Neuer Chef für alte Probleme

Steve Ballmers angekündigter Abgang erfreut die Börse. Der Microsoft-Chef hat es nicht geschafft, auf den Trend zu mobilen Endgeräten zu reagieren.

John Dyer
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Steve Ballmer (Bild: epa)

Steve Ballmer (Bild: epa)

BOSTON. Steve Ballmer erklärt seinen Rücktritt innert der nächsten zwölf Monate (vgl. Ausgabe vom Samstag) mit einer Notwendigkeit, Microsoft neu zu organisieren: «Wir brauchen einen Chef, der für eine längere Zeit in diese neue Richtung führen kann.»

Ballmer (57), Sohn eines Schweizer Einwanderers, ist seit 1980 bei Microsoft. Er war damals einer von 30 Mitarbeitenden und der erste angestellte Manager. Im Jahr, als er begann, setzte das 1975 gegründete Unternehmen 7,5 Mio. $ um. Heute sind es 78 Mrd. $. Ballmer war für die Führung einer Reihe von Abteilungen zuständig, ab 1992 für den Verkauf. 1998 wurde er Präsident und damit Nummer zwei hinter Firmengründer Bill Gates. Dieser zog sich 2000 aus der operativen Führung zurück, Ballmer übernahm.

Apple, Google und Facebook

Microsofts Stärke beruhte auf seiner Software für Personalcomputer (PC). Noch heute läuft ein Grossteil der PC weltweit mit Windows. Die Lizenzeinnahmen für die Programme sind verlässliche Ertragsquellen. Doch anders als in den späten 90er-Jahren gilt Microsoft nicht mehr als der Gigant der Technologiebranche. Rivale Apple ist mit seinen Tablets und iPhones längst vorbeigezogen. Suchmaschinenanbieter Google macht seinen Umsatz mit Werbung im Internet. Facebook vernetzt über eine Milliarde Menschen.

Steve Jobs belächelt

Microsoft wirkt daneben wie eine verlässliche, aber langweilige Geldmaschine. Ballmer hat zwar früh auf die mobile Kommunikation gesetzt, die neuen Geräte Apples aber lange unterschätzt. Als Steve Jobs das iPhone präsentierte, zweifelte Ballmer öffentlich an, ob es so ein Gerät brauche. Da half auch später die Partnerschaft mit dem angeschlagenen finnischen Mobiltelefonhersteller Nokia nichts mehr – Windows ist auf Smartphones kaum präsent. Und die Präsenz auf Tablets – Windows 8 wurde extra dafür entwickelt – ist zu einem hohen Preis erkauft worden: Ballmer hat viele seiner bestehenden Kunden vergrault, die auf ihren Computern und Laptops an der gewohnten Software-Architektur festhalten wollen.

«Eine frische Perspektive»

Investoren haben Ballmer nicht mehr zugetraut, die Wende zu schaffen. Das zeigte der Kurssprung der Microsoft-Aktie um bis zu 10% als Reaktion auf seinen anstehenden Abgang. Doch der Übergang zur mobilen Kommunikation bleibt die grosse Herausforderung von Ballmers Nachfolger. Viele Analysten raten, den neuen Chef von aussen zu holen: «Es braucht eine frische Perspektive», sagt etwa Chris Ciaccia vom Finanzmagazin «The Street».