Mitten in der Coronapandemie steigert Arbonia die Rentabilität

Weniger Umsatz, aber besser verdient: Damit rechnet der Gebäudezulieferer Arbonia für das erste Semester 2020. Verlagerungen und Investitionen machen sie bezahlt.

Thomas Griesser Kym
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Der Hauptsitz der Arbonia in Arbon.

Der Hauptsitz der Arbonia in Arbon.

Bild: Hanspeter Schiess

Die Arbonia-Gruppe hat im vergangenen ersten Halbjahr 6,3 Prozent weniger umgesetzt als in der Vorjahresperiode. Eine absolute Zahl nennt das Arboner Unternehmen noch nicht. Da aber im ersten Semester 2019 ein Umsatz von 688,4 Millionen Franken verzeichnet worden war, läuft es auf Verkäufe von 645 Millionen in der Berichtsperiode hinaus. In Lokalwährungen beträgt das Minus 1,7 Prozent, wie Arbonia weiter mitteilt.

Die Rückgänge werden auf Corona zurückgeführt. Der Ausbruch der Pandemie habe sich seit Mitte März negativ auf die Konjunktur ausgewirkt und auch Teile der Bauindustrie in Europa massgeblich negativ beeinflusst, darunter auch in einigen wichtigen Absatzmärkten der Arbonia wie Italien, Frankreich, Polen und den Benelux-Staaten.

Operativ gewinnt der Konzern an Schwung

Damit hat es sich aber auch schon mit den schlechten Nachrichten der Arbonia. Umfangreicher sind die relativ guten. So war zum einen die Bautätigkeit in den Arbonia-Hauptmärkten Schweiz und Deutschland nur leicht eingeschränkt. Zum anderen hat Corona zwar vor allem die Monate April und Mai negativ geprägt, doch seit Juni sei bereits wieder eine Erholung der Absatzmärkte erkennbar.

Drittens ist da die Rentabilität. Arbonia erwartet, dass das Betriebsergebnis auf Stufe Ebitda über dem Vorjahreswert zu liegen kommt, und dies sowohl mit als auch ohne Sondereffekte. Zudem dürfte das Betriebsergebnis auf Stufe Ebit überproportional gesteigert worden sein.

Das Betriebsergebnis auf Stufe Ebit sieht noch bescheiden aus

Zum Vergleich: Im ersten Semester 2019 betrug das Ebitda ohne Sondereffekte 52,3 Millionen Franken und mit Sondereffekten 48,3 Millionen. Schon damals hatten diese Werte Zuwächse verbucht. Das Ebit betrug damals 7,5 Millionen Franken oder relativ bescheidene 1,1 Prozent des Umsatzes.

Dass trotz weniger Umsatz und trotz Corona die Rentabilität gesteigert werden konnte, erklärt Arbonia vor allem mit einer flexibleren und damit verbesserten Kostenstruktur. Diese ist die Folge von Produktionsverlagerungen und Investitionen in die Automatisierung in den vergangenen Jahren.

Von der Schweiz aus ostwärts verlagert

So hat Arbonia etwa den Fensterbau der Ego Kiefer von der Schweiz in den Osten Europas verlagert. Als stabilisierend erwiesen habe sich andererseits auch die Ausrichtung der Arbonia auf die zentraleuropäischen Märkte und den Wohnungsbau.

Kehrseite der Medaille: Die Verlagerungen haben in der Schweiz 350 Arbeitsplätze gekostet, und der Schweizer Wohnbaumarkt wird statt mit Ego-Kiefer-Fenster aus den früheren Produktionen in Altstätten und Villeneuve im Waadtland nun von den kostengünstigeren Fabriken in der Slowakei und in Thüringen beliefert.

Der Ausblick folgt im August

Über die detaillierten Semesterzahlen und den Ausblick auf das ganze Geschäftsjahr 2020 informiert Arbonia am 18. August. Der Konzern beschäftigt insgesamt 8300 Mitarbeitende und ist in folgenden Geschäften tätig: Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik, Sanitär, Fenster sowie Aussen- und Innentüren.

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Thomas Griesser Kym