Neue Flaschen im Angebot

Sigg bringt dieses Jahr eine Glasflasche auf den Markt. Nach dem Skandal um vermutete giftige Inhaltsstoffe vor ein paar Jahren steht die Marke heute wieder für Lifestyleprodukte. Seit Februar ist ein neuer Chef am Ruder.

Madeleine Stäheli Toualbia
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Sigg-Flaschen aus Aluminium kennt man auf der ganzen Welt. Sigg baut seine Produktpalette auch mit anderen Materialien kontinuierlich aus. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Sigg-Flaschen aus Aluminium kennt man auf der ganzen Welt. Sigg baut seine Produktpalette auch mit anderen Materialien kontinuierlich aus. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

FRAUENFELD. Sigg mit Sitz in Frauenfeld ist ein verschwiegenes Unternehmen. Gleichwohl ist die Traditionsfirma eine weltweite Marktführerin in der Herstellung von Trinkflaschen, die sie seit 1998 hauptsächlich produziert. Es gibt sie aus Aluminium, Edelstahl und Plastik. Nun wagt sich Sigg auf neues Terrain. «Dieses Jahr lanciert Sigg eine Glasflasche. Ein weiterer Ausbau des Produkteportfolios ist in Arbeit», teilt die Riverside Company auf Anfrage mit. Sigg exportiert die meisten der Flaschen und gehört Riverside, einem US-Unternehmen, das in Europa in mittelständische Firmen mit einem Wert bis 200 Millionen Euro investiert.

Riverside hat Sigg 2003 übernommen, und obwohl die Investitionen etwa sieben Jahre dauern, sind die Amerikaner noch immer Eigner des Unternehmens. «Zeithorizonte variieren für unsere unterschiedlichen Investitionen», erklärt eine Riverside-Sprecherin. «Bei Sigg sind wir immer noch begeistert von der Marke, den Produkten und dem Wachstumspotenzial. Wir glauben, dass wir zu einer erfolgreichen Entwicklung des Unternehmens beitragen und durch unsere Investition Wert schaffen können.»

Marktanteile verloren

2008, exakt zum 100-Jahr-Jubiläum, gab es einen Einbruch bei der Erfolgsgeschichte der Sigg-Trinkflaschen nach einem Rekordumsatz von 60 Millionen Franken, als bekannt wurde, dass die Flaschen Bisphenol A (BPA) enthielten. BPA ist zwar nicht nachweisbar schädlich, aber beispielsweise in Kanada seit 2008 verboten. Obwohl BPA auch in Trinkflaschen anderer Hersteller enthalten war, führten die Bedenken der Konsumenten zu einem Verlust von Marktanteilen im wichtigsten Geschäft, den USA. Für Sigg-Flaschen als Lifestyle-Produkt hatten umweltbewusste Hollywoodstars wie Julia Roberts geworben. Target, einer der grössten US-Einzelhändler, nahm die Sigg-Flaschen aus dem Sortiment. Das schreibt das Beratungsunternehmen Esch aus dem deutschen Saarlouis in einem Beitrag. In Deutschland, dem zweitwichtigsten Markt, war das Thema weit weniger wichtig. Sigg sistierte 2009 trotzdem den geplanten Neubau in Frauenfeld. 2011 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Target-Konkurrent Walmart hingegen, weltweit grösster Einzelhändler, verkaufte Sigg-Flaschen weiterhin.

Heute ist der US-Sitz der neuen Sigg Switzerland AG in Connecticut ein Tochterunternehmen von Sigg Canada Products Inc. Sigg-Produkte, alle BPA-frei, gelten bei Kunden im Internet wieder als ökologische, nachhaltige und unverzichtbare Gebrauchsgegenstände genauso wie als Lifestyle-Accessoires. Statt der Werbung mit Hollywoodstars liess Sigg Flaschen von Topmodel Gisèle Bündchen oder Modedesignerin Vivienne Westwood designen, und aktuell wirbt der Schweizer Tennisprofi Stanislas Wawrinka für Sigg. 2013 kreierten 16 Master-Studenten in Produktdesign der Lausanner Kunsthochschule Ecal in Zusammenarbeit mit Sigg Lunchboxen.

«Die Ecal arbeitet regelmässig mit internationalen oder Schweizer Unternehmen von Weltruf zusammen», erklärt Sprecher Selim Atakurt zur Zusammenarbeit. Für Sigg ist das Ziel die Markteinführung.

Riverside redet mit

Seit Ende Februar führt der neue Sigg-Chef Stefan Ludewig die Geschäfte. Riverside entscheidet mit. «Wie in allen unsern Portfolio-Unternehmen stellen wir nicht nur Kapital bereit, sondern sind auch in die strategischen Ziele involviert, die die langfristige Entwicklung des Unternehmens definieren», erklärt die Riverside-Sprecherin. «Bei Sigg war einer unserer Schwerpunkte in den letzten Jahren zum Beispiel die kontinuierliche Steigerung des Produkteportfolios.» Ludewigs Vorgänger, Markus Kellermüller, war nur neun Monat geblieben, Patric Zingg davor zwei Jahre. Stefan Ludewig kommt von der Unternehmensberatung SLU Consulting GmbH in Zug, die er gemäss Handelsregisterinformationen 2010 gründete und bei der er nach wie vor Geschäftsführer ist. Ein Thema, das mit den Flaschen aus Glas aktuell wird, ist der Produktionsstandort.

Produktion auch in China

Sigg produziert die Aluminium-Flaschen in Frauenfeld und die Thermosflaschen aus Edelstahl in China. Asien ist für Sigg ein Wachstumsmarkt. Sigg hat auch eine japanische Homepage. Recherchen zeigen, dass Sigg ebenso die Lunchboxen aus Aluminium und die Flaschenhüllen in China herstellt. Dort gibt es zugleich billige Nachahmerkonkurrenz. Der chinesische Online-Handelsriese Alibaba bietet Händlern weltweit Flaschen unter dem Namen Sigg an. Sigg, die Marke, beschäftigt aktuell 100 Mitarbeitende und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 50 Millionen Franken.

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