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Nach dem EZB-Entscheid: Kommen nun Strafzinsen für Kleinsparer?

Heute um 13.45 Uhr gab die Europäische Zentralbank in Frankfurt bekannt, wie sie ihre Leitzinsen neu festsetzen will. Seither sind in der Schweiz die Nationalbank sowie alle Banken und Versicherungen emsig damit beschäftigt, ihre eigenen Strategien neu auszurichten. In den nächsten Wochen zeigen sich die Folgen. Strafzinsen für Kleinsparer rücken näher, negative Hypothekarzinsen könnten sich weiter verbreiten.
Niklaus Vontobel
Hat sich erneut durchgesetzt: Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (Bild: Keystone)

Hat sich erneut durchgesetzt: Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (Bild: Keystone)

In Frankfurt hat die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen gelockert. Sie senkte den Einlagezins noch tiefer ins Minus, zu dem Banken über Nacht bei ihr Geld parkieren können. Der Satz steht nicht mehr bei minus 0,4 Prozent, sondern neu bei minus 0,5 Prozent. Und die Europäische Zentralbank nimmt ihre Sondermassnahme wieder auf, die sie eigentlich schon ausgesetzt hatte. Sie kauft wieder direkt Anleihen von Staaten oder Unternehmen auf. Dass diese Sondermassnahme zum Einsatz kommt, ist auch ein Eingeständnis: es sind besondere Zeiten, die normalen Werkzeuge reichen nicht. Damit werden sich Negativzinsen in der Eurozone weiter verbreiten.

Damit hat Mario Draghi bekommen, was er wollte. Der Präsident der Europäischen Zentralbank wollte Geld noch billiger machen, um die schwächelnde Wirtschaft zu stützen. Denn, so die Logik, wenn Unternehmen sich günstig Euros leihen können, lohnen sich Investitionen eher. Und wenn Unternehmen gar Negativzinsen zahlen müssen, wenn sie ihr Euros auf der Bank liegen lassen, dann haben sie noch mehr Grund es auszugeben. Und mehr Investitionen von Unternehmen würden der Wirtschaft helfen.

Dass die Wirtschaft in der Eurozone gerade Hilfe braucht – davon ist Draghi überzeugt. Vor allem in Deutschland hatte sich das Wirtschaftswachstum stark verlangsamt, zuletzt war es gar negativ: die Wertschöpfung wurde kleiner. Auch die Teuerung signalisierte, dass die Wirtschaft schwächelte. Sie stieg nämlich nicht an, wie es in einem Boom jeweils zu beobachten ist. Die Teuerung liess vielmehr nach. Zuletzt lag sie weit unter dem Zielwert, für den die Europäische Zentralbank zu sorgen hat: unter, aber nahe von 2 Prozent.

Warten auf die Schweizerische Nationalbank

Frankfurt hat entschieden. Nun muss die Schweizerische Nationalbank nachziehen. Heute in einer Woche wird sie bekannt machen, wie sie die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft sieht – und wie sie ihrerseits ihren Leitzins festlegt. Das Direktorium aus Thomas Jordan, Fritz Zurbrügg und Andréa Mächler hat also eine Woche dafür Zeit, Folgen von Draghis Entscheid zu analysieren. Ist der Euro noch billiger geworden? Kann sie eine übermässige Euro-Abschwächung verhindern, indem sie Euros mit Franken kauft? Oder reicht das nicht – und muss sie ihrerseits ihren Negativzinssatz tiefer ins Minus drücken?

Draghi treibt Schweizer Börsen zu neuem Allzeitrekord

Der Frankenkurs reagiert unmittelbar. Der Euro fiel von leicht über 1.09 Franken vorübergehend unter die Marke von 1.09 Franken. Aller Wahrscheinlichkeit ist die Schweizerische Nationalbank am Devisenmarkt aktiv. Sie wird versuchen, eine übermässige Aufwertung zu verhindern.

Der Euro verlor gegenüber dem Franken sofort an Wert: (Quelle: cash.ch)

Der Euro verlor gegenüber dem Franken sofort an Wert: (Quelle: cash.ch)

Die Börse hingegen setzt zu einem neuen Hoch an. Der Leitindex SMI sprang zwischenzeitlich auf einen neuen Allzeitrekord von fast 10140 Punkten.

Wie die Nationalbank schlussendlich reagieren wird, darauf muss die Schweiz muss noch eine ganze Woche warten, bis dahin muss gerätselt werden. Auch die Schweizer Banken und Versicherungen werden ihre Politik anpassen müssen. An den Finanzmärkten wird diskutiert, ob die Banken nun auch auf Spar- oder Privatkunden negative Zinsen einführen. Spitzenmanager von Schweizer Grossbanken sagen bereits unverhohlen, dass es dazu kommen werde. Kleinsparer würden dann der Bank einen moderaten Zins zahlen müssen, um ihr Geld von der Bank aufbewahren zu lassen. Diskutiert wird auch, ob die Banken ihre Zinsen auf Libor-Hypotheken noch tiefer absenken, allenfalls gar nahe oder unter die Grenze von Null Prozent.

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