NACHFOLGE: Wie der Vater, so die Söhne

Stabübergabe bei der Osterwalder St. Gallen AG. Thomas Osterwalder hat die Geschäftsleitung von seinem Vater Peter Osterwalder übernommen. Bruder Martin Osterwalder entwickelt neue Geschäftsfelder.

Stefan Borkert
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Peter Osterwalder (Mitte) hat die Firmenleitung an die Söhne Thomas (links) und Martin (rechts) abgegeben. (Bild: Urs Bucher)

Peter Osterwalder (Mitte) hat die Firmenleitung an die Söhne Thomas (links) und Martin (rechts) abgegeben. (Bild: Urs Bucher)

Stefan Borkert

 

Der Name Avia ist untrennbar mit der Familie Osterwalder und damit der Osterwalder St. Gallen AG verbunden. Alphons Osterwalder war 1927 der Gründungspräsident der Avia-Vereinigung Schweiz. KMU haben sich unter dem Avia-Dach zusammengeschlossen, um gegen die grossen Ölfirmen bestehen zu können. Heute betreibt Avia mit 600 Tankstellen das grösste Tankstellennetz der Schweiz. Mehr als 100 davon gehören zu Osterwalder St. Gallen AG. Das Avia-Modell hat auch im Ausland Schule gemacht. Ganz vorne mit dabei waren immer die Osterwalders aus der Ostschweiz. Von 1974 bis 1989 war Hanspeter Osterwalder sogar Präsident von Avia International.

Als Familienunternehmen behauptet sich Osterwalder seit 160 Jahren am Markt und ist stets nachhaltig gewachsen. Das soll auch so bleiben. «Man muss zurücktreten, solange man noch weiss, dass man zurücktritt», sagt Peter Osterwalder, der nun mit 67 Jahren den Stab an seine beiden Söhne Thomas und Martin weitergegeben hat. Dabei formulierte er einen klaren Auftrag: «Der Absatz von Brenn- und Treibstoffen ist rückläufig. Das ist zweifelsohne ein Fakt, den wir anerkennen müssen. Avia Osterwalder kann mit Sicherheit die Zukunft nicht auf dieses Standbein bauen.» Und Peter Osterwalder fährt fort: «Wir müssen diversifizieren.»

Geschäft mit Brenn- und Treibstoffen geht zurück

Und hier kommt Sohn Martin ins Spiel. Während Thomas die Geschäftsleitung von seinem Vater übernimmt, wird Martin für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder zuständig sein. «Das kann man nicht so nebenher machen», weiss Peter Osterwalder aus Erfahrung. Er übergibt eine Firma, die bereits mit dem Aufbau neuer Standbeine ernst gemacht hat. «Das Risiko muss aufgeteilt werden», sind sich die Brüder einig. Natürlich werde der Löwenanteil des Umsatzes von gegen 400 Mio. Fr., der von 90 Mitarbeitenden erwirtschaftet wird, noch im Kerngeschäft, dem Handel mit Brenn- und Treibstoffen gemacht, erklärt Thomas Osterwalder. Aber in diesem Bereich nehme das Geschäft ab.

Noch knapp die Hälfte aller Gebäude sind mit Ölheizungen ausgestattet, nennt er ein Beispiel. Architekten hätten Ölheizungen nicht mehr auf dem Radar, ergänzt Vater Peter. Und Martin Osterwalder weiss aus eigener Erfahrung, dass es gar nicht so einfach ist, eine Ölheizung genehmigt zu bekommen. «Wobei wir bei Sanierungen schon wieder ins Spiel kommen», merkt Thomas Osterwalder an. Für ihn stand schon früh fest, dass er eines Tages im Familienunternehmen arbeiten wollte. «Ich ging schon als kleiner Knirps oft mit meinem Grossvater durch den Betrieb. Das prägt.»

Neue Entwicklungen und Geschäftsfelder aufspüren

Für Martin Osterwalder war der Weg nicht so klar vorgezeichnet. Beide haben Betriebswirtschaft studiert. Doch Martin machte auch noch eine Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer. «Für mich war es nicht immer so eindeutig wie für meinen Bruder. Es gibt auch noch andere spannende Branchen und unternehmerische Herausforderungen. Nicht nur die Mineralölbranche.» Doch je älter er wurde, umso mehr habe er erkannt, dass es ein Privileg sei, im eigenen Betrieb arbeiten zu dürfen. «Hier werden mir mehr unternehmerische Freiräume geboten als anderswo.» Neue Entwicklungen aufzuspüren und ­diese erfolgreich auf dem Markt ­einzuführen, das werde seine Herausforderung sein.

Osterwalder hat mit der Diversifikation bereits ernst gemacht. Unter dem Dach der Osterwalder St. Gallen Holding sind Firmen gruppiert, die sich um den Mineralölhandel, Wärmeträger und Frostschutz, Waschstrassen und Immobilien kümmern. Dabei wolle man natürlich Synergien nutzen, erklärt Thomas Osterwalder. Ihr Trumpf sei die Nähe zum Kunden, kurze Entscheidungswege und immerhin 160 Jahre Erfahrung. So setzt auch Osterwalder auf den Wachstumsmarkt Tankstellenshops und mit Auto-Spa auf hochmoderne Waschanlagen.

Wie das aussieht, kann man in Chur sehen, wo die modernste Waschanlage der Schweiz steht. Thomas Osterwalder: «Sie können online Termine buchen, einen Kaffee ihm Bistro geniessen während ihr Auto gewaschen und der Innenraum gereinigt wird.» Das Ziel seien 50000 Autos pro Jahr, die die Waschanlage durchlaufen. Seit der Inbetriebnahme letztes Jahr ist man so gut auf Kurs, dass das zweite Auto-Spa in Angriff genommen wird. Es soll noch diesen Herbst in Gossau eröffnet werden.