Nachhaltig und natürlich

Sechs aufgeweckte kleinere Firmen haben es ins Finale des Raiffeisen-Unternehmerpreises Ostschweiz geschafft. Drei davon werden hier porträtiert. Es geht um Kieswäsche, Dinkelbrot und Energiesparen.

Thomas Griesser Kym
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Nominiert für den ersten Raiffeisen-Unternehmerpreis Ostschweiz: Peter Künzle von der Konvekta. (Bild: Ralph Ribi)

Nominiert für den ersten Raiffeisen-Unternehmerpreis Ostschweiz: Peter Künzle von der Konvekta. (Bild: Ralph Ribi)

Unternehmerpreise gibt es wie Sand am Meer. Nun ist auch Raiffeisen auf diesen Zug aufgesprungen. Die Bankengruppe äussert indes die Ansicht, sich von anderen Auszeichnungen abzugrenzen, denn beim Raiffeisen-Unternehmerpreis Ostschweiz «geht es um das K unter den KMU». Das sagte Urs Gauch, Leiter des Departements Firmenkunden von Raiffeisen, im Vorfeld. Nominiert sind denn auch sechs kleinere innovative Firmen.

Der Lastwagen kippt kieshaltigen Dreck hinein und nimmt am anderen Ende Baumaterial mit. So funktioniert vereinfacht gesagt die stationäre Wasch- und Sortieranlage für kiesigen Aushub, um welche die Koch AG im vorigen Jahr ihr Betonwerk in Appenzell erweitert hat. Statt den Aushub auf eine Deponie zu kippen, wird er gereinigt. So werden Landressourcen gespart, und drei Viertel des Materials können wiederverwertet werden als Kies oder zur Produktion von Beton.

Nachhaltigkeit ist der Koch AG generell wichtig, wie Urs Koch sagt, der den 58 Jahre alten Familienbetrieb mit seinen Brüdern Benno und Sacha führt. Als Beispiel nennt Urs Koch das Projekt ei­nes Wasserkraftwerks in Bischofszell, mit dem das Un­ternehmen 4000 Haushalte versorgen will. Die Koch AG ist breit diversifiziert. Gegründet 1959 vom Vater und Bauunternehmer Alois Koch, beschäftigt die Firma heute 90 Mitarbeitende. Sie ist in der Ostschweiz aktiv im Strassen- und Tiefbau, in der Ver- und Entsorgung mit Baustoffen, und sie baut Kies ab, stellt Beton her und betreibt Deponien. Um Kulturland zu sparen, plant Koch im Nutzenbuecherwald zwischen Gossau und Oberbüren die erste Deponie im Wald.

Appenzeller Dinkel für Brot, Nudeln, Chrömli

Seit 1941 gibt es die Bäckerei-Confiserie der Böhli AG im Dorf Appenzell. Ab dieser Basis hat sich bis heute ein Unternehmen mit 90 Mitarbeitenden und mit weiteren Filialen in Appenzell sowie in Gais und Teufen entwickelt. Seit 2004 führen die Gebrüder Alfred und Markus Sutter den Familienbetrieb, wobei ihre Wurzeln als Bäckerfamilie vier Generationen bis ins Jahr 1871 zurückreichen. Altüber­lieferte Rezepte und Handwerk spielen denn weiterhin eine zentrale Rolle bei Böhli. Über die Zukunft sagen die Sutters: «Es ist wichtig, immer wieder neue Wege zu beschreiten.» Im Vordergrund stehe eine möglichst natürliche Herstellung hochqualitativer Produkte, und dies wann immer es geht mit regionalen Rohstoffen. Die Liste der Lieferanten von Mehl, Butter, Milch, Eiern, Fleisch, Obst, Gemüse und Käse umfasst denn auch vornehmlich Namen aus dem Appen­zellerland sowie ein paar aus dem Kanton St. Gallen. Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker, E-Nummern oder Backmittel setze man lediglich ein, wenn es «zwingend notwendig» sei.

In dieses Bild passt das Projekt mit Appenzeller Dinkel. 2015/16 pflanzte die Familie Sutter zusammen mit Köbi Signer aus Haslen den ersten Appenzeller Dinkel an, und aus dem Mehl der Ernte dieses Urkorns wurde das erste Appenzeller Dinkelbrot gebacken. Für 2016/17 haben die Sutters fünf weitere Bauern für diese Idee gewonnen. Das Projekt soll weiter vorangetrieben werden, denn die Bäckerei-Confiserie Böhli will ihre Palette mit Produkten aus Appenzeller Dinkel laufend erweitern, etwa um Appenzeller Dinkelnudeln oder um Urdinkel-Chrömli. Dabei ist auch eine Eigenschaft wichtig, die schon Vater und Grossvater Sutter ausgezeichnet hatte: «Das richtige Gespür für die Bedürfnisse der Kunden.»

Von der Kälte Kanadas bis zur Hitze der saudischen Wüste

Energiesparen, CO2-Reduktion, Umweltschutz – solche Themen sind ein Dauerbrenner in der Wirtschaft. Die Konvekta AG aus St. Gallen setzt hier ein mit Hochleistungs-Wärmerückgewinnungssystemen, die sie entwickelt und herstellt. Eingesetzt werden diese Systeme in Lüftungs- und Klimaanlagen von Gebäuden. Damit ein Investor Anreiz hat, in diese Technologie zu investieren, muss sie optimal funktionieren, wie Firmenchef Peter Künzle sagt. Dazu hat Konvekta eine als einzigartig bezeichnete Software entwickelt, mit der sie jede Anlage weltweit überwacht und regelt. In der Kundenkartei der Gruppe mit 50 Mitarbeitenden, davon gut 80 Prozent im St. Galler Stammhaus, finden sich namhafte Universitäten, Spitäler, Banken, Chemie- und Pharmakonzerne, Industriebetriebe, Hotels usw. Die Anlagen müssen auch unter Extrembedingungen arbeiten, etwa bei minus 36 Grad Celsius in Edmonton oder bei 50 Grad in Saudi-Arabien. Wie viel Energie lässt sich einsparen? «In einem Spital mittlerer Grösse etwa so viel, wie 900 mittlere Einfamilienhäuser verbrauchen», sagt Künzle.

Konvekta, gegründet 1949, hat auch Niederlassungen in Deutschland und den USA, wobei das Amerika-Haus für 60 Prozent des Gruppenumsatzes steht. Bearbeitet wird zudem der Markt Österreich, und in China ist eine Niederlassung in Planung. Trotz starkem Wachstum in den vergangenen Jahren hält Künzle aber am Produktionsstandort Ostschweiz fest. Und er sagt: «Wir können uns keinen Stillstand leisten und investieren kontinuierlich in neue Technologien und modernere Produktionsmittel, um wettbewerbsfähig zu bleiben.»

Der Raiffeisen-Unternehmerpreis Ostschweiz wird am kommenden 9. November erstmals verliehen. Die Hälfte der sechs nominierten Firmen werden in diesem Beitrag vorgestellt, die anderen drei Finalisten folgen in Kürze in einem zweiten Artikel.