«Müssen uns selbst helfen»

Nach dem Fall des Euromindestkurses intensiviert die Rheintaler SFS Group ihre Arbeit an Innovationen. Die Aktionäre bestätigten an der Generalversammlung den Kurs der Führung.

Thomas Griesser Kym
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SFS-Präsident und Konzernchef Heinrich Spoerry spricht zu den Aktionären in der Widnauer Eishalle Aegeten. (Bild: Michel Canonica)

SFS-Präsident und Konzernchef Heinrich Spoerry spricht zu den Aktionären in der Widnauer Eishalle Aegeten. (Bild: Michel Canonica)

WIDNAU. Die Aufhebung des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank Mitte Januar hat die SFS Group kalt erwischt. Bis dorthin hatte der Bauzulieferer und Hersteller von Befestigungstechnik noch damit gerechnet, die operative Marge von 14,1% des Umsatzes (2014) dieses Jahr in Richtung der angestrebten 15% hieven zu können. Nun geht das Unternehmen davon aus, dass die Marge in einem Korridor landet, der sich von 12,9% bis 13,5% spannt. «Für die 15 Prozent brauchen wir noch etwas Geduld», sagte an der ersten Generalversammlung der SFS seit deren Börsengang vor exakt einem Jahr Verwaltungsratspräsident und Konzernchef Heinrich Spoerry vor 907 Aktionären, darunter Ehrenpräsident Hans Huber.

Der Umsatz (2014: 1,38 Mrd. Fr.) dürfte zwar in Lokalwährungen um 5% bis 7% wachsen, in Franken aber um 2% bis 4% sinken. Bisher liege man auf Kurs, sagte Spoerry. SFS zählte Ende Jahr 8300 Mitarbeitende, davon 2340 in der Schweiz. Von den Personalkosten fallen 50% hierzulande an, und die Schweizer Werke exportieren über 90% ihrer Erzeugnisse, wobei die Eurozone der grösste Absatzmarkt ist.

«Näher an die Endkunden»

Ein grosser Teil der Kosten in harten Franken, viele Einnahmen in schwächeren Fremdwährungen – Spoerry machte klar, wohin die Reise geht: «Wir müssen die Kosten näher an die Endkundenmärkte bringen und damit mehr in Einklang mit den Erträgen», sagte er. Gleichwohl bleibt die Schweiz für SFS ein zentraler Produktionsstandort, und Spoerry sagte, «wir müssen uns selbst helfen». Die Mitarbeitenden tragen bekanntlich mit Ferienverzicht und längeren Arbeitszeiten dazu bei, Konzernleitung und Verwaltungsrat verzichten auf 10% ihrer Vergütungen. Darüber hinaus intensiviert die Firmengruppe ihre Anstrengungen punkto Innovationen, wobei sie auf wertschöpfungsstarke Produkte und das Know-how ihrer Belegschaft setzt.

Vielversprechende Neuaufträge

Das illustriert sich an den letztjährigen Investitionen in Sachanlagen von fast 100 Mio. Fr., entsprechend 7 Umsatzprozenten, wovon 40 Mio. Fr. in der Schweiz in Anlagen, Maschinen und Gebäude gesteckt wurden. Und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung wurden um glatte 60% auf gut 34 Mio. Fr. erhöht. Das hat laut Spoerry «viel zu tun mit Neuaufträgen», unter anderem aus der Autoindustrie, denen er «ein hohes Umsatzpotenzial» beimisst. Der betriebliche Leiter und designierte Nachfolger von Spoerry als Konzernchef, Jens Breu, nannte als ein Beispiele elektronische Fahrbremsen, wobei der Trend dazu geht, dass SFS nicht mehr «lediglich» Präzisionskomponenten entwickelt, herstellt und liefert, sondern ganze Baugruppen. Viel versprechend seien auch Smartwatches, für die SFS wie für Smartphones oder Tablets Miniaturspezialschrauben bietet.

Streubesitz ist jetzt leicht höher

Der statutarische Teil verlief in Minne. Die Aktionäre stimmten allen Traktanden grossmehrheitlich zu, darunter einer steuerfreien Dividende aus Kapitalreserven von 1.50 Fr. pro Aktie.

Ferner ist eine Haltefrist von zwölf Monaten für die Aktien des Verwaltungsrates und der Konzernleitung abgelaufen. Damit ist der frei handelbare Streubesitz (Free Float) von 42,6% auf 45% gestiegen. Die übrigen 55% gehören den Familien Huber sowie Stadler und Tschan.

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