NEUGRÜNDUNGEN
2021 könnte neues Rekordjahr für Firmengründungen werden

Trotz Corona wurden bereits 2020 aussergewöhnlich viele Firmen gegründet. Das Resultat dürfte dieses Jahr aber noch einmal übertroffen werden – um vier bis fünf Prozent, meldet die Jungunternehmer-Plattform Startups.ch. In der Ostschweiz nahmen die Gründungen noch stärker zu.

Kaspar Enz Jetzt kommentieren
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Vor allem Handwerker profitieren vom Boom bei Renovationen und Neubauten und machen sich selbstständig.

Vor allem Handwerker profitieren vom Boom bei Renovationen und Neubauten und machen sich selbstständig.

Bild: Boris Bürgisser

Als nach Beginn der Coronapandemie Einschränkungen und Lockdowns erlassen wurden, rechnete man erst mit einer Zunahme von Konkursen. Eingetreten ist eine rekordhohe Zahl an Firmengründungen. Knapp 47000 Unternehmen gründeten die Schweizerinnen und Schweizer im Jahr 2020. Und der Trend bricht nicht ab. Geht es weiter wie bisher, werden bis Ende Jahr 50000 neue Firmen im Schweizer Handelsregister eingetragen sein, rechnet die Plattform-Startups.ch hoch.

Pandemie sorgt weiter für Unsicherheit

Damit ist laut der Plattform mit einer Zunahme um schweizweit vier bis fünf Prozent zu rechnen, sagt Startups.ch-CEO Michele Blasucci. Die anhaltende Pandemie und allfällige Verschärfungen von Massnahmen machen diese Prognosen aber sehr unsicher, sagt er. Trotzdem zeige sich der positive Trend bereits in einem Vergleich der ersten 11 Monate. Deutlich gestiegen sind die Neugründungen insbesondere in der Westschweiz (+8%) und der Zentralschweiz (+10%). Hier tat sich gerade der Kanton Zug als Standort von Finanz- und Krypto-Start-ups hervor.

Michele Blasucci, CEO Startups.ch.

Michele Blasucci, CEO Startups.ch.

PD

Doch auch viele Ostschweizerinnen und Ostschweizer wagten in den vergangenen 11 Monaten den Einstieg ins Unternehmertum. Zählt man Graubünden, Glarus und Schaffhausen dazu, wurden in der Ostschweiz dieses Jahr schon 5554 Firmen gegründet, 8,1 Prozent mehr als bis im November 2020. Im Kanton St.Gallen stieg der Wert gar um 11,7 Prozent, im Thurgau um 7,6 Prozent. In Ausserrhoden gingen die Neugründungen dagegen leicht zurück, (-3%), in Innerrhoden sanken sie um 23,4 Prozent.

Handwerker machen sich selbstständig

Besonders deutlich zeigte sich in der Ostschweiz ein Trend, der auch national gilt: Gerade Handwerker aus dem Baugewerbe wie Maler, Gipser oder Bodenleger machen sich besonders oft selbstständig. «Die Leute sind mehr zu Hause, sie wollen vielleicht eine Veränderung», sagt Blasucci.

«Und solange die Hypozinsen tief sind, führt das nicht nur zu Neubautätigkeit, sondern auch vielen Renovationen.»

Auch Immobilienverwalter wollen von diesem Trend profitieren. Abgenommen haben dagegen Gründungen um Bereich Medien und Marketing.

Unternehmertum wird jünger und weiblicher

Gleichzeitig verändert sich das Bild der Gründer: So wurden 2021 bereits fast 27 Prozent der Jungunternehmen von Frauen gegründet, 2020 waren es noch 23,9 Prozent. «Viele Frauen wählen die Selbstständigkeit als einen Weg, um flexibler arbeiten zu können», sagt Blasucci. Flexible Verdienstmöglichkeiten suchen gerade auch junge Leute. In der Altersgruppe von 18 bis 22 stieg die Zahl am stärksten. Dazu gehörten Studenten, die mit Kryptowährungen handeln, oder Gründungen im IT-Bereich.

Einmal mehr zeigte sich ein hoher Anteil an ausländischen Nationalitäten. Den höchsten Anstieg verzeichneten Gründer aus dem Kosovo. «Sie sind motivierter, etwas eigenes zu machen. Schweizer arbeiten lieber bei Grossunternehmen.»

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