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Geldanlagen: Nachhaltige Fonds wachsen stark

Wer sein Vermögen nachhaltig investieren will, kann hierzulande aus einem rasant ansteigenden Angebot von Anlagefonds wählen. Noch sind diese Vehikel aber eine kleine Minderheit.
Balz Bruppacher
Gesteigertes Umweltbewusstsein führt auch zu mehr Investitionen in klimafreundliche Technologien. (Bild: V. Flauraud/Keystone; Saint-Imier, 21. Mai 2017)

Gesteigertes Umweltbewusstsein führt auch zu mehr Investitionen in klimafreundliche Technologien. (Bild: V. Flauraud/Keystone; Saint-Imier, 21. Mai 2017)

Nachhaltig investieren lohnt sich, und zwar nicht nur aus ethischen Gründen. So und ähnlich werben Anbieter von entsprechenden Anlagefonds um Kunden. Mit ­zunehmendem Erfolg, wie eine neue Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern zeigt. Sowohl das Angebot wie auch die Nachfrage wachsen deutlich schneller als der Gesamtmarkt. Allerdings erfolgt die Zunahme auf einem tiefen Niveau. In Zahlen heisst das, dass von den Mitte dieses Jahres in der Schweiz zum öffentlichen Vertrieb zugelassenen 8788 Anlagefonds deren 423 als nachhaltig eingestuft wurden. Das Angebot der nachhaltigen Fonds ist damit innert Jahresfrist um 26 Prozent gestiegen oder fast sechsmal schneller als das Gesamtangebot.

Die nachhaltig verwalteten Gelder erhöhten sich um 44 Prozent auf 157 Milliarden Franken. Das prozentuale Wachstum war damit rund dreimal so gross wie der Vermögensanstieg des Gesamtmarkts, der sich um 15 Prozent auf 5606 Milliarden Franken erweiterte. Der Anteil der nachhaltig investierten Gelder am Gesamtmarkt nahm von 2,2 auf 2,8 Prozent zu und blieb damit noch immer auf einem ­bescheidenen Niveau.

Pensionskassen haben viel Luft nach oben

Wie die Erhebung weiter zeigte, zogen die bestehenden nachhaltigen Fonds innert Jahresfrist 21 Milliarden Franken Neugeld an, was einem Nettomittelzufluss von rund 20 Prozent entsprach. Diese Fonds generierten damit etwa doppelt so viel Neugeld wie alle Publikumsfonds zusammen.

Unter den zehn grössten Fonds mit nachhaltig verwalteten Vermögen sind vier Schweizer Anbieter, nämlich Pictet, Raiffeisen, UBS und Swisscanto Invest by ZKB. Zehn hiesige Institute legten innerhalb eines Jahres mehr als zwei neue Nachhaltigkeitsfonds auf. Die Studie ging auch der Frage nach, wie die rund 1700 Schweizer Pensionskassen die Nachhaltigkeitskriterien umsetzen.

Es geht um die sogenannten ESG-Kriterien, das heisst um den Einbezug der Umwelt- und Sozialverträglichkeit sowie der guten Unternehmungsführung in den Investmentprozess. Das Ausgangsniveau sei im internationalen Vergleich bescheiden und ernüchternd, schreiben die Autoren Manfred Stüttgen und Brian Mattmann. Und weiter: «Der Musterschüler Schweiz scheint für einmal nicht auf einen ‹Swiss Finish› zu setzen. Im Gegenteil.»

Das hängt auch damit zusammen, dass die Schweiz im Unterschied zu vielen EU-Ländern ­keine Offenlegungspflichten für Pensionskassen zur Nachhaltigkeit der Anlagen kennt. Es gibt auch keine Vorgaben des Bundes oder der Aufsichtsbehörden, ESG-Kriterien in den Anlageprozess zu integrieren. Die Studie stellt bei den hiesigen Pensionskassen sowie bei den Verbänden immerhin eine gewisse positive Dynamik in den letzten anderthalb Jahren fest, was den Einbezug der ESG-Kriterien betrifft.

Die Autoren plädieren aber nicht für eine stärkere Regulierung. Denn dies widerspräche der subsidiär organisierten, dezentral aufgebauten Schweizer Pensionskassenlandschaft. «Im selben Atemzug vertreten wir aber dezidiert die Meinung, dass Schweizer Pensionskassen auch ohne rechtlichen Druck künftig Stellung beziehen müssen, wie sie mit nichtfinanziellen externen Effekten in ihrem Investmentprozess umgehen», heisst es in der Studie.

Bundesrat setzt auf Freiwilligkeit

Auf Freiwilligkeit und verbesserte Transparenz setzt bisher auch der Bundesrat. Mit der Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens hat sich die Schweiz unter anderem zur Klimaverträglichkeit der Finanzflüsse bekannt. Vorstösse von linker und grüner Seite, Vorschriften gegen besonders klimaschädigende Investitionen zu erlassen oder die Eigenmittelanforderungen an Finanzinstitute zu erhöhen, lehnt die Regierung jedoch ab.

In den Antworten auf die politischen Vorstösse schreibt die Landesregierung aber unter anderem: «Finanzinstitute sollten aus wirtschaftlichen Erwägungen daran interessiert sein, ihre klimabedingte Risikoexposition zu kennen und einzudämmen.» Und fügt noch hinzu: «Mit der zunehmenden Sensibilisierung der Kunden steigt auch ein mit klimaschädigenden Geschäftsmodellen einhergehendes Reputationsrisiko.» Pensionskassen haben laut Bundesrat aber keine treuhänderische Pflicht, bei der Anlagestrategie auch die Klimarisiken zu berücksichtigen.

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