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NEUES GESETZ: Pasta-Streit in Italien

Um den Hartweizen wird in Italien hart getreten. Nudelhersteller wehren sich mit Händen und Füssen gegen eine Kennzeichnung, die Auskunft über die Herkunft der wichtigen Zutat gibt.
Dominik Straub, Rom

Die italienische Regierung will die Pastahersteller des Bel­paese ab nächstem Jahr zwingen, auf ihren Produkten die Herkunft des verwendeten Hartweizens anzugeben. Die Pastabarone um Marktführer Barilla kündigten an, sich vor Gericht gegen das «diskriminierende» Gesetz zu wehren.

Bei dem Streit geht es nicht bloss um ein Nahrungsmittel, sondern um ein nationales Kulturgut, um Identität. Mit einem Prokopfkonsum von 26 Kilo pro Jahr sind die Italiener die grössten Nudelesser der Welt. Die Schweizer vertilgen durchschnittlich 9 Kilo, die Deutschen 8 Kilo Teigwaren pro Jahr. «Die Pasta ist die Königin der Tafel, das Olivenöl und die Tomate sind die Könige», doziert der Pastaproduzent Giuseppe Di Martino, Präsident der Pastahersteller von Gragnano, dem Geburtsort der Spaghetti einige Kilometer südlich von Neapel.

250 verschiedene Formen der beliebten Nudeln

Allein in Italien gebe es etwa 250 verschiedene Formen, und jedes Jahr kommen neue dazu. Italien ist auch mit Abstand der grösste Pastaproduzent. Rund 70 Prozent der weltweit konsumierten Hartweizennudeln stammen aus dem Belpaese. Allein: Die ganzen Fusilli, Maccheroni, Paccheri, Spaghetti, Linguine, Mezze­maniche und Penne mögen zwar italienisch tönen und in Italien hergestellt werden, aber nicht immer ist die mit Abstand wichtigste Zutat, der Hartweizen, ebenfalls italienischer Herkunft. Bei den IGP-Nudeln aus Gragnano ist die Verwendung von italienischem «grano duro» zwar vorgeschrieben, aber vor ­allem die grossen Hersteller und Exporteure wie Barilla, Buitoni, De Cecco und Garofalo verwenden zumindest teilweise auch importierten Hartweizen, in erster Linie aus Kanada, den USA und aus der Ukraine. Ein Etikettenschwindel, finden die im Kleinbauernverband Coldiretti organisierten Harzweizenproduzenten schon lange.

Inlandsproduktion deckt nur zwei Drittel des Bedarfs

Mit Demonstrationen und intensivem politischen Lobbying haben die Landwirte nun ein altes Ziel erreicht: Die Regierung von Paolo Gentiloni will die Pastahersteller per Dekret dazu zwingen, ab dem Februar kommenden Jahres ihre Produkte mit einer Herkunftsbezeichnung für den Hartweizen zu versehen.

Den Pastabaronen gefällt dies gar nicht. Sie weisen darauf hin, dass in Italien mit 4,5 Millionen Tonnen zwar weltweit am zweitmeisten Hartweizen produziert werde (nach Kanada), aber dass die inländische Produktion je nach Ernte nur rund zwei Drittel des Bedarfs decke. «Wenn die 120 Pastahersteller nur noch italienischen Hartweizen verwenden würden, dann würde die nationale Produktion um 30 bis 40 Prozent einbrechen», betont Paolo Barilla, Vizepräsident des gleichnamigen Marktleaders.

Produzenten ziehen vor Gericht

Der Verband der Pastaproduzenten Aidepi hat bereits angekündigt, gegen die Einführung der Herkunftsbezeichnung gerichtlich vorgehen zu wollen. Sie sei «diskriminierend» und diene ausschliesslich dem Schutz der einheimischen Produzenten, deren Hartweizen im Übrigen keineswegs von höherer Qualität sei als der importierte, wie Barilla betont.

Das Dekret suggeriere, dass es auf die Herkunft des Hartweizens ankomme, ob die Pasta gut oder schlecht sei – was nicht zutreffe. Allerdings: Das Regierungsdekret zwingt die Hersteller nicht zur Verwendung inlän­dischen Hartweizens, sondern ­lediglich zur Deklaration der Herkunft. Inwieweit diese Information für Konsumenten diskriminierend sein soll, haben die Pastabarone bisher nicht einleuchtend darlegen können. Für die Bauern von Coldiretti ist jedenfalls klar: «Die Pastahersteller setzen ihre eigenen kommerziellen Interessen einmal mehr über jene der italienischen Konsumenten, die Transparenz verlangen», heisst es in einer ­Mitteilung des Kleinbauernverbands.

Kanadier verwenden verbotenes Glyphosat

Auf diese Weise werde den Italienern zum Beispiel auch verschwiegen, dass der kanadische Hartweizen mit dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat behandelt werde, das in Italien verboten sei.

Diesen Vorwurf lassen die Pastahersteller nicht gelten: Im Ausland produzierter Hartweizen enthalte höchstens Spuren von Glyphosat. «Man müsste jeden Tag 200 Kilo Pasta essen, 365 Tage im Jahr, damit eine gesundheitsschädliche Wirkung eintreten würde, betont Aidepi-Präsident Riccardo Felicetti. Solche Mengen Pasta, wenigstens das steht in diesem Streit fest, essen nicht einmal die Italiener.

In der Schweiz wird Hartwezen kaum angebaut. Der Hartweizen ist nach Weichweizen die wirtschaftlich bedeutendste Weizenart. Der Anbau erfolgt als Sommergetreide. Charakteristisch ist die hohe Kochfestigkeit.

Dominik Straub, Rom

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