Weberei Appenzell trotzt dem Strukturwandel und ist nachhaltig in den schwarzen Zahlen

Die Weberei Appenzell hat vier neue Webmaschinen angeschafft. Das Textilunternehmen setzt auf die Produktion in der Ostschweiz. Seine Stoffe aus Biobaumwolle und Merinowolle sind weltweit einzigartig.

Stefan Borkert
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Der Geschäftsleiter der Alba-Gruppe zu der die Weba gehört, Benjamin J. Fuchs, präsentiert die vier neuen Hightech-Webmaschinen. Bilder: Adriana Ortiz Cardozo

Der Geschäftsleiter der Alba-Gruppe zu der die Weba gehört, Benjamin J. Fuchs, präsentiert die vier neuen Hightech-Webmaschinen. Bilder: Adriana Ortiz Cardozo

Die Krise der Schweizer Textilindustrie ist noch nicht überwunden. Davon ist Guido Sutter, Verwaltungsratspräsident der Weba, Weberei Appenzell, überzeugt. Auch die Weba hat zuletzt eine schwierige Phase durchgemacht. Das ging schon 2012 los. Arbeitsplätze wurden abgebaut. Der Strukturwandel und der Frankenschock 2015 machten dem Unternehmen zu schaffen.

Dass die Weba immer noch am Standort Appenzell produziert und wieder in die schwarzen Zahlen geklettert ist, hat sie nicht zuletzt ihrer Substanz und der Bereitschaft zur Veränderung zu verdanken. Davon zeigt sich Geschäftsleiter Benjamin J. Fuchs überzeugt. Verwaltungsratspräsident Sutter ist seit 1998 im Amt. In der Textilindustrie gebe es seit jeher eine Wellenbewegung. Die Weba hat in ihrer 75-jährigen Geschichte so manche Welle abgeritten. Die Strategie ist angepasst und mit einschneidenden Massnahmen umgesetzt worden.

Zu diesem Paket gehört auch die aktuelle Anschaffung von vier neuen Webmaschinen. «Wir haben insgesamt rund eine halbe Million Franken investiert», sagt Fuchs. Man hätte schon ein Schweizer Produkt gewählt, aber das gebe es einfach nicht mehr. So fiel die Wahl auf vier Picanol-Webmaschinen, hergestellt in Belgien. Betriebsleiter Michael Berginz sagt, dass mit den Maschinen die Produktivität und die Flexibilität erhöhe werde. Ausserdem genügten sie den hohen Qualitätsansprüchen der Weba, die für das High-End-Segment produziere.

Das sind Stoffe, die in dieser Qualität weltweit nur die Weba in Appenzell herstellen kann. CEO Fuchs ergänzt, dass man mit den neuen Maschinen auch sehr anspruchsvolle Kombistoffe weben könne, etwa hochfeine Merinowolle und Baumwolle. Die Zeiten für Massenproduktion im Textilsektor seien in der Schweiz einfach vorbei, erklärt Verwaltungsratspräsident Sutter.

Verwaltungsratspräsident Guido Sutter, Weba

Verwaltungsratspräsident Guido Sutter, Weba

Kunden wollen Nachhaltigkeit

Innovation und Nischenproduktion seien im Überlebenskampf hierzulande gefragt. Die Weba setzt das gleich mehrfach um. In Ägypten wird Biobaumwolle auf zirka 200'000 Quadratmetern produziert. Ausserdem steht dort die zweite Produktionsstätte. Weba setzt inzwischen ganz auf Nachhaltigkeit. Für dieses Projekt ist sogar extra eine Biologin angestellt worden. Die Weba-Stoffe sollen mit DNA-Markern versehen werden. So wird die Produktionskette vom Samen bis zum Endprodukt, wie Hemd oder Bluse, lückenlos nachvollziehbar.

Die Nachfrage nach Stoffen, die fair und nachhaltig produziert werden, sei wirklich sehr gross, sagt Sutter mit dem Hinweis auf die vielfach kritisierten Arbeitsbedingungen zum Beispiel in Bangladesh.