Doppelt so viele Autos mit Alternativantrieb: Mobility lenkt auf Elektro um

Hunderte neue Fahrzeuge mit Alternativantrieb will das Carsharing-Unternehmen Mobility in den nächsten Jahren anschaffen. Doch es bleibt ein gewichtiges Problem: Wo soll man die alle aufladen?

Gregory Remez
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Ladestationen gibt es noch nicht überall. (Bild: PD)

Ladestationen gibt es noch nicht überall. (Bild: PD)

Kaufen ist Silber, Mieten ist Gold. Mit diesem Konzept will Mobility der grösste nationale Anbieter für individuelle Mobilitätsdienstleistungen werden. Bereits heute ersetze jedes geteilte Auto bis zu zehn Privatfahrzeuge, sagt Geschäftsführer Roland Lötscher. In Zukunft sollen es noch mehr werden.

Doch nicht nur die Schweizer Strassen will der Carsharing-Anbieter mit seiner Flotte von derzeit rund 3100 Wagen entlasten, sondern auch die Umwelt. Deshalb hat sich Mobility vorgenommen, den Anteil an Elektro- und Hybridfahrzeugen massiv auszubauen. Bis ins Jahr 2023 soll der Fuhrpark mindestens 700 Autos mit Alternativantrieb umfassen, so das erklärte Ziel der in Rotkreuz beheimateten Genossenschaft. Das wären mehr als doppelt so viele wie heute.

Derzeit bietet Mobility schweizweit 90 Elektro-,120 Hybrid- und 100 Biogas-Fahrzeuge an. Letztere sind seit drei Jahren im sogenannten Freefloating-Prinzip in der Stadt Genf im Einsatz; das heisst, man kann dort ein geliehenes Biogas-Auto an einem beliebigen Ort wieder abstellen, aufgetankt wird es von Mobility-Mitarbeitern. Auch wenn dieses Konzept in Genf gut funktioniere, setze man beim landesweiten Ausbau vor allem auf Elektro und Hybrid, sagt Patrick Eigenmann, Kommunikationsverantwortlicher von Mobility.

«Viele Leute haben noch immer gewisse Berührungsängste mit Biogas, insbesondere beim Tankprozess. Gemäss unseren Erfahrungen eignet sich die Technologie deshalb nur bedingt für das Carsharing in Selbstbedienung», erklärt Eigenmann. Anders sehe es dagegen beim Elektro- und Hybridantrieb aus. «Die Elektromobilität ist derzeit in aller Munde und entwickelt sich rasch weiter. Die allgemeine Bereitschaft, auf ein E-Auto umzusteigen, steigt. Entsprechend steigt auch die Nachfrage der Mobility-Kunden nach solchen Angeboten.»

Neue Vorschriften des Bundes

Als Beweggrund für den Ausbau der Elektro- und Hybridflotte nennt Mobility nebst der steigenden Nachfrage vor allem die neuen CO2-Emmissionsvorschriften des Bundes. So gilt ab Anfang des kommenden Jahres für neue Personenwagen in der Schweiz – analog zur EU – ein Zielwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer; unterschreitet ein Importeur diese Schwelle, wird eine Sanktionsabgabe fällig.

Zum Vergleich: Laut dem Bundesamt für Energie lag der durchschnittliche Ausstoss neuer Personenwagen hierzulande im vergangenen Jahr bei 137,8 Gramm CO2 pro Kilometer, also um mehr als 40 Gramm über der neuen Leitlinie. Um diese zu erreichen, geschweige denn zu unterbieten, brauche es daher Sonderanstrengungen von allen Seiten, gibt Eigenmann zu bedenken.

Erschwerend kommt hinzu, dass die 95 Gramm CO2 pro Kilometer noch vor dem Dieselskandal definiert wurden, also zu Zeiten der alten NEFZ-Messmethode («Neuer europäischer Fahrzyklus»). Diese wurde inzwischen durch die WLTP-Methode abgelöst («Weltweit einheitliche Leichtfahrzeug-Testprozedur»). WLTP weist Abgaswerte um durchschnittlich 20 Prozent und somit deutlich realistischer aus. «Wir begrüssen diesen Fortschritt», sagt Eigenmann, «doch heisst das für uns, dass wir etwas tun müssen, wenn wir die neuen CO2-Leitlinien mit unserer Flotte künftig unterbieten möchten. Deshalb hat sich Mobility für den Elektro- und Hybridausbau entschieden.»

Benziner sollen ersetzt werden

Mit Blick auf die Modelle bei den Neuanschaffungen setzt man in Rotkreuz auf Altbewährtes. Beim Elektroantrieb ist dies in erster Linie der Renault Zoe und beim Hybrid die Modelle des Marktführers Toyota. «Wir haben mit beiden bisher überaus positive Erfahrungen gemacht», sagt Eigenmann, «doch wir beobachten den Markt genau und schliessen Veränderungen nicht aus.»

Könnten Mobility-Kunden also bald auch in einem Tesla Platz nehmen? Möglicherweise, meint Eigenmann. «Aufgrund der hohen Anschaffungspreise wäre es schwierig für uns, diese rentabel zu betreiben. Deshalb ist vorerst kein Kauf geplant.» Man hoffe aber, im Rahmen der in diesem Jahr intensivierten Zusammenarbeit mit Garagisten ein Pilotprojekt mit einem oder mehreren Teslas zu starten. «Dann wird sich auch zeigen, ob unsere Sorge, nämlich ob ein Tesla für Carsharing-Zwecke genug benutzerfreundlich ist, berechtigt war.»

Tesla hin oder her, fest steht: Die neuen Elektro- und Hybridfahrzeuge sollen die Mobility-Flotte nicht nur ergänzen, sondern die alten Benzin- und Dieselmodelle nach und nach ersetzen. Bereits 2023 soll jedes vierte Mobility-Auto alternativ angetrieben sein, je nach Marktentwicklung auch mehr. Um dieses Ziel zu erreichen, seien aber nicht nur Mobility und seine Partner, sondern auch die Politik gefordert, mahnt Eigenmann. Denn was die Ladeinfrastruktur betrifft, gebe es in der Schweiz noch einigen Nachholbedarf.

Auf Partner angewiesen

Eines der Hauptprobleme ist, dass Mobility beim Aufladen der Elektrofahrzeuge auf Dritte angewiesen ist. Denn weil die Genossenschaft die Parkplätze für ihre geteilten Autos nicht selber besitzt, gestaltet sich die Installation von Ladestationen nicht selten als schwierig.

«Für ein Privatunternehmen ist das finanziell eigentlich nicht zu stemmen», sagt Eigenmann. «Nicht nur die Ladeinfrastruktur kostet, sondern insbesondere auch die baulichen Massnahmen, um Strom zuzuführen. Hinzu kommt, dass der Vermieter immer zuerst sein Einverständnis geben muss. Als Mieter sitzen wir diesbezüglich am kürzeren Hebel.» Ein Kauf der Parkplätze komme derzeit nicht in Frage, da Mobility sein Standortnetz flexibel halten möchte. Zudem wäre auch dies schlicht zu teuer.

Deshalb hat sich das Unternehmen auf die Suche nach neuen Partnern in den Regionen gemacht. Vor allem aber sieht Mobility die öffentliche Hand in der Pflicht. Eigenmann: «Wie schnell sich die Elektromobilität durchsetzt, hängt auch davon ab, wie schnell die dafür benötigte Infrastruktur bereitgestellt wird.»