Näher an die Fertigung

Ein «Gemischtwarenladen» sei die Frauenfelder Keller-Stahl AG, sagt Geschäftsleiter Reto Lüthy. Sein Angebot an Metallartikeln und Baubedarf erweitert das Unternehmen vermehrt mit konfektionierten Stahlprodukten.

Martin Sinzig
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Die Konfektionierung von Armierungsstahl ist ein wichtiger Umsatzträger der Keller Stahl AG. (Bild: Martin Sinzig)

Die Konfektionierung von Armierungsstahl ist ein wichtiger Umsatzträger der Keller Stahl AG. (Bild: Martin Sinzig)

FRAUENFELD. 1857 hatte Johann Conrad Keller den Grundstein zur Eisenwarenhandlung gelegt. 156 Jahre später präsentiert sich das Unternehmen, nun von der vierten Generation geführt, im Osten Frauenfelds mit einem breiten Angebot. Dieses reicht von Stahl und verschiedenen Metallen über Armierungsstahl bis zu Wasser- und Wärmetechnik und Baubedarf. Beschäftigt werden gegenwärtig 41 Personen.

Näher an die Fertigung

«Wir sind ein Gemischtwarenladen und bedienen vor allem die Baubranche», erklärt Reto Lüthy, Minderheitsaktionär und seit 2003 Geschäftsleiter der Keller-Stahl AG. Das Unternehmen beliefert vorwiegend Kunden aus dem Hoch- und Tiefbau, aus dem Bau- und Ausbaugewerbe, aber auch Kunden aus der Industrie.

In jüngster Zeit sind fertigungsnahe Dienstleistungen für Industrie und Bau hinzugekommen. «Die Konfektion von Stahlprodukten kann im Verbund mit der betriebseigenen Logistik spezielle Kundenbedürfnisse erfüllen», erklärt Lüthy. «Damit schaffen wir eine Win-Win-Situation.» Die Vorteile einer solchen Zusammenarbeit haben bereits grosse Konzerne wie zum Beispiel die ABB genutzt. Aber auch im Bausektor durfte die Keller-Stahl AG Aufträge ausführen, so zum Beispiel bei der Zentrumsüberbauung Archhöfe in Winterthur.

Der Stahlhandel entwickle sich immer mehr zum externen Lager und zum projektspezifischen Dienstleistungsbetrieb, sagt Reto Lüthy. Viel Fingerspitzengefühl sei von Vorteil, um Bedürfnisse zu erkennen und eine nutzbringende Zusammenarbeit zu ermöglichen. In einem Verdrängungsmarkt zu bestehen, heisse aber auch, flexibel zu bleiben. «Das ist unsere grosse Stärke», sagt Lüthy.

Flexibilität und Beständigkeit hätten das Unternehmen in einem schwierigen Umfeld weitergebracht. Die Keller-Stahl AG mache keine grossen Wachstumssprünge, bleibe im Kern bei ihren Leistungen und bediene nach wie vor einen breiten Kundenkreis, vom Bauern bis zum Industriebetrieb. «Das Wichtigste ist ein sympathischer Auftritt», betont Lüthy. Denn am Anfang und Ende jedes Geschäfts stehe ein Mensch, nicht die Ware.

Vorsichtiger Optimismus

Seit 2008 sind die Rohstoffpreise gesunken, und es hat, auch im Zeichen der Euro-Krise, ein Preiszerfall eingesetzt. In einem solchen Umfeld müsse der Stahlhandel rationalisieren und seine Absätze steigern können. Die Keller-Stahl AG habe sich gut behauptet und seit ihrem Bestehen noch nie rote Zahlen schreiben müssen, unterstreicht Lüthy. Zudem sei das Unternehmen immer in der Lage gewesen, seine Investitionen selber zu finanzieren.

«Wir sind dank der Baukonjunktur gut ausgelastet und blicken optimistisch in die Zukunft», sagt Reto Lüthy. Die mittelfristigen Aussichten stünden nicht schlecht, sagt er. Auch wenn sich der Neubausektor verlangsame, werde der Sanierungs- und Ausbaubereich bedeutende Geschäftsvolumen bieten.