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Möbelmarkt trimmt sich fit

Die Migros-Tochter Interio rüstet sich mit einem neuen Ladenkonzept für die digitale Zukunft. Konkurrentin Coop zieht nach.
Philipp Felber
Ein neues Ladenkonzept soll bei Interio die Möbelverkäufe ankurbeln. (Bild: PD)

Ein neues Ladenkonzept soll bei Interio die Möbelverkäufe ankurbeln. (Bild: PD)

Interio hat es in den letzten Jahren hart getroffen. Das Einrichtungshaus der Migros verlor seit 2015 rund 46 Millionen Franken an Umsatz. Dem will Interio nun etwas entgegensetzen. Ein neues Ladenkonzept soll helfen, die Kunden wieder in die Läden zurückzubringen. Ein Rundgang im neuen Laden in Spreitenbach zeigt: Die Vermischung von Digitalem und Analogem sowie neue Designer stehen im Zen­trum der Neulancierung.

Nicht nur Interio musste in den letzten Jahren untendurch im Schweizer Möbelhandel. Auch Branchengrösse Ikea verlor im Vergleich zum Vorjahr an Umsatz. Coop-Tochter Toptip verlor ebenfalls 4 Prozent an Umsatz seit dem letzten Jahr. Das Schreckgespenst hinter allem: Onlinehändler, welche den etablierten Möbelhäusern den Rang ablaufen wollen. Wobei die Verwerfungen noch nicht so gravierend sind wie etwa im Kleiderhandel. Zu diesem Schluss kommt das Marktforschungs­institut GFK in seinem Marktbericht zum Detailhandel 2018 in der Schweiz. Die Einrichtungsbranche gehöre noch zu den schwach entwickelten Märkten im Onlinebereich, heisst es im Bericht. Aber der Anteil steigt: Von 6 auf 7 Prozent stieg er im letzten Jahr. Im Bekleidungsgeschäft liegt er bei 16 Prozent.

Toptip wird wohl verschwinden

Dass der Onlinehandel auch im Möbelgeschäft wichtiger wird, ist unbestritten. Aber Interio-Chef Michel Keller sagt: «Ich glaube, dass es auch in 100 Jahren noch einen stationären Möbelhandel gibt.» Viel wichtiger als der reine Onlinekunde sind momentan andere Entwicklungen. Bei Interio suchen 50 Prozent der Kunden zuerst online nach gewissen Produkten, um sie dann im konventionellen Laden zu kaufen. Eine ähnliche Entwicklung sieht man auch beim Schweizer Möbelhaus Pfister, wobei dort der Anteil solcher Kunden sogar bei 80 Prozent liege, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Genau auf diese Kunden setzten nun Möbelhäuser.

Interio versucht es mit einer Mischung aus digitaler und analoger Welt. Zum Beispiel mit einer Augmented-Reality-App, mit der Möbel über das Smartphone virtuell in den Wohnraum gestellt werden können. Eine ähnliche App hat bereits Ikea lanciert. Nicht nur die Migros reagiert auf die Umsatzrückgänge im Möbelgeschäft. Auch Konkurrent Coop geht offenbar über die Bücher. Die Pendlerzeitung «20 Minuten» spekuliert dar­über, ob am nächsten Montag ein neuer Wohnmarkt eröffnet wird. Anstelle der Marke Toptip soll «Livique» lanciert werden. Coop wollte auf Nachfrage mit Verweis auf einen Medienanlass den Umbau weder bestätigen noch dementieren. Am Anlass, der am nächsten Montag in der Nähe von ­Aarau stattfindet, der genaue Ort ist nicht bekannt, wird auch Coop-Chef Joos Sutter sein. Ein Hinweis darauf, dass Coop im Möbelhandel nachzieht. Wie «20 Minuten» schreibt, plane Coop die Livique-Läden mit einem neuen Konzept, bei dem ebenfalls auf Digitalisierung und Personalisierung gesetzt wird – analog zum Konzept von Interio. Auch dort können personalisierte Möbel bestellt werden.

Coop hat sich bereits im vergangenen Herbst den Markennamen «Livique» eingetragen, die passende Internetdomain ist ebenfalls auf den Detailhandelsriesen eingetragen. Der Markeneintrag enthält klare Hinweise darauf, dass Coop ein Rebranding vorhat. So wird etwa auf «Dienstleistungen des Einzelhandels im Bereich Möbel und Wohnungseinrichtung» verwiesen. Die beiden Branchengrössen Coop und Migros marschieren also wieder im Gleichschritt.

Möbelpreise dürften in Zukunft sinken

Neben einem neuen Einkaufserlebnis dürfen sich die Konsumenten in Zukunft noch auf etwas anderes freuen: Die Preise für Möbel sind in der Schweiz in den vergangenen Jahren stets gesunken. Im Vergleich zum Dezember des Jahres 2015 bezahlen Konsumenten laut Bundesamt für Statistik im Durchschnitt rund 8 Prozent weniger. Das dürfte so weitergehen, wie Interio-Chef Michel Keller sagt. Er geht davon aus, dass sich die Preise in der ganzen Branche weiter nach unten bewegen. Auch bei Interio und der anderen Migros-Tochter Micasa.

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