NAHRUNGSMITTEL: Hügli hat weniger verdient

Das Lebensmittelunternehmen mit Hauptsitz in Steinach hat ein durchwachsenes Jahr hinter sich. Auf Kurs ist die anstehende Übernahme durch Bell.

Julian Räss
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Ein letztes Mal, bevor Hügli vom Fleischverarbeiter Bell übernommen wird, vermeldet der Hersteller von Saucen, Suppen, Bouillons, Gewürzen, Fertiggerichten, Desserts usw. seine Geschäftszahlen als eigenständiges Unternehmen. Trotz einer Aufholjagd im Herbst konnte Hügli 2017 den Umsatz vom Vorjahr knapp nicht halten. Der Gewinn sank deutlich. Das Betriebsergebnis betrug noch 25,6 Millionen Franken, was einem Rückgang um 3 Millionen entspricht (siehe Tabelle).

Vor allem ein Rückgang im Grosskundengeschäft hat Hügli im letzten Jahr geschwächt, allen voran im grössten Ländersegment Deutschland. Die Ertragskraft wurde durch hohe Anlaufkosten neuer Produktionsan­lagen belastet. Im September wurde in Radolfzell am Bodensee eine 35 Millionen Euro teure Anlage für Trockenmischprodukte in Betrieb genommen. Die Investition erhöhe die Kapazität deutlich und senke die Stückkosten. Seit Herbst werden auch einige der grossen deutschen Schlüsselkunden wieder stärker beliefert.

Im Aufwind befindet sich laut den Geschäftszahlen das Segment Osteuropa, wo Hügli ein Umsatzwachstum von 1,8 Prozent erzielen konnte. Dies wird mit besserer Auslastung der Produktionsanlagen und nur geringfügig gestiegenen Betriebskosten erklärt. In der Region Schweiz/Übriges Westeuropa lag der Umsatz auf Vorjahresniveau.

Im ersten Quartal 2018 erzielte Hügli im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Umsatzwachstum von 9,5 Prozent. Laut Mitteilung haben sich besonders die Bereiche Food Ingredients (Halbfabrikate für Lebensmittelhersteller) und Customer Solutions (Produkte für Markenunternehmen und den Detailhandel) erfreulich entwickelt.

Hügli scheint die Talsohle damit fürs Erste durchschritten zu haben. Ebenfalls auf Kurs befindet sich die Übernahme durch Bell. Die Coop-Tochter kontrolliert bereits über 50 Prozent des Hügli-Kapitals und gut zwei Drittel der Stimmen. Für die übrigen Anteile läuft noch bis 25. April ein öffentliches Kaufangebot mit Nachfrist bis 17. Mai. Bell bietet 915 Franken pro Aktie. Der Vollzug der Übernahme ist für den 25. Mai vorgesehen. Danach sollen die Aktien von Hügli dekotiert werden, sofern Bell über 75 Prozent der Stimmrechte kontrolliert. Bell will mit der Hügli-Übernahme das margenstarke Convenience-Geschäft ausbauen.

Julian Räss