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«Nationalbank steht für Eingriffe bereit»

Obwohl die Finanzwelt grossmehrheitlich nicht damit gerechnet hatte, dass EZB-Chef Mario Draghi den Leitzins auf null Prozent senkt, ist die Reaktion verhalten. Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch erklärt mögliche Folgen.
Ernst Meier
Rudolf Minsch Economiesuisse-Chefökonom (Bild: ky)

Rudolf Minsch Economiesuisse-Chefökonom (Bild: ky)

Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, senkt überraschend den Leitzins auf Null. Experten hatten damit nicht gerechnet. Wie bewerten Sie diesen Schritt?

Rudolf Minsch: Die Leitzinssenkung von 0,05 auf null Prozent liegt in einem homöopathischen Bereich. Es ist ein sehr kleiner, symbolischer Zinsschritt, der aber de facto nicht viel ändern wird.

Was bedeutet das für die Schweizer Wirtschaft?

Minsch: Entscheidend wird sein, wie der Schweizer Franken reagiert. Gestern zeigte er zwar nervösw Fieberzuckungen, es kam aber zu keinen grossen Abschlägen nach unten. Die Marke 1.09 Franken pro Euro hat gehalten. Es ist gut möglich, dass dabei die Schweizerische Nationalbank stützend eingegriffen hat.

Ist ein weiterer Frankenschock ein denkbares Szenario?

Minsch: Ich rechne nicht mit einer weiteren deutlichen Aufwertung des Frankens. Erstens ist die europäische Konjunktur trotz der sehr tiefen Inflation recht gut unterwegs. Zweitens ist die Zinsdifferenz der Schweiz zum Euroraum nach wie vor gross genug, dass eine Flucht in den Schweizer Franken ausbleiben wird.

Welche Reaktion erwarten Sie von der Schweizerischen Nationalbank?

Minsch: Nationalbankpräsident Thomas Jordan wird für weitere Eingriffe bereitstehen. Ich gehe davon aus, dass die Nationalbank übertriebene Aufwertungen ohne zu zögern bekämpfen wird.

Die US-Notenbank Fed hat im letzten Dezember die Zinswende eingeläutet, als sie erstmals seit fast zehn Jahren den Leitzins erhöhte. Was bedeutet der EZB-Entscheid für die US-Geldpolitik?

Minsch: Die USA haben immer wieder bewiesen, dass sie nicht so stark nach Europa schauen, sondern vor allem auf die Binnenkonjunktur. Wenn schon, wird die Weltkonjunktur als Ganzes betrachtet. Die US-Wirtschaft ist immer noch die grösste weltweit. Im Gegensatz zur kleinen Schweiz spielen Wechselkursänderungen für die USA eine deutlich kleinere Rolle.

Die Börsen in Europa und der Schweiz haben zunächst positiv auf die EZB-Zinssenkung reagiert und danach ins Minus gedreht. Wie schätzen Sie die Chancen für die Anleger ein?

Minsch: Im Prinzip hat Mario Draghi die Aktienmärkte gestützt und deren Abhängigkeit vom billigen Geld nochmals erhöht. Ich erachte das als kritische Entwicklung, denn durch die Geldpolitik getriebene Aktienkurse bergen die Gefahr abrupter Korrekturen. Anleger sollten vorsichtig bleiben und auch mal Gewinne realisieren.

Ein Leitzins von null und weitere 20 Milliarden Euro für den Markt: Führt diese Geldschwemme unvermeidlich zu einer hohen Inflation im Euroraum?

Minsch: Das muss nicht zwingend passieren. Das Risiko ist aber da. Es ist immer noch eine offene Frage, ob die grossen Zentralbanken aus der ultraexpensiven Geldpolitik rechtzeitig wieder aussteigen können. Man sieht in den USA, wie vorsichtig Notenbankchefin Janet Yellen agiert. Es ist deutlich einfacher, die Märkte mit Geld zu fluten, als die Liquidität später wieder abzubauen. Ob dieses Unterfangen eines Tages ohne volkswirtschaftliche Negativfolgen passiert, ist derzeit noch völlig offen.

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