Nachfolge langfristig planen

Die Stabübergabe in Unternehmen solle nicht nur mit Verstand, sondern auch mit Herz bewältigt werden, hiess es am Jungunternehmergespräch des Jungunternehmerforums und Start-Netzwerks Thurgau.

Martin Sinzig
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Unternehmerin Diana Gutjahr im Gespräch mit Referent Frank Halter. (Bild: Martin Sinzig)

Unternehmerin Diana Gutjahr im Gespräch mit Referent Frank Halter. (Bild: Martin Sinzig)

ERMATINGEN. Ein gutes Fünftel von 300 000 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Schweiz steht in den kommenden fünf Jahren vor der Nachfolgefrage. 95% der Unternehmen, die eine Lösung fänden, sicherten damit ihren Weiterbestand. Bei Neugründungen seien es dagegen nur 50%. Mit diesen Zahlen schilderte Frank Halter vom Center for Family Business an der Universität St. Gallen die Perspektiven der Unternehmensnachfolge.

In Zeiträumen denken

Family-Buy-outs, also familieninterne Lösungen, verlören an Bedeutung, während Management-Buy-outs häufiger gewählt würden, sagte Halter am 5. Jungunternehmergespräch, das gemeinsam vom Jungunternehmerforum Thurgau und dem Start-Netzwerk Thurgau ausgerichtet wurde. Wichtig sei vor allem, in Zeiträumen und Szenarien zu denken. Die eine Lösung gebe es nicht, betonte der Spezialist für Familienunternehmen.

Einen fixen Zeitplan für die Übernahme hat Diana Gutjahr nicht. «Wir sind ein wenig chaotisch, aber flexibel», räumte die 30-Jährige im Unternehmergespräch ein. Gutjahr ist zusammen mit ihrem Vater und ihrem Lebenspartner in der dreiköpfigen Geschäftsleitung der ernst Fischer AG tätig und hat die Absicht, im 1911 gegründeten Romanshorner Stahlbauunternehmen dereinst die Nachfolge anzutreten. Seit ihres Einstiegs vor gut sechs Jahren habe sie immer mehr Verantwortung übernommen, schilderte Diana Gutjahr den Prozess. Ihre Absicht sei von den 80 Mitarbeitenden positiv aufgenommen worden, denn sie wüssten jetzt, dass es weitergehe. Viele der Entscheidungen würden nach wie vor im Familienkreis gefällt. Bei gewichtigeren Fragen ziehe man aber externe Fachleute hinzu.

An einem Strick ziehen

Diana Gutjahr hat laut eigenen Angaben den Bereich Finanzen, Controlling und Personal bewusst gewählt, um die Möglichkeiten der privaten Familienplanung offen zu halten. Der Respekt gegenüber dem, was ihr Vater erreicht habe, sei ihr besonders wichtig. Gemeinsam an einem Strick zu ziehen und mit dem Herz, nicht nur mit dem Verstand, für das Unternehmen zu arbeiten: So lautet Gutjahrs Empfehlung an jene, die in einer ähnlichen Situation sind.

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