Nach dem Corona-Crash: Das waren die 5 schwärzesten Tage an der Börse

Heute sind die Aktienmärkte nur leicht im Minus, doch gestern Montag verlor der US-Leitindex Dow Jones an einem Tag über 12 Prozent - es war der grösste Tagesverlust seit dem schwarzen Montag von 1987. Wir haben verschiedene Crashes miteinander verglichen.

Niklaus Vontobel
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Ein Touristenpaar aus Australien posiert vor dem Bullen an der Wall Street in New York, der für die Börsen-Hausse steht. Die Masken zeigen: Längst müsste dort ein Bär stehen.

Ein Touristenpaar aus Australien posiert vor dem Bullen an der Wall Street in New York, der für die Börsen-Hausse steht. Die Masken zeigen: Längst müsste dort ein Bär stehen.

Mark Lennihan / AP

Das Coronavirus schreibt auch in den USA neue Börsengeschichte. Neue Negativrekorde setzte es zuletzt im Abstand von nur zwei Tagen.

So erlebte der amerikanische Leitindex Dow Jones am Montag, 16. März 2020, den zweitgrössten Tagesverlust seiner über 130 Jahre alten Geschichte. Einen noch schlechteren Tag gab es nur noch am 19. Oktober 1987. Dieser Tag ging als schwarzer Montag in die Börsengeschichte ein.

Bereits am letzten Donnerstag, 12. März 2020, wurde ein Negativrekord aufgestellt. Es gab einen Tagesverlust von rund 10 Prozent. Damit wurde der zweitgrösste Verlust seit Oktober 1987 geschrieben. In der ganzen Geschichte des Dow Jones war es der fünftgrösste prozentuale Tagesverlust.

Am schwarzen Montag vom Oktober 1987 hatten sich innerhalb weniger Stunden nicht ganz ein Viertel des Börsenwerts der 30 grössten amerikanischen Konzerne in Luft aufgelöst. Nur eine Woche später folgte der nächste Crash, wieder an einem Montag.

Am 26. Oktober 1987 gab es ein Minus von 8 Prozent. Das ist bis heute der viertschlechteste Tag in den Jahrzehnten seit dem schwarzen Montag vom 19. Oktober 1987.

Nach diesem historischen Tag machten sich verschiedene Forscher auf die Suche nach den wahren Ursachen.

Denn nach dem Crash machten verschiedene Erklärungen die Runde. Manche gaben die Schuld einer Verschärfung der Lage in der damaligen DDR. Andere sagten, es seien Finanzierungsschwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL gewesen. Es waren Jahre, in denen hemmungslos Unternehmen gejagt wurden, mit vielen Schulden gekauft und wieder abgestossen.

Doch der später Nobelpreisträger Robert Schiller kam in einer berühmten Studie zu einem anderen Schluss. Der Crash lasse sich nicht mit wirtschaftlichen Fundamentaldaten erklären. Vielmehr deute vieles darauf hin, dass der Aktienmarkt in gewissem Masse ein Eigenleben habe. Shiller beschrieb insbesondere eine Form von Herdentrieb: die Händler vermuteten, dass andere Händler verkaufen würden, und verkauften deshalb selber, was neue Verkäufe auslöste.

Den fünftgrössten Tagesverlust gab es am 15. Oktober 2008. Der Dow Jones büsste 7,9 Prozent ein. Damals wurden die Kurse heruntergetrieben durch Ängste vor den wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise. Zu diesen Zeitpunkt hatte die Finanzkrise jedoch den Dow Jones längst von seinem zwischenzeitlichen Hoch heruntergeholt.

Am 9. Oktober 2007 hatte er einen Peak von 14164 Punkten erreicht. Dann ging es mehr oder weniger durchgehend abwärts. Am 15. Oktober 2008 war der Dow Jones schon um 40 Prozent tiefer. Doch der Boden war erst März 2009 endlich erreicht. Der Dow Jones stand bei 6547 Punkten. Gegenüber dem Peak von 2007 war damit also über die Hälfte des Börsenwertes der dressig grössten amerikanischen Unternehmen weg.

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