«Müssen die Frauen nur finden»

Unternehmen, die ihren Verwaltungsrat mit Frauen besetzen, nehmen zu. Das Ziel ist aber noch nicht erreicht. Der Arbeitgeberverband hilft mit einer Broschüre bei der Suche nach geeigneten Kandidatinnen.

Ernst Meier
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Barbara Rigassi, Geschäftsführerin von GetDiverity, Valentin Vogt, Präsident des Arbeitgeberverbandes, und Doris Aebi, Direktorin der Aebi und Kuhn AG (v. l.), kämpfen gemeinsam gegen eine staatlich verordnete Frauenquote. (Bild: ky/Walter Bieri)

Barbara Rigassi, Geschäftsführerin von GetDiverity, Valentin Vogt, Präsident des Arbeitgeberverbandes, und Doris Aebi, Direktorin der Aebi und Kuhn AG (v. l.), kämpfen gemeinsam gegen eine staatlich verordnete Frauenquote. (Bild: ky/Walter Bieri)

«Gemischte Teams bringen eine bessere Leistung», sagte Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, an der gestrigen Medienkonferenz in Zürich. Zusammen mit fünf Partnern hat der Verband eine Auswahl von Frauen zusammengestellt, die sich für eine Aufgabe in einem Verwaltungsrat eignen. Entstanden ist eine Broschüre, die 400 Frauen auflistet. Die Hälfte davon ist im Verwaltungsrat eines grösseren Schweizer Konzerns tätig.

In einem zweiten Teil widmet sich die Broschüre potenziellen Verwaltungsrätinnen für Schweizer Gesellschaften. Die Projektgruppe hat die Profile von 200 hochqualifizierten Frauen zusammengestellt. Diese werden mit Foto, einem kurzen Curriculum und Angaben über ihre Kompetenzen vorgestellt. Keine der Frauen hatte zum Stichtag der Erhebung (31. Januar 2015) ein Verwaltungsratsmandat bei einem hiesigen börsenkotierten Unternehmen.

Führungserfahren, teamfähig

«Sie kommen aus unterschiedlichen Branchen sowie Berufen und repräsentieren einen Querschnitt der Schweizer Wirtschaft», erklärte Valentin Vogt. Die studierten Damen würden zudem eine der Landessprachen sprechen. «Uns war bei der Auswahl kulturelle Verbundenheit wichtig», sagte Vogt. Aus Ostschweizer Sicht findet man unter den «VR-Top-Shots der Zukunft» Gabriela Manser, Jahrgang 1962, CEO Mineralquelle Goba in Gontenbad, und Gabriele Burn, Jahrgang 1966, Mitglied der Geschäftsleitung bei Raiffeisen Schweiz in St. Gallen.

«Der Verwaltungsrat ist verantwortlich für den Ruf und den Erfolg eines Unternehmens», sagte Projektmitglied Barbara Rigassi. Bei der Zusammenstellung der Kandidatinnen habe man auf drei Kriterien geachtet. «Die Frauen müssen einen soliden Leistungsausweis in einer Führungsfunktion aufweisen», sagte die Gründerin der VR-Vermittlungsagentur Get Diversity. Weiter nannte sie «strategisches Denken» und «Teamfähigkeit» auf. Die Verwaltungsrätinnen sollen fähig sein, Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von mindestens 100 Millionen Franken und über 400 Mitarbeitern zu führen.

Kaderfrauen sind gesucht

Auslöser der Zusammenstellung von 400 Kandidatinnen für VR-Jobs war eine Studie aus dem Jahr 2013, welche der Arbeitgeberverband gemeinsam mit dem Aktionärsberater zCapital (heute zRating) publizierte. Eine Umfrage bei Publikumsgesellschaften hat damals ergeben, dass 84 Prozent der antwortenden VR-Präsidenten den Frauenanteil in ihrem Gremium erhöhen wollen. «Jede zweite Anfrage an uns bezieht sich auf die Suche nach einer Verwaltungsrätin», sagte Kadervermittler Guido Schilling gestern. Viele Unternehmen suchen explizit qualifizierte Frauen für ihre Branche. «Diese gibt es. Man muss sie nur finden», ist Schilling überzeugt. Deshalb habe man den Schritt nach vorne gemacht und die Broschüre «Frauen im Verwaltungsrat: 400 Vorschläge für Schweizer Gesellschaften» erstellt.