Müllern mit Spitzentechnologie

In Weinfelden hat die Meyerhans-Mühlen-Gruppe eine High-Tech-Mühle in Betrieb genommen, die es so noch nicht gegeben hat. In die neue Weichweizenmühle sind 21 Millionen Franken investiert worden.

Stefan Borkert
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Aufnahme mit Minihelikopter: Von aussen eher unspektakulär steht die neue Meyerhans-Mühle vor den gewaltigen Silotürmen. (Bild: Meyerhans Mühlen)

Aufnahme mit Minihelikopter: Von aussen eher unspektakulär steht die neue Meyerhans-Mühle vor den gewaltigen Silotürmen. (Bild: Meyerhans Mühlen)

WEINFELDEN. Auf dem Firmenareal und in den Geschäftsräumen der Meyerhans Mühlen in Weinfelden gehen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine Symbiose ein. Schwere Teppiche dämpfen den Schritt auf dem Weg in den Konferenzraum. Holztäfelungen, Verzierungen und Ölgemälde, Computer, Beamer und iPhone bilden Kontraste. Draussen auf dem Firmengelände der ehemaligen Gemeindemühle Weinfelden steht ein Stück Industriegeschichte und die Meyerhans Mühlen haben gerade ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Eher unspektakulär sieht der Neubau aus. Doch was da auf dem ehemaligen Übungsparcours des letzten Patrons entstanden ist, sucht in der Welt seinesgleichen. Im Inneren des neuen, 37 Meter hohen Gebäudes hat die Firma Bühler, Uzwil, eine der modernsten Weichweizenmühlen der Welt eingebaut.

Nachfolge geregelt

Wir nennen diesen Abschnitt des Areals «Greenfield», sagt Dominic Meyerhans, der nun die sechste Generation des Familienbetriebes in der Geschäftsleitung vertritt. Als Leiter Produkteentwicklung, Marketing und Innovation soll er die Zukunft der Meyerhans Mühlen aktiv und erfolgreich mitgestalten. Das Unternehmen setzt dabei auf natürliche Produkte und Spezialitäten. «Wir haben das erste Spezialmehl für die backhilfsmittelfreie Herstellung von Pirolle und Gipfeli entwickelt», sagt Dominic Meyerhans.

Die Nachfolgeregelung, die bei anderen KMU oft ein Problem darstellt, ist hier umsichtig und geplant angegangen und umgesetzt worden. Schon als Bub war Dominic Meyerhans von der Müllerei fasziniert. Seine Sporen hat er sich auswärts verdient und ist nun zurückgekehrt. In der Geschäftsleitung rapportiert er CEO Diego Della Cà. Ohne irgendwelche Behinderungen sei die neue Mühle parallel zur bestehenden aufgebaut worden, sagt Della Cà. Und Projektleiter Greenfield, Karl Eisenring, ergänzt, dass das ein Idealzustand sei. Die offizielle Einweihung der neuen Mühle in Weinfelden ist am 26. April.

Die alte Mühle aus dem Jahr 1955 werde verkauft. Für das Gebäude würden derzeit Nutzungsmöglichkeiten entwickelt, so Diego Della Cà. Auf dem Rundgang durch die neue High-Tech-Weichweizenmühle, die derzeit die Spitze der Technologie für die aktuelle Müllerei repräsentiert, erklärt Karl Eisenring, dass die Vorgängermühle aus dem Jahr 1922 nach Chile verkauft worden sei.

Grösste private Mühle

In der Schweiz ist Meyerhans Mühlen die Nummer drei. «Aber wir sind die grösste Mühle der Schweiz in Privatbesitz», betont Dominic Meyerhans. Der Inlandmarkt macht den Löwenanteil des Geschäftes aus. Der Export falle praktisch nicht ins Gewicht, was der Mühle angesichts der Wechselkurskrise eher zugute kommt. Dennoch, der Konkurrenzdruck im Inland sei gross, sagt CEO Della Cà. Aber mit der neuen Mühle könne man die Kundenbedürfnisse bezüglich Qualität und anspruchsvoller Produkteigenschaften noch besser erfüllen. Vor allem sei man mit der neuen Mehlmischerei nun sehr flexibel. Abnehmer der Meyerhans-Mehle sind gut 1000 Industriekunden und gewerbliche Bäckereien. Darunter befinden sich Teigwarenproduzenten, Müsliproduzenten und Suppenhersteller. Eine Flotte von 17 firmeneigenen Lastwagen liefern das Mehl aus, egal ob zur Dorfbäckerei oder zum industriellen Grosskunden.

Präzision und Reinheit

Im Inneren der neuen Mühle kommt neueste Technik zum Einsatz. Fotozellen helfen beim Sortieren. Druckluft, Förderelemente und Rüttelsiebe sorgen für eine präzise Verarbeitung und einen extrem hohen Reinigungsgrad. «Wir haben hier das reinste Weissmehl, das sich derzeit herstellen lässt», sagt Karl Eisenring. Täglich können 100 Tonnen Brotgetreide vermahlen werden. Das Herz der Anlage bildet die sogenannte Vermahlungssektion mit modernsten Walzenstühlen, Sichtungs- und Putzmaschinen.

Energie für die Mühle in Weinfelden liefert übrigens das eigene Wasserkraftwerk in der Mühle. Und die bei der Produktion entstehende Wärme wird ebenfalls genutzt.

Ins Herz der Mühle führen: CEO Diego Della Cà, Projektleiter Karl Eisenring und Dominic Meyerhans, Leiter Produktentwicklung. (Bild: Nana do Carmo)

Ins Herz der Mühle führen: CEO Diego Della Cà, Projektleiter Karl Eisenring und Dominic Meyerhans, Leiter Produktentwicklung. (Bild: Nana do Carmo)