Credit Suisse
Probleme mit einem Investmentfonds: Neues Ungemach für Credit Suisse

Der Börsenkurs der Grossbank kommt deutlich unter Druck. Das Unternehmen musste den Handel mit einem umstrittenen Fondsprodukt vorübergehend einstellen.

Daniel Zulauf
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Credit Suisse hat bislang wenig zur Klärung der diffusen Hintergründe des sich anbahnenden Skandals um Greensill-Fonds beigetragen.

Credit Suisse hat bislang wenig zur Klärung der diffusen Hintergründe des sich anbahnenden Skandals um Greensill-Fonds beigetragen.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Die Aktien der Credit Suisse haben Dienstag in einem starken Gesamtmarkt mehr als 2,5 Prozent an Wert verloren. Zeitweise lagen die Papiere sogar deutlich mehr im Minus und fielen unter die Marke von 13 Franken. Diesen Wert hatten sie erst vor wenigen Tagen zum ersten Mal seit dem grossen Börseneinbruch im März 2019 durchstossen. Der Börsenwert der Bank reduzierte sich um nahezu eine Milliarde Franken.

Die Investoren befürchten neues Ungemach für die Grossbank. Am Montag hatte die Credit Suisse die Einstellung des Handels einer bestimmten Gruppe von Investmentfonds mit einem Anlagevolumen von rund zehn Milliarden Dollar bekannt gegeben. Investoren können ihre Fondsanteile jetzt nicht mehr verkaufen und müssen darauf hoffen, ihre Investition nach Wiedereröffnung des Handels oder nach einer Liquidation der Fonds zurückzuerhalten. Die vier betroffenen Fonds richten sich nicht an das breite Publikum, sondern an sogenannt «qualifizierte» Anleger.

Finanzgesellschaft als kritischer Partner

Darunter befinden sich etwa Firmen, die solche Fondsanlagen dazu benutzen, hohe Barbestände zu parkieren, damit sie auf einem Konto nicht mit Strafzinsen belegt werden. Die Fonds kaufen mit dem Geld der Investoren kurzfristige Forderungen von Firmen, die so die Zahlungsfrist ihrer Kunden überbrücken und das Risiko eines Zahlungsausfalls auslagern. Die Forderungen werden in «Notes» verpackt und im Idealfall von einem spezialisierten Versicherer gedeckt, bevor sie den Investoren über «Supply Chain Fonds» weiterverkauft werden.

Der grösste Akteure in diesem Vermittlungsgeschäft ist die Londoner Finanzgesellschaft Greensill Capital. Diese Firma hat in der jüngeren Vergangenheit mehrfach Schlagzeilen mit kritischen Geschäften gemacht. So finanzierte sie Forderungen grosser britischer Firmen, die später Konkurs anmelden mussten. Dieses Schicksal könnte nun auch Greensill selbst treffen. Das zumindest suggerieren Berichte des «Wall Street Journal». Die Credit-Suisse-Fonds investieren ausschliesslich in Forderungen, die von Greensill ausgewählt und strukturiert wurden.

Am Montag berichtete die US-Zeitung, ein offenbar wichtiger Kreditversicherer sei nicht mehr bereit neue Greensill-Forderungen zu decken. Das habe die Bank veranlasst, den Handel mit den Papieren einzustellen. Die Berichte des «Wall Street Journal» werden von der Credit Suisse nicht dementiert. Die Bank bringt aber selbst kein zusätzliches Licht in die diffusen Hintergründe der Krise.

Unversicherte Forderungen in Milliardenhöhe

Offenbar hat Greensill ein Klumpenrisiko beim Stahlmagnaten Sanjeev Gupta, dessen britische GFG Alliance mit Hilfe von Greensill zahlreiche Übernahmen finanziert haben soll. GFG Alliance war auch am Kauf von Thyssen Krupp interessiert. Inwieweit die mutmasslichen Gupta-Risiken nun auch auf den Investoren der Credit-Suisse-Fonds lasten ist nicht bekannt.

Fakt ist indes, dass die Bank mit der Aussetzung des Fondsverkaufs das Geschäftsmodell von Greensill unterläuft. Greensill nutzt die CS-Fonds als wichtige Finanzierungsquelle.

Die grosse Frage ist nun, ob und in welchem Umfang eine mögliche Abwicklung von Greensill die von der Gesellschaft finanzierten Kunden in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen könnte. Dies würde wiederum für die Investoren der Supply-Chain-Fonds der Credit Suisse-Fonds eine Wertverminderung bedeuten.

Nicht alle Forderungen in diesen Fonds sind durch Versicherungen gedeckt. Der sogenannte «Supply Chain Finance High Income Fund» unter dem die Bank seit 2018 «ertragsorientierte Anlagelösungen mit kurzem Laufzeitprofil» anbietet sind nicht versichert. Der Fonds hat ein Anlagevolumen von rund 2,5 Milliarden Dollar. Allfällige Schäden könnten für die Grossbank neue, potenziell teure Rechtshändel zur Folge haben. Das befürchten mindestens die Aktionäre.

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