Möbelbranche im Umbau

Möbel Pfister übernimmt Möbel Hubacher. Die Schweizer Möbelbranche steht unter zunehmendem Druck von Ketten wie Ikea und Anbietern im grenznahen Ausland.

Thomas Griesser Kym
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Möbel Pfister muss sich gegen viele Mitbewerber behaupten. (Bild: pd)

Möbel Pfister muss sich gegen viele Mitbewerber behaupten. (Bild: pd)

SUHR/ROTHRIST. Zu einem ungenannten Preis und per sofort übernimmt die Pfister Arco Holding mit ihrem Stammhaus Möbel Pfister den Konkurrenten Möbel Hubacher. Dieser werde weiterhin unter dem bisherigen Namen am Standort im aargauischen Rothrist, gelegen direkt an der A1, weitergeführt. Auch sollen alle Arbeitsplätze erhalten bleiben. Möbel Hubacher, der sich mit einer Ausstellungsfläche von 30 000 m² «das grösste Einrichtungshaus der Schweiz» nennt, beschäftigt 200 Mitarbeitende. Die Inhaberfamilie Medina-Hubacher habe «eine externe Schweizer Nachfolgeregelung» gesucht. Mit der Pfister- Gruppe habe man nun «einen Wunschpartner gefunden», der den Standort in Rothrist «weiter stärken und ausbauen» wolle, heisst es in der Mitteilung.

Laut Rudolf Obrecht, Verwaltungsratspräsident der Pfister Arco Holding, passt Hubacher zur langfristigen Strategie Pfisters. Man wolle über attraktive Standorte die führende Marktposition sowohl stationär als auch online ausbauen und den Marktanteil erhöhen. Möbel Pfister, laut Eigenwerbung «mit dem grössten Sortiment der Schweiz», hat 2000 Mitarbeitende und im ganzen Land 20 Möbelhäuser, darunter eines in St. Gallen im Lerchenfeld und eines in Mels. Zur Pfister-Gruppe gehören auch Möbel Svoboda in Schwarzenbach bei Wil und Möbel Egger in Eschenbach. Die Marke Top Tip wurde von Pfister 1984 an Coop verkauft.

Unter Druck des Auslands

Die Möbelbranche in der Schweiz hat wegen des Einkaufstourismus schwer zu kämpfen, der durch den starken Franken zusätzlich befeuert wird. So hat die Aufhebung des Euromindestkurses Mitte Januar durch die Nationalbank die Preise im Euroland gegenüber jenen in der Schweiz nochmals verbilligt. Zwar haben viele Schweizer Möbelhändler auch ein grosses Sortiment an Möbeln aus dem Euroraum im Angebot, die im Einkauf ebenfalls günstiger geworden sind. Insgesamt sind drei Viertel der hierzulande verkauften Möbel Importe. Aber die Möbelhändler müssten tiefere Einkaufspreise an die Kunden weitergeben, um gegen die Konkurrenz ennet der Grenze zu bestehen, heisst es in der Branche.

Einzelanbieter im Gegenwind

Die Preisspirale setzt zusätzlich die Schweizer Möbelfabrikanten unter Druck. Um gegen die billigeren Importe zu bestehen, müssen sie ihre Preise, die sie von Schweizer Möbelhändlern verlangen, ebenfalls reduzieren, was Abstriche an der Marge bedeutet. Die anhaltende Konzentration führt ferner dazu, dass die Möbelfabrikanten immer weniger Schweizer Abnehmer zur Auswahl haben. Einige geben auf: Im August ging die Möbelfabrik Karl Schuler in Rothenthurm Konkurs, nachdem die Aufträge weggebrochen waren, und die Berner Möbelfabrik Fraubrunnen strich Stellen. Ähnlich im Handel: Spätestens im Dezember schliesst das Möbelhaus Weibel in Endingen – nach 150 Jahren. Weibel nennt als Gründe auch den zunehmenden Onlinehandel und Konkurrenz durch hochwertige Fälschungen von Markenartikeln. Und jetzt gibt Hubacher die Eigenständigkeit auf. Die Entwicklung zeigt: Schwer haben es vor allem Einzelanbieter, während sich Ketten besser behaupten können. Die zehn grössten Möbelhäuser der Schweiz decken drei Viertel des hiesigen Marktes ab. Der Ableger des schwedischen Giganten Ikea schöpft mit gut 1 Mrd. Fr. Umsatz allein ein Viertel der jährlichen Schweizer Ausgaben für Wohnungseinrichtungen ab.

Ikea sucht den Erfolg unter anderem mit relativ tiefen Preisen, ebenso wie Conforama und teils die Grossverteiler Migros und Coop. Händler im mittleren Preissegment wie Pfister versuchen, mit einem Ausbau der Beratung und weiterer Kundenservices dagegenzuhalten und so höhere Preise rechtfertigen zu können. Das wiederum setzt vor allem Einzelanbieter unter zusätzlichen Druck. Denn sie probieren just ebenso mit Beratung und Service zu punkten.