Nah an der Trendwende

Zur Jahresmitte zeichnet die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie ein wenig erfreuliches Bild. Doch positive Zeichen aus dem wichtigen Markt EU lassen die Schweizer Firmen hoffen.

Thorsten Fischer
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Ein Zylinder wird bei der Ammann Group in Langenthal bearbeitet. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Ein Zylinder wird bei der Ammann Group in Langenthal bearbeitet. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

BERN. Der Verlauf der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) im ersten Halbjahr 2013 zeige, «dass die Branche nach wie vor unter grossem Druck steht». So lautet die Zwischenbilanz des Branchenverbands Swissmem. Tatsächlich gibt es zunächst mehr Schrumpfendes als Wachsendes zu entdecken.

Beim Auftragseingang musste die MEM-Industrie im 2. Quartal 2013 im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Minus von 4,3% einstecken. Die Umsätze stiegen laut Swissmem im zweiten Quartal zwar leicht an (+1,3%). Übers gesamte erste Halbjahr 2013 gerechnet, schaute jedoch ein Umsatzrückgang von 1,3% heraus. Grossfirmen und Klein- und Mittelunternehmen seien gleichermassen davon betroffen, stellt der Branchenverband fest.

Textilmaschinen zeigen es vor

Vor den Medien tönte Swissmem-Direktor Peter Dietrich dennoch hoffnungsvolle Töne an: «Es zeigt sich ein erster heller, wenn auch dünner Silberstreifen am Horizont», sagte er laut Agentur SDA. Die Zuversicht wird daraus genährt, dass ein Grossteil der Swissmem-Mitglieder in einer Umfrage die eigene Zukunft positiv bewertet.

Viele Firmen glaubten an den Aufschwung und neue Aufträge. Auch, weil die Wirtschaft in der EU erstmals seit anderthalb Jahren wieder wachse, sagte Dietrich weiter. Was besonders aufhorchen lässt: Vor allem Textilmaschinen verkaufen sich wieder besser. «Die Textilmaschinenhersteller sind eine typisch frühzyklische Subbranche der MEM-Industrie», erklärte Dietrich den Agenturangaben zufolge. Gehe es im Textilmaschinensektor bergauf, sei das ein wichtiges Signal, weil dies häufig ein Anzeichen für ein Anziehen der gesamten Wirtschaft darstelle.

Hungrig auf Aufträge

«Wir haben die Hoffnung, dass sich das Momentum auch auf andere Branchen übertragen wird», sagte Dietrich. Blickt man in den Swissmem-Bericht, lassen sich tatsächlich vermehrt positive Zeichen orten. Bereits Ende 2012 und im Frühling dieses Jahres gaben 42% respektive 40% der Unternehmen eine positive Einschätzung der künftigen Auftragsentwicklung ab. Dieser Wert lag laut Swissmem auch im zweiten Quartal 2013 bei fast 40%.

Am anderen Ende der Skala gingen nur knapp 12% der befragten Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten von einer Verschlechterung der Auftragslage aus.

Eine Bremse in den vergangenen Jahren war neben konjunkturellen Einbrüchen die Frankenstärke. Im Prinzip stagniert die Schweizer Branche seit dem Jahr 2009. Wie Swissmem betont, hätten die Betriebe aber in den letzten zwei Jahren enorme Anstrengungen unternommen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie seien daher bestens aufgestellt für neue Aufträge: «Allein der Aufschwung lässt noch auf sich warten.»

Auch der Nachbar leidet

Wie das Beispiel Deutschland zeigt, ist die Branche bereits ohne das Problem der Frankenstärke tüchtig gefordert. So stellte der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) Anfang Woche fest, dass die schwache Weltkonjunktur die deutschen Maschinenbauer ausgebremst habe.

Es wurden im ersten Halbjahr 3% weniger Maschinen ausgeführt als im Vorjahreszeitraum. «Die Branche ist besonders anfällig für Konjunkturflauten, bei denen Unternehmer Investitionen in teure Maschinen lieber zurückstellen», hiess es. Doch auch hier schimmert durch: Es gibt erste Zeichen einer Trendwende.