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Motorenhersteller in Gams: Rückzug trotz E-Bike-Boom

Mit Go Swiss-Drive in Gams stellt der einzige namhafte Motorenhersteller in der Schweiz die Produktion ein. Das hat nicht nur technische und finanzielle Gründe.
Peter Hummel
Vor acht Jahren hat Ortlinghaus in Gams die Produktion für die Go-Swiss-Drive-Motoren errichtet. (Bild: Peter Hummel)

Vor acht Jahren hat Ortlinghaus in Gams die Produktion für die Go-Swiss-Drive-Motoren errichtet. (Bild: Peter Hummel)

Das E-Bike-Geschäft brummt weiterhin auf hohen Touren. Kaum eine Velomarke, die heute keine elektrischen Modelle im Sortiment hat, über 60 Antriebshersteller buhlen im Markt. Da kommt es überraschend, dass mit Go Swiss-Drive ein etablierter ­Anbieter von E-Bike-Motoren die Segel streicht, zumal keine finanziellen Probleme ersichtlich sind.

Hinter Go Swiss-Drive steht mit Ortlinghaus ein Weltkonzern für Kupplungs- und Bremssys­teme. In Gams ist Ortlinghaus seit den Siebzigerjahren vertreten. Die Tochtergesellschaft Go Swiss-Drive AG wurde 2011 eigens zur Produktion von E-Bike-Antrieben gegründet. Der Standort Gams erzielt aktuell 28 Millionen Franken Umsatz und sei durch die 2019 zu liquidierende Go Swiss-Drive keineswegs in ­Frage gestellt.

Heckmotor interessierte nur Nischen

Im Markt findet eine zunehmende Polarisierung und Verdrängung statt, vor allem durch Primus Bosch: Bereits etwa jedes dritte im Fachhandel verkaufte E-Bike dürfte mit Bosch angetrieben sein. Was mit Panasonic vor bald 20 Jahren begann, hat seit sechs Jahren durch Bosch und einige Newcomer wie Brose, Shimano oder Yamaha zur absoluten Dominanz des Mittelmotors geführt. Derweil der Heckmotor eigentlich immer noch Vorteile aufzuweisen hat, wie mehr Dynamik, direktere Kraftübertragung, Lautlosigkeit und Rekuperationsmöglichkeit.

An der technischen Wettbewerbsfähigkeit kann dieser Rückzug kaum liegen. Wohl aber an der Marktakzeptanz: Go Swiss-Drive konnte keine Big Player an Land ziehen, dafür immerhin über zwei Dutzend Nischenanbieter. Verhältnismässig gut vertreten ist Go Swiss-Drive im Heimmarkt: Bei Kristall, Tour de Suisse, Veo und YouMo; vordem wurden auch Stöckli und Specialized beliefert. Heuer wird noch die letzte grosse Bestellung für einen heimischen Auftraggeber abgewickelt: die Post-Tochter Publibike hat nach dem letztjährigen Auftrag von 3500 Elektro-Mieträdern für Bern und Zürich Ende Jahr noch eine zweite Tranche von 2000 Exemplaren geordert.

Treten an Ort – das war offenbar zu wenig

Für den Rückzug nach achtjähriger Marktpräsenz nennt Go Swiss-Drive ansatzweise Gründe: «Die Weiterentwicklung der ­Peripherie, die der Kunde im Premiumsegment immer mehr erwartet, stellt einen zunehmend höheren Aufwand dar. In einem preissensiblen Marktumfeld lassen sich diese Investitionen langfristig nur schwerlich einspielen.» Für die Branchenkenner scheint unterdessen klar, dass die stagnierende Stückzahl von 15000 Antrieben pro Jahr und damit die Profitabilität zu gering war, die (Mittelmotor-)Konkurrenz aber zu gross wurde. Industriezulieferer Ortlinghaus hingegen erkannte, dass E-Bike-­Antriebe längerfristig nicht zu den Kernkompetenzen der Firma gehören können.

Immerhin kommt es im Fall der Go Swiss-Drive zu einem «geordneten Rückzug»: Vertragliche Verpflichtungen wie die Ausführung laufender Aufträge sowie Service- und Gewährleistungen sollen bis Dezember 2019 noch über die Firma erfüllt werden, lässt Letztere verlauten. Nach deren Liquidation soll ab 2020 die Ortlinghaus GmbH dafür gerade stehen.

Gemäss Thomas Germann, Geschäftsführer von Ortlinghaus Schweiz, soll die Einstellung der Go-Swiss-Drive-Produktion keine grossen personellen Konsequenzen haben: Von den siebzig Mitarbeitern in Gams seien nur etwa zehn für Go Swiss-Drive tätig. Da aufgrund der guten Auftragslage ein Teil davon bei Ortlinghaus weiterbeschäftigt werden könne, gehe er derzeit nur von einer Handvoll Kündigungen aus, fügt Germann hinzu.

Autozulieferer mischen E-Bike-Branche auf

Vor acht Jahren war der Bremsen- und Kupplungshersteller Ortlinghaus eines der ersten Unternehmen aus dem Industriesektor, das mit der Tochterfirma Go Swiss-Drive ins Geschäft von E-Bike-Motoren einstieg.
Inzwischen schneiden sich auch Unternehmen wie beispielsweise Brose und Bosch einen grossen Anteil des Profitkuchens ab. Zudem stehen bereits auch weitere Automobilzulieferer vor der Tür, wie zum Beispiel Continental, Amprio (Rheinmetall), Mahle, Marquardt, Oechsler und ZF. Allerdings ist der Vorsprung von Bosch eBike Systems gegenüber den anderen enorm.
Über 70 Marken und ungefähr jedes dritte im Fachhandel verkaufte E-Bike in Europa sind von Bosch angetrieben. «Bosch hat die Messlatte sehr hoch gesetzt, und Bosch hat den Markt gemacht. Ohne diese Marke hätte sich das E-Bike nicht so rasant entwickelt», sagt Ivica Durdevic, seit 2013 Entwicklungschef bei Flyer in Huttwil. (red)

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