hubert Achermann geht: Gewichtige Abgänge beim Lucerne Festival

Im Stiftungsrat der Fundraising-Organisation des Lucerne Festival kommt es zu mehreren Abgängen. Die Mitglieder Corinna von Schönau-Riedweg und Michel Stadlin treten zurück. Auch Geschäftsführerin Valentina Rota geht. Derweil übernimmt Markus Hongler wie erwartet das Präsidium der Hauptstiftung.

Maurizio Minetti
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Hubert Achermann tritt als Stiftungsratspräsident des Lucerne Festival zurück. In der Fundraising-Organisation gibt es nun weitere Abgänge.

Hubert Achermann tritt als Stiftungsratspräsident des Lucerne Festival zurück. In der Fundraising-Organisation gibt es nun weitere Abgänge. 

Roger Grütter

In der sogenannten Stiftung Freunde des Lucerne Festival kommt es zu mehreren Abgängen. Aus dem Stiftungsrat treten neben Präsident Hubert Achermann auch die beiden Mitglieder Corinna von Schönau-Riedweg und Michel Stadlin zurück. Ausserdem hat die langjährige Geschäftsführerin Valentina Rota gekündigt, wie es in einer Mitteilung der Stiftung heisst. 

Die Stiftung Freunde ist die Fundraising-Organisation des grössten Schweizer Klassik-Festivals. Ihr Ziel ist es, die Arbeit des Musikfestivals ideell und finanziell zu fördern. Die Stiftung Lucerne Festival dagegen ist für die Durchführung der Veranstaltungen des Klassikfestivals verantwortlich. In diesem Stiftungsrat sitzen diverse Spitzenvertreter der Schweizer Wirtschaft wie Walter Kielholz (Ex-CS), Rolf Dörig (Swiss Life, Adecco) oder Christoph Franz (Roche, Stadler Rail). Beide Gremien präsidierte bis anhin der Luzerner Hubert Achermann, der nun beide Ämter abgegeben hat.

Integrität der Führung in Gefahr

Begründet werden die Rücktritte aus der Freunde-Stiftung mit den Hintergründen zum Ausscheiden von Hubert Achermann. Wie unsere Zeitung vor einer Woche berichtete, räumt Achermann seinen Präsidiumsposten nicht freiwillig, sondern unter massivem Druck. In der heutigen Mitteilung heisst es, die drei könnten «die Entscheidungen rund um die Behandlung der gravierenden Mobbing-Vorwürfe an die Adresse des Intendanten Michael Haefliger nicht mittragen». Zudem lehnen sie das Vorgehen im Zusammenhang mit dem erzwungenen Rücktritt von Hubert Achermann als Präsident der Stiftung Lucerne Festival «entschieden ab». Sie sehen die Integrität der Führung des Festivals in Gefahr und befürchten einen grossen Reputationsverlust.

Im November war bekannt geworden, dass der Leiter der Nachwuchs-Sektion, Dominik Deuber, Mobbing-Vorwürfe gegen den Intendanten Michael Haefliger erhoben hatte. Daraufhin beauftrage das Lucerne Festival eine Anwältin mit einer juristischen Einschätzung. Diese kam zum Schluss, dass kein Mobbing vorliege, wohl aber ein Arbeitskonflikt. Mit Deuber führt das Festival derzeit Gespräche über eine Austrittsvereinbarung, hiess es auf Anfrage.

Für Wirbel sorgte, dass das Lucerne Festival einen Tag vor der Veröffentlichung der Untersuchungsresultate mitteilte, dass Achermann nach elf Jahren als Präsident des Stiftungsrates des Lucerne Festival zurücktrete und auch das Präsidium der Stiftung Freunde abgebe – doch Achermann hatte zu diesem Zeitpunkt seinen Rücktritt noch gar nicht eingereicht. Vertraute Achermanns berichteten gegenüber unserer Zeitung, dass er von der Medienmitteilung zu seinem Rücktritt erst erfahren habe, als diese bereits publiziert war.

Mobiliar-CEO Markus Hongler präsidiert bald beide Stiftungen des Lucerne Festival.

Mobiliar-CEO Markus Hongler präsidiert bald beide Stiftungen des Lucerne Festival.

Lukas Lehmann/Keystone

Mobiliar-Chef Markus Hongler wird Präsident

Am Freitagnachmittag tagte auch der eigentliche Stiftungsrat des Lucerne Festival. Auch hier trat Achermann wie erwartet zurück. In der Mitteilung des Lucerne Festival heisst es explizit, dass der Stiftungsrat dem Intendanten Michael Haefliger geschlossen sein volles Vertrauen ausgesprochen habe. Dem Vernehmen nach soll Achermann an der Sitzung noch einmal darauf hingewiesen haben, dass die Mobbing-Vorwürfe seiner Meinung nach extern untersucht werden sollen. Dazu heisst es in der Mitteilung, dass der Stiftungsrat auch die getroffenen Entscheidungen bezüglich der Vorwürfe gegen Michael Haefliger unterstützt habe. Im Klartext: Eine externe Untersuchung wird es nicht geben.

Wie erwartet wurde der bisherige Vizepräsident und Mobiliar-Chef Markus Hongler zum Präsidenten gewählt – einstimmig, wie es in der Mitteilung des Festivals heisst. «Ich freue mich sehr über diese Wahl und bin mir der Verantwortung, die diese Aufgabe mit sich bringt, vollauf bewusst», lässt sich der Luzerner in der Mitteilung zitieren, und weiter: «Wir hätten uns sehr gewünscht, dass dieser Wechsel im Präsidium des Festivals ohne Misstöne vonstattengegangen wäre. Leider ist es anders gekommen, was wir sehr bedauern. Zusammen mit dem Stiftungsrat werde ich die Entwicklungen der letzten Wochen sorgfältig analysieren». 

Ausser dem Abgang von Hubert Achermann gab es in der Zusammensetzung des Stiftungsrats des Lucerne Festival keine Änderungen. Hongler wird damit gleichzeitig auch Mitglied der Stiftung Freunde, womit diese handlungsfähig bleibt. In der Stiftung Freunde sitzen nun Hongler und die beiden verbleibenden Mitglieder Elisabeth Oltramare und Otto Wyss. Hongler dürfte auch hier das Präsidium übernehmen; der Stiftungsrat wird sich kommende Woche konstituieren.

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Pascal Hollenstein