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Immobilien: «Neubauten schnappen die Mieter weg»

Steigende Wohnungsleerstände führen in peripheren Lagen zu heiklen Entwicklungen, und die Stadt St. Gallen leide unter mangelnder Standortattraktivität, beobachtet Thomas Mesmer, Präsident des Svit Ostschweiz.
Interview: Martin Sinzig
Die Leerstände bei den Mietwohnungen steigen weiter an. Bild: Nana do Carmo

Die Leerstände bei den Mietwohnungen steigen weiter an. Bild: Nana do Carmo

Der Kampf um Mieter wird härter. Das stellt auch Thomas Mesmer, Präsident der Ostschweizer Immobilientreuhänder, fest.

Interview: Martin Sinzig

Ausser in Chur und Genf sind Mietwohnungen in den Schweizer Städten immer länger ausgeschrieben – die Mietersuche scheint schwieriger geworden zu sein. Das weist auf eine schwächere Nachfrage und eine weitere Entspannung des Mietwohnungsmarkts hin, wie der jüngste Onlinewohnungsindex (OWI) zeigt.

Dieser wird halbjährlich vom Schweizerischen Verband der Immobilienwirtschaft (Svit) Schweiz und dem Swiss Real Estate Institute der Hochschule für Wirtschaft Zürich veröffentlicht. In der Ostschweiz erkennt Thomas Mesmer, Präsident des Svit Ostschweiz, zum Teil heikle Entwicklungen. Dem regionalen Verband gehören 200 Immobilientreuhandfirmen an.

Der OWI zeigt einen Trend zum Überangebot in allen Kantonen: Wie sieht es in der Ostschweiz aus?

In unserer Region sind die Leerstände und Überangebote nicht erst seit kurzem vorhanden. Schon immer gab es in der Ostschweiz einen Mietermarkt, und das Überangebot war stets präsent. Die Branche in unserer Region weiss damit umzugehen. Das hält aber institutionelle Anleger auch vielfach von der Ostschweiz ab, abgesehen vom tieferen Mietpreisniveau.

Sind steigende Leerstände und längere Insertionsdauern Warnzeichen? Wohin geht die Reise?

In den grösseren Schweizer Städten besteht keinerlei Grund zur Sorge, abgesehen von der Stadt St. Gallen. In der Peripherie wird es jedoch heikler. Neubauten schnappen den Altbauten die Mieter weg. Erstvermietungen sind zwar möglich und finden Abnehmer, aber wie sieht es mit der Neuüberbauung in drei, vier Jahren aus? Renditeliegenschaften sind überteuert. Können die Mieten noch generiert werden, wenn der Markt einmal dreht?

Ist die Forderung nach mehr Eigenmitteln für Rendite­liegenschaften berechtigt?

Die Forderung der Finanzmarktaufsicht (Finma) ist nicht unberechtigt. Sie wird aber einschneidend wirken.

Thomas Mesmer (Bild: pd)

Thomas Mesmer (Bild: pd)

Weshalb sehen Sie in der Stadt St. Gallen Grund zur Sorge?

Der St. Galler kann auswählen, und dies nicht erst seit gestern. Umso tragischer ist, dass er die Auswahl nicht nutzt, sondern wegzieht in die Umgebung, nach Mörschwil, Teufen, Abtwil, Gossau oder Wittenbach. Dort gibt es gute Infrastruktur, tiefere Steuern und mehr Wohnraum für weniger Geld. St. Gallen hat nicht ein Problem von zu wenig Wohnungen oder zu wenig attraktiven Wohnungen, St. Gallen hat ein Problem der Standortattraktivität.

Inwiefern?

Als einzige grössere Stadt der Schweiz hat St. Gallen einen negativen Wanderungssaldo. Sie verliert Einwohner an Zürich oder an die attraktiven Nachbargemeinden wie Mörschwil, Teufen, Gossau oder Gaiserwald. Die Steuern sind in diesen Gemeinden tiefer und die Verkehrsverbindungen von ausserhalb unkomplizierter als innerhalb der Stadt. Darüber hinaus werden Arbeitsplätze vor allem in Behörden und Spitälern geschaffen, weniger in Gewerbe und Industrie. Diese Entwicklung zeichnet sich schleichend seit Jahren ab.

Die Konkurrenz um Mieter wird generell härter. Wie gehen Bewirtschafter damit um?

Manch ein Schweizer Immobilienbewirtschafter ist Leerstände und den Kampf um Mieter nicht gewohnt. Das ist Neuland, was ihn entsprechend nervös macht. Lockvogelangebote sind vielfach unprofessionelle Schnellschüsse, welche mittelfristig weder zielführend noch werthaltig sind.

Welche Leitlinien setzt der Svit Ostschweiz bei seinen Mitgliedern durch?

Übertriebene Lockvogelangebote schaden vor allem der Überbauung und dann der Bewirtschafterin selbst. Bisher hatte der Svit Ostschweiz noch keinen Anlass einzuschreiten. Wir würden aber reagieren, wenn es jemand übertreibt. Darum setzt der Svit Ostschweiz bereits bei der Aufnahme von Mitgliedern auf Qualität.

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