Nationalbank dürfte Geldpolitik stabil beibehalten

ZÜRICH. Die Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sind per Ende Mai auf rekordhohe 602,1 Mrd. Fr. gestiegen. Das sind 14,2 Mrd. Fr. mehr als vor Monatsfrist.

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ZÜRICH. Die Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sind per Ende Mai auf rekordhohe 602,1 Mrd. Fr. gestiegen. Das sind 14,2 Mrd. Fr. mehr als vor Monatsfrist. Ein Teil des Zuwachses ist auf die Abwertung des Frankens im Berichtsmonat zurückzuführen: Gegenüber Euro und Dollar verlor der Franken je rund 1,5 Rappen. Der Anstieg der Devisenreserven, der seit 2009 anhält und seit 2012 dramatisch beschleunigt, zeigt aber auch, dass die SNB «weiterhin massiv interveniert, um den Wechselkurs zu stabilisieren, der seit Ende April in einer Spanne von 1.10 bis 1.11 Franken pro Euro gefangen ist». Das schreibt Laurent Bakhtiari, Marktanalyst der Genfer IG Bank. Mit anderen Worten: Die SNB kauft weiterhin Devisen, um den Franken vor einer Aufwertung zu bewahren.

Laut Bakhtiari machen mehrere Faktoren den Franken attraktiv: So belasten Ängste vor einem Ausscheiden Grossbritanniens aus der EU (Brexit) sowohl das britische Pfund als auch den Euro, und jüngste Äusserungen der US-Notenbankchefin Janet Yellen deuten darauf hin, dass die Notenbank die nächste Zinserhöhung verschieben könnte, was den Dollar belastet.

Laut Bakhtiari dürfte die SNB weiterhin alles tun, was notwendig ist, um den Wechselkurs zwischen 1.10 und 1.11 Fr. pro Euro zu halten. Derweil geht die Credit Suisse (CS) davon aus, dass die SNB an ihrer nächsten geldpolitischen Lagebeurteilung am 16. Juni ihre auf zwei Pfeilern aufbauende Geldpolitik unverändert belässt. Demnach erwartet CS-Ökonom Maxime Botteron, dass die SNB einerseits den Strafzins für Einlagen der Geschäftsbanken bei der SNB, die einen gewissen Freibetrag überschreiten, auf –0,75% lässt. Andererseits dürfte die SNB auch künftig bei Bedarf am Devisenmarkt intervenieren. Längerfristig hingegen könnte eine kontinuierliche Verbesserung der Schweizer Exporte und des Geschäftsklimas Fragen hinsichtlich der aktuellen Geldpolitik generell und der Negativzinsen speziell im Vergleich zu ihren Kosten aufwerfen. Solange aber die Inflation derart tief bleibe und der Privatkonsum abkühle, hält Botteron «eine sehr expansive Geldpolitik» für «weiterhin gerechtfertigt». (T. G.)

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