Nach einem «beispiellosen Einbruch» erholt sich der Hilti-Konzern peu à peu

Die schlechte Nachricht: Das Geschäft des Baugeräteherstellers Hilti hat sich als Folge der Coronapandemie deutlich abgeschwächt. Die gute: Der Liechtensteiner Konzern sieht erste Anzeichen einer Erholung.

Thomas Griesser Kym
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Eine Facharbeiterin mit einem Exoskelett, das Hilti seit kurzem mit der deutschen Firma Ottobock entwickelt. Exoskelette eröffnen neue Möglichkeiten betreffend Gesundheitsschutz, Sicherheit und Produktivität.

Eine Facharbeiterin mit einem Exoskelett, das Hilti seit kurzem mit der deutschen Firma Ottobock entwickelt. Exoskelette eröffnen neue Möglichkeiten betreffend Gesundheitsschutz, Sicherheit und Produktivität.

Bild: PD

In den ersten acht Monaten 2020 ist der Umsatz Hiltis im Vorjahresvergleich um 12,3 Prozent eingebrochen, auf gut 3,4 Milliarden Franken. Dabei kostete die starke Aufwertung des Frankens rund 5 Umsatzprozente. In Lokalwährungen beträgt das Minus 7,3 Prozent. Der Gewinn ging um 13,9 Prozent auf 314 Millionen zurück (siehe folgende Tabelle).

So hat sich Hilti geschlagen

Kennzahlen der jeweils ersten acht Monate
Millionen Franken 2019 2020 Veränd. in %
Umsatz 3908 3426 –12,3
Betriebsergebnis 506 445 –12
Reingewinn 365 314 –13,9
Forschung & Entwicklung 237 224 –5,6
Mitarbeiter 29'644 29'763 0,4

Hilti-Chef Christoph Loos spricht von «einem beispiellosen Einbruch unseres Geschäfts während des Lockdowns im Frühjahr». Aber: «Seit Juni haben sich unsere Zahlen Schritt für Schritt erholt.» Christoph Loos bilanziert:

«Damit kommen wir besser durch die Krise als ursprünglich befürchtet.»

Das stimme Hilti «verhalten positiv», sagt Loos, wenn auch die Krise mitnichten vorbei sei und die Ungewissheit hoch bleibe. Kommt hinzu, dass der weltweit aktive Hilti-Konzern regional betrachtet grosse Unterschiede beobachtet hat während des Lockdowns.

Die grössten Märkte laufen besser als die kleineren

Konkret war die Baubranche, Hiltis wichtigste Kundin, im Mittelmeerraum oder in einigen asiatischen Märkten wie Indien oder Singapur mit massiven Einschränkungen konfrontiert, was auf die Bestellungen gedrückt hat. Hingegen sanken Hiltis Umsätze im übrigen Europa, in Nordasien und Nordamerika weniger stark, weil dort die Bautätigkeit weitestgehend fortgeführt werden konnte (siehe folgende Tabelle).

So hat sich Hilti regional entwickelt

Umsatz in Millionen Franken jeweils per Ende August
Region 2019 2020 Veränd. in %
Europa 1910 1710 –10,5
Nordamerika 968 875 –9,6
Lateinamerika 89 60 –32,6
Asien-Pazifik 511 428 –16,2
Osteuropa, Mittlerer Osten, Afrika 430 353 –17,9
Hilti-Konzern gesamt 3908 3426 –12,3

Umsatzprognose weniger düster als vor vier Monaten

Für das Gesamtjahr 2020 rechnet Hilti mit einem Umsatzrückgang um 10 Prozent in Franken und um 5 Prozent in Lokalwährungen. Im Mai war Hilti noch von einem Minus von bis zu 15 Prozent in Franken und von 10 Prozent in Lokalwährungen ausgegangen. 2019 setzte Hilti 5,9 Milliarden Franken um.

Am Hauptsitz in Schaan ist das Werk «gut ausgelastet», wie auf Anfrage Hilti-Sprecher Matthias Hassler sagt. Für das Werk ist noch bis Ende 2020 Kurzarbeit angemeldet, diese wird aber momentan nicht angewendet. Insgesamt hat Hilti in Liechtenstein rund 1800 Mitarbeitende. Weltweit beschäftigt der Konzern annähernd 30'000 Mitarbeitende in gut 120 Ländern. Hilti gehört dem Martin-Hilti-Familien-Trust.