NETZWERK: Online noch Luft nach oben

Eine Studie der Universität St. Gallen hat untersucht, wie es Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Ostschweiz mit dem Netzwerken halten. Dabei zeigte sich, dass Netzwerkarbeit Chefsache ist.

Stefan Borkert
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Symposien und Foren sind Netzwerkanlässe, die zum Kennenlernen und zur Kontaktpflege genutzt werden. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 7. Mai 2015))

Symposien und Foren sind Netzwerkanlässe, die zum Kennenlernen und zur Kontaktpflege genutzt werden. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 7. Mai 2015))

Stefan Borkert

Seit gut 10 Jahren ist Guido Hunke professioneller Netzwerker. Mit seiner Marketing-Agentur hat er auch das Netzwerk Ostschweiz ( <%LINK auto="true" href="http://www.netzwerk-ostschweiz.ch" text="www.netzwerk-ostschweiz.ch" class="more"%> ) aufgebaut, das zusammen mit der Online-Plattform Xing Ostschweizer Unternehmen und ihre Vertreter zusammenbringt: mal an öffentlichen, mal an geschlossenen und mal an Veranstaltungen im kleinen Kreis, also Round-Table-Gesprächen. «Mich hat es schon immer gereizt herauszufinden, welche Bedeutung Netzwerken eigentlich für Unternehmen und deren Führungskräfte tatsächlich hat», sagt Hunke. «Ich wollte nun das Thema wissenschaftlich untersuchen lassen, um zu erfahren, wie Unternehmen und ihre Führungskräfte zum Thema Netzwerken stehen und wie sie dieses Thema für sich nutzen.» Hunke ging auf Peter Mathias Fischer, Assistenzprofessor am Institut für Marketing der Universität St. Gallen, zu und stiess auf offene Ohren. Er hat in Kooperation mit dem Institut ein Konzept und einen Fragenkatalog ausgearbeitet. Student David Staub nahm sich der Studie an, zu der nun die ersten Ergebnisse vorliegen.

5000 Unternehmen und Führungskräfte

Der Fragenkatalog zur Erhebung der Studie: «Welche Bedeutung hat Netzwerken für mittelständische Unternehmen und deren Führungskräfte?» ist an rund 5000 Geschäftsführer und Führungskräfte von mittelständischen Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz geschickt worden, davon allein 400 aus der Ostschweiz. Und die Resonanz konnte sich sehen lassen: «Wir sind mit der Rücklaufquote, sprich der Anzahl der Personen, die sich an der Studie beteiligt haben, sehr zufrieden. Diese liegt bei 10,24 Prozent und ist als überaus positiv zu bewerten. Auch dass rund 80 Prozent der Befragten sagen, dass Netzwerken für sie wichtig ist, zeigt die grosse Bedeutung des Themas für den Mittelstand», sagt Hunke. Die Ergebnisse der Studie zeigen ein unterschiedliches Bild. Erwartungsgemäss hat Netzwerken ein hohes Gewicht. Rund 80% der Befragten geben an, dass Netzwerken für ihr Unternehmen wichtig ist. Nur knapp jedes fünfte Unternehmen hat aber auch ein Controlling. Nur jedes dritte Unternehmen schult und sensibilisiert Mitarbeiter zum Thema Netzwerken. «Hier besteht also durchaus noch Handlungsbedarf», kommentiert Hunke. Er fährt fort: «Diese Ergebnisse überraschen insbesondere deshalb, weil rund zwei Drittel der Befragten äussern, dass sie netzwerken, um neue Kunden zu akquirieren. Wobei auch offen bleibt, wie häufig Netzwerken zu direkten Geschäftsabschlüssen führt. Für die Akquisition werden Netzwerkanlässe, gemäss der Studie denn auch nur von wenigen genutzt. Netzwerken ist auf jeden Fall meist Chefsache. Das gaben zumindest 70% der Befragten an. Bevorzugt wird ausserdem der persönliche Kontakt. «Offline-Netzwerken hat einen höheren Stellenwert wie Online-Netzwerken», sagt Hunke. Dieser Meinung sind mindesten 50% der Befragten.

Fachlicher Austausch spielt untergeordnete Rolle

Nur knapp 30% hingegen sagen, dass Online-Netzwerken, also die Nutzung von sozialen Medien, auch spezieller Spartenmedien, für sie sie wichtig oder sehr wichtig ist. Auffällig dabei sei, dass rund 85% angeben, dass sie Online-Plattformen nutzen, um mit Personen in Kontakt bleiben wollen. «Andere Gründe wie fachlicher Austausch oder Nutzung von Online-Plattformen als Analyse-Tool spielen hingegen eine untergeordnete Rolle.» Für Netzwerker Hunke ist klar, dass auf diesen Gebiet für Manager und Unternehmen noch Luft nach oben besteht. «Netzwerken könnte insgesamt wesentlich professioneller angegangen werden», resümiert Hunke. Er ist überzeugt, dass das den Unternehmen zu mehr Nutzen verhilft. Er empfiehlt ausserdem Unternehmern und für das Netzwerk zuständigen Kaderleuten, eine Kontaktliste mit A-, B-, C-, D-Kontakten zu führen und diese zu pflegen. «Aus einem D-Kontakt kann nach einigen Jahren leicht ein A-Kontakt entstehen.»