Neuer UBS-Chef macht Ernst

Die Grossbank UBS fährt die Risiken im Investmentbanking zurück. Das ist mit dem Abbau von weiteren Stellen in dieser Sparte verbunden. Dafür winkt den Anlegern im Jahr 2012 wieder eine Dividende.

Hans Bärtsch
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UBS-Konzernchef Sergio Ermotti hat den sich abzeichnenden Umbau der Grossbank konkret festgemacht. Künftig wird die Vermögensverwaltung eine gewichtigere Rolle spielen. (Bild: freshfocus/Andy Müller)

UBS-Konzernchef Sergio Ermotti hat den sich abzeichnenden Umbau der Grossbank konkret festgemacht. Künftig wird die Vermögensverwaltung eine gewichtigere Rolle spielen. (Bild: freshfocus/Andy Müller)

NEW YORK. Der grosse Knall ist ausgeblieben. Vielmehr bestätigte die UBS an dem mit Spannung erwarteten Investorentag von gestern in New York, was sich in den letzten Tagen und Wochen abgezeichnet hatte. Im Kern ist dies eine Reduzierung von Risiken. Und dies betrifft vor allem das Dauer-Sorgenkind namens Investmentbanking. Hier will die Grossbank den sogenannten Eigenhandel ganz kappen. Die risikogewichteten Aktiven in diesem Bereich werden von 300 Mrd. um satte 50% auf 145 Mrd. Fr. reduziert.

Stellenabbau konkretisiert

Das bedeutet den Wegfall gewisser Geschäfte der Handelsabteilung. Und das wiederum ist mit einem Stellenabbau verbunden. Von heute 18 000 soll die Zahl der Beschäftigten bis Ende 2016 auf rund 16 000 zurückgefahren werden. Der Grossteil dieses Abbaus wurde indes bereits im August kommuniziert. Die gestern bekanntgegebene Anpassung des Mitarbeiterbestandes im Investmentbanking betrifft somit rund 400 weitere Arbeitsplätze. Insgesamt sind bei der UBS weltweit rund 65 000 Personen beschäftigt.

Vermögensverwaltung zudienen

Der neue starke Mann bei der UBS, Sergio Ermotti, betonte vor den Investoren mehrfach, dass das Investmentbanking künftig voll im Dienst der Vermögensverwaltung stehen soll. Diese soll denn auch zum starken Ertragspfeiler der UBS werden. Die Investmentbanker sollen ihre Tätigkeiten im Anlage- und Beratungsgeschäft damit voll auf die (super-)reichen Privatkunden ausrichten.

Mit der Redimensionierung des Investmentbankings revidiert die UBS auch ihre Ertragsziele. Während der im September zurückgetretene Konzernchef Oswald Grübel noch von einer Rendite von 15% bis 20% auf dem eingesetzten Kapital gesprochen hatte, nannte Ermotti gestern 12% bis 17% als Zielgrösse.

Als weiteres «Zückerchen» für die Vertrauensbildung kündigte der Tessiner per 2011 die erstmalige Ausschüttung einer Dividende nach den desaströsen letzten (Verlust-)Jahren an. Diese soll 10 Rp. pro Anteilschein umfassen. Zuletzt war 2006 eine Bar-Dividende ausbezahlt worden. Ferner plant die Grossbank, Kapital an die Aktionäre zurückzuführen, wie es gestern am Anlass in den USA hiess.

Cocos nicht mehr abgeneigt

In der «Nach-Ära» Grübel ist man bei der UBS auch sogenannten Cocos nicht mehr abgeneigt. Laut Finanzchef Tom Naratil sei es durchaus denkbar, mit solchen im Notfall Eigenkapital zu schaffen. Es geht dabei vor allem um die Differenz der 13% Eigenkapitalquote, welche die UBS 2013 erreichen will, und den vom Parlament vorgeschriebenen 19%. Die Grossbank Credit Suisse hatte sich im Gegensatz zur UBS nie gegen die Schaffung von Cocos gestellt.

Anspruchsvoller Prozess

Der Transformationsprozess der UBS in eine konsequent auf den Kunden ausgerichtete und deutlich risikoärmer geschäftende Bank wurde wiederholt als «anspruchsvoll» bezeichnet.

So sehen das auch internationale Finanzmedien. In ersten Reaktionen wurde auf die Gefahr hingewiesen, dass momentan jede Grossbank ihr Investmentbanking verkleinere und sich auf die vermögende Kundschaft fokussiere. Namentlich in Schwellenmärkten wie Asien oder Südamerika. Der UBS schwebt jedenfalls vor, jährlich bis zu 5% an Neugeldern zu generieren.