Model bleibt noch viel zu tun

Dank ihrer neuen deutschen Tochter kann die Weinfelder Firmengruppe geographisch und in neue Marktsegmente expandieren. Die Profitabilität lässt aber noch zu wünschen übrig.

Thomas Griesser Kym
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2016 hat Model 2 (Bild: Chris Mansfield)

2016 hat Model 2 (Bild: Chris Mansfield)

Thomas Griesser Kym

874 Mio. Fr. hat die Model-Gruppe mit Sitz in Weinfelden vergangenes Jahr umgesetzt. Das ist ein sattes Plus von 42% gegenüber 2015. Hauptgrund des Wachstumssprungs ist die Übernahme der deutschen P-Well-Gruppe von Anfang 2016, die rund 200 Mio. € Umsatz und 880 Mitarbeitende in das Unternehmen Daniel Models einbrachte. Mit der Vorlage der jüngsten Zahlen zeigt sich auch, dass Models Umsatz 2015 eingebrochen war, von zuvor 709 Mio. auf 614 Mio. Franken. Der Chef führt den Absacker, der damals nicht kommuniziert worden war, vor allem auf «den Währungsschock» zurück, verstärkt durch Preisschwankungen. «Weil wir in Franken konsolidieren, hatten wir einen gewaltigen Währungsverlust», erläutert Model die Monate nach der Auf­hebung des Euromindestkurses durch die Nationalbank Mitte Januar 2015. Auf Gruppenebene sei das Unternehmen in jenem Jahr rentabel geblieben, aber in der Schweiz habe man einen Verlust geschrieben. «2015 war ein annus horribilis», sagt Model.

Investitionen bleiben hoch

Mittlerweile hat sich sein Betrieb wieder gefangen: Vergangenes Jahr gelang in der Schweiz die Rückkehr in die schwarzen Zahlen, und das trug auch «massgeblich» zu einer Verbesserung der Rentabilität der ganzen Gruppe mit 4200 Beschäftigten bei, wie Model sagt. Am profitabelsten arbeitet das Unternehmen, das Verpackungen aus Voll- und aus Wellkarton herstellt, in Polen und in Tschechien. Noch «etwas un­terdurchschnittlich» sei man in Deutschland unterwegs.

Dass in der Schweiz weniger Geld verdient wird als in Osteuropa, führt Model auch darauf zurück, dass er ausschliesslich hierzulande Papier produziert, in den beiden Fabriken in Weinfelden, der Thurpapier, und in Niedergösgen. Gleichwohl sei Model in der Schweiz «sehr produktiv und schlank», wobei die Frankenstärke dem Unternehmen nach wie vor zu schaffen mache. «Solange wir nicht sterben, sind wir recht fit», beschreibt er die Lage.

Um sich zu behaupten, setzt Model auf Innovationen, Modernisierung und Expansion. Organisch wuchs die Firmengruppe 2016 um gut 4%, und das gilt auch für die Verkäufe in der Schweiz. Impulsgeber war hier der Digitaldruck, wobei Model dafür über eine Maschine verfügt, mit der man «erstaunlich zufrieden» sei und die der Erzeuger Bobst nicht in Serie herstellen wird. Dank der P-Well, deren Integration läuft und die ihre Produktivität aber noch steigern muss, kann Model neu auch das Preprint-Verfahren sowie Spezialitäten wie Schwer- und Endlospappe anbieten. Ausserdem kann man Grosskunden nun auch in Deutschland und den Benelux-Staaten bedienen. Das bedeutet dank mehr Einnahmen in Euro ein ausgewogeneres Währungsportfolio und folglich eine grössere Resistenz gegen Währungsschocks. Insgesamt hat Model vergangenes Jahr 88 Mio. Fr. investiert. In Polen wurde soeben ein drittes Werk mit 60 Angestellten in Betrieb genommen, in Weinfelden starten in einem Monat die ersten Versuche mit einer neuen Anlage zur Aufbereitung von Getränkekartons und schwer löslicher Altpapiere, deren lange und hochwertige Fasern der Herstellung von Wellkarton dienen. In dieses Projekt namens «Fibre Evolution» investiert Model total 35 Mio. Franken. Für 2017 sind Gesamtinvestitionen auf Vorjahreshöhe vorgesehen, wobei die Papierfabrik Niedergösgen eine neue Wasseraufbereitungsanlage erhält. Insgesamt hat Model in der Schweiz gut 900 Mitarbeitende, in Weinfelden (500), Au, Niedergösgen und Moudon.

Positiv äussert sich Model über das Nein des Stimmvolks zur Unternehmenssteuerreform III. Der reduzierte Steuersatz für Holdings sei «gar kein Privileg», sagt der Unternehmer, denn eine Holding lebe von Beteiligungserträgen, also Dividenden ihrer Tochterfirmen, und diese Dividenden seien schon versteuert. Dass Holdings überhaupt besteuert werden, ist laut Model nur gerechtfertigt, weil sie auch andere Erträge erhalten können, etwa Zinsen auf Darlehen an Tochterfirmen. Model sagt aber auch, eine stärkere Besteuerung von Holdings hätte in seinem Fall keine Folgen für seine Schweizer Belegschaft, denn: «Die Model Holding hat nur wenige Angestellte.»