Negative und positive Szenarien für 2012

Die Finanzmärkte dürften sich auch 2012 einem rauhen Gegenwind ausgesetzt sehen.

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Die Finanzmärkte dürften sich auch 2012 einem rauhen Gegenwind ausgesetzt sehen. Für strategisch ausgerichtete Anleger, die bereit sind, für die Wertschöpfung eine hohe Volatilität zu tolerieren, sehen wir indessen attraktive langfristige Chancen bei einzelnen Aktien, Anleihen und alternativen Anlagen. Der Schlüssel zur Risikobeschränkung liegt in einer Diversifikation punkto Anlagekategorien und Vermögenswerten.

Risiken im nächsten Jahr

Die Hauptrisiken für 2012 sind negativer Art: das Scheitern wirtschafts- und haushaltpolitischer Massnahmen in Europa und den USA sowie eine Eskalation in Nahost. Zu den weniger wahrscheinlichen positiven Überraschungen gehören entschiedene Reformen in der Eurozone und eine dynamischere US-Konjunktur. Wir schlagen deshalb einige Absicherungsmassnahmen für den Fall extremer globaler Entwicklungen vor.

Dollarmangel, Börsenbaisse

Eine Absicherung gegen extremste Szenarien ist eine Positionierung in Dollar-Euro-Puts. Bisher hat sich der Euro in der Krise des Währungsraums recht gut behauptet, was der Netto-Rückführung von Kapital, das in ausländischen Vermögenswerten angelegt ist, durch europäische Banken zu verdanken war, die sich entschulden. Wenn die Weltwirtschaft in eine Phase starker Schrumpfung eintritt, kann diese Netto-Kapitalrückführung sofort umschlagen in eine Netto-Abdeckung von Verlusten, die im Ausland erlitten wurden, so dass es den Banken akut an Dollar mangeln würde. Eine solche Strategie sollte auch effizient sein, falls Europa in eine Rezession rutscht und sich andere Regionen erholen.

Am direktesten aufbauen lässt sich ein Exposure gegenüber einer potenziellen Aktienmarkt-Baisse als Folge einer globalen Krise oder Rezession mit dem Kauf von «Out of the money»-Puts (Option ohne inneren Wert, wenn der Marktpreis des Basiswertes grösser ist als der Ausübungspreis) oder Put Spreads (gleichzeitiger Kauf und Verkauf von Put-Optionen mit unterschiedlichen Ausübungspreisen) auf den Aktienindex S&P 500.

Absichern gegen Ölpreisschock

Eine weitere Bedrohung für das Wachstum könnte von der politischen Instabilität in Nahost ausgehen, die wegen einer befürchteten Angebotsverknappung einen steilen Anstieg der Ölpreise bewirken könnte. Ein Kaufengagement in Öl, vor allem durch «Out of the money»-Calls (Option ohne inneren Wert, wenn der Marktpreis des Basiswertes kleiner ist als der Ausübungspreis), kann hier effizient absichern. Das böte auch Schutz vor einer überraschend starken globalen Wachstumserholung mit sprunghaft steigenden Ölpreisen als Folge anziehender Nachfrage.

Die Rolle von Staatsanleihen

Schliesslich raten wir für den Fall, dass die Schuldenkrise in Europa – zum Beispiel durch Eurobonds – gelöst wird, zum Kauf italienischer und spanischer Staatsanleihen respektive zu Verkaufspositionen in deutschen Bundesanleihen. Eine derartige Position wäre zwar zu Beginn anfällig auf möglicherweise steigende Kreditrisikoprämien. In einem Szenario, in dem eine anfängliche Zuspitzung der Krise eine wirksame Lösung erzwingt, würde sie sich aber letztlich als robust erweisen.

Stefan Dudler, Leiter Investment

Consulting Team Ostschweiz

der Credit Suisse