Nationalbank weicht nicht ab

Die Schweizerische Nationalbank hält an den Negativzinsen auf den Giroguthaben der Banken fest. Zudem bleibt das Zielband für den Leitzins tief im Keller ruhen. Die Aufgabe des Euromindestkurses wird verteidigt.

Thorsten Fischer
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Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, trifft zur Medienkonferenz in Zürich ein. (Bild: ky/Walter Bieri)

Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, trifft zur Medienkonferenz in Zürich ein. (Bild: ky/Walter Bieri)

Es war die Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen, welche die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar bewog, den Euromindestkurs aufzugeben. Das machte Thomas Jordan, Präsident des SNB-Direktoriums, an der gestrigen Medienkonferenz der SNB nochmals deutlich. Die anhaltende Euroabschwächung zeige nun «eindrücklich, wie enorm der zusätzliche Druck beim Festhalten am Mindestkurs geworden wäre», sagte der SNB-Präsident laut der Agentur SDA.

Die Nationalbankbilanz hätte sich unkontrolliert um mehrere 100 Milliarden Franken ausdehnen können – also um ein Mehrfaches des schweizerischen Bruttoinlandprodukts. «Das hätte der schweizerischen Volkswirtschaft Kosten aufgebürdet, die in keinem Verhältnis zum Nutzen einer Fortführung der Eurountergrenze gestanden wären.» Die Nationalbank wäre im Handlungsspielraum eingeschränkt und ihre Aufgabenerfüllung auf längere Sicht gefährdet gewesen.

Bei Bedarf aktiv werden

In ihrer regelmässigen Lagebeurteilung unterstrich die Nationalbank erneut, bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv zu bleiben. Seit der Aufhebung des Euromindestkurses Mitte Januar haben die Schweizer Währungshüter aber – soweit sich das aus den vorliegenden Daten ablesen lässt – keine Devisen mehr gekauft, um den Franken zu schwächen, wie die SDA analysiert. Aufgrund ihrer Lagebeurteilung hält die Nationalbank grundsätzlich an ihrer bisherigen Geldpolitik fest. Das heisst: Die Negativzinsen auf den Giroguthaben der Banken bleiben auf –0,75 Prozent, das Zielband für den Referenzzins Dreimonatslibor ruht weiter zwischen –1,25 und –0,25 Prozent.

Andere Wege als Negativzinsen sieht der SNB-Präsident derzeit nicht. Denn laut Jordan tragen die Gebühren auf Einlagen dazu bei, die Überbewertung des Frankens abzubauen. Zudem hielt er vor den Medien fest: «Bei aller Besorgnis über die Negativzinsen sollte auch nicht vergessen werden, dass bei einer negativen Inflation die Realzinsen höher sind als die Nominalzinsen.»

In der Vergangenheit sei die Inflation schon öfters höher als der Nominalzins gewesen. Gemessen am realen Ertrag habe es also Zeiten gegeben, in denen sich Sparen weniger gelohnt habe als heute, sagte Jordan. Aktuell liegt die Inflationsprognose der Notenbank für 2015 bei –1,1 Prozent und für 2016 bei –0,5 Prozent. Was die Konjunktur angeht, sieht die Nationalbank für das laufende Jahr ein Wachstum von knapp 1 Prozent.

Nicht alle Branchen wachsen

Gestern hat auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) seine Konjunkturprognose veröffentlicht. Das Seco geht von einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) von 0,9 Prozent für 2015 respektive 1,8 Prozent für 2016 aus. Das ist zwar tiefer als vor einigen Monaten gedacht, aber verheisst, wie bei der SNB, immer noch ein Wachstum. Das Seco wies dennoch darauf hin, dass bestimmte Branchen oder einzelne Firmen derzeit vor grossen Problemen bei der preislichen Konkurrenzfähigkeit stünden. Das Seco erwartet im laufenden Jahr ein Exportwachstum von gerade noch 0,7 Prozent.

Druck auf Exporte im Februar

Ein Blick in die jüngste Vergangenheit zeigt: Die Exporte sind im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,9 Prozent auf 16,1 Mrd. Franken zurückgegangen. Bereits im Januar waren die Zahlen laut der Eidg. Zollverwaltung gesunken. Der von der SDA befragte Chefökonom der Konjunkturforschungsstelle Bakbasel, Martin Eichler, sagte, die Frankenstärke spiele beim Rückgang der Exporte sicher eine Rolle. Wie stark sich der Kurs auswirke, sei noch unklar. Auch die deutschen Exporte entwickelten sich zuletzt enttäuschend und die Schweizer Exportwirtschaft sei stark von Deutschland abhängig.