Nationale Suisse – die Kunstsinnigen

Die aus der Schweizerischen Lloyd hervorgegangene Nationale Suisse hat eine bewegte Geschichte. Dies wegen deutscher Beteiligung, die in den Kriegsjahren schwere Hypothek war.

Richard Clavadetscher
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Am Anfang stand eine Liquidation: Nach schnellem Aufstieg zu Europas grösstem Transportversicherer kam die 1863 in Winterthur gegründete Schweizerische Lloyd Transport-Versicherungs-Gesellschaft in den 1870er-Jahren in Bedrängnis. Grund dafür waren neben einer Rezession vor allem fragwürdige Geschäfte und «unredliches Verhalten» des Direktors.

Neues aus den Trümmern des Alten

Nach dem Freitod des Direktors zu Jahresbeginn 1883 beschloss die Generalversammlung des Unternehmens im Frühjahr dessen Liquidation. Eine neue Gesellschaft sollte die gewinnbringenden Teile des liquidierten Unternehmens weiterführen und dabei das bestehende Agenturnetz weiter nutzen. Diese am 15. Mai 1883 wiederum in Winterthur gegründete Neue Schweizerische Lloyd Transport-Versicherungs-Gesellschaft gilt als Mutter der heutigen Nationale Suisse, die dieses Datum denn auch als Gründungsdatum nennt.

Der Erfolg als Transportversicherer hielt sich allerdings in engen Grenzen, so dass in den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts schon mal überlegt wurde, auch diese Gesellschaft zu liquidieren. Der Verwaltungsrat entschied dann jedoch anders: Statt der Liquidation wollte man die Tätigkeit auf neue Geschäftsfelder ausdehnen.

Als realistisch wurden das Haftpflicht-, das Glas- und Einbruch/Diebstahl-Versicherungsgeschäft eingestuft. Weil dem Unternehmen hier jedoch die Erfahrung fehlte, entschied man sich zu einer Kooperation mit der Münchner Rückversicherungsgesellschaft, die sich darauf namhaft am Unternehmen beteiligte. Die Münchner verlangten allerdings, dass der Firmensitz nach Basel zu verlegen und eine Namensänderung zu vollziehen sei. So hiess die Neue Schweizerische Lloyd ab 1898 Schweizerische National-Versicherungsgesellschaft und verlegte ihren Sitz nach Basel.

Darauf und bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs gelang dann ein steter Aufstieg. Die National wuchs aber vor allem im Ausland und dies hauptsächlich im Bereich Feuer-Rückversicherung und Transport. Die restlichen Geschäftsfelder hatten einen bescheidenen Umfang. Das Inlandgeschäft blieb zudem klein.

Es war die deutsche Beteiligung, die der National während beider Weltkriege zum Nachteil gereichte. Sie kam bei den Alliierten auf schwarze Listen, was die Einschränkung oder gar das Verbot der Unternehmensaktivitäten in jenen Ländern zur Folge hatte.

Förderin von Schweizer Kunst

Gleichwohl vermochte sich die National durch die Kriegszeiten zu retten. In der Nachkriegszeit intensivierte das Unternehmen das Engagement in Europa und stieg in den Geschäftszweig Lebensversicherungen ein. Zu Beginn dieses Jahrhunderts schliesslich richtete sich die National strategisch neu aus und setzt seither vermehrt auf Nischen. 2006 wechselte sie den Namen zum heute gültigen: Nationale Suisse.

Eine Besonderheit, auf welche die Nationale Suisse stolz ist, ist ihr breites Engagement in der Kunst. Sie geht dabei weit über das Geschäftliche (Kunstversicherung) hinaus; das Unternehmen hat sich auch einen Namen gemacht als Sammlerin, Mäzenin und Förderin von Schweizer Kunst.