Mitbring-Bienen schonen Klima

Ob digitale Inhalte oder Gegenstände – im Internet wird so ziemlich alles geteilt. Share Economy heisst das Schlagwort. Auch junge Schweizer Unternehmen wie Bring-Bee mischen mit innovativen Geschäftsmodellen mit.

Sabrina Dünnenberger
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Einkaufen, nicht nur für sich, sondern auch für die Nachbarn. Diese Idee hat Bring-Bee gemeinsam mit Ikea zum Geschäftsmodell gemacht. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Einkaufen, nicht nur für sich, sondern auch für die Nachbarn. Diese Idee hat Bring-Bee gemeinsam mit Ikea zum Geschäftsmodell gemacht. (Bild: ky/Martin Rütschi)

ST. GALLEN. Spülbürsten, Papierservietten und Kleiderbügel. Diese Artikel stehen auf der Einkaufsliste von Nutzer Fini aus dem glarnerischen Ennenda. Fini fährt aber nicht etwa selbst zu Ikea, um diese Artikel zu kaufen. Vielmehr stellt Fini die Liste auf die Webseite von Bring-Bee. Die Idee dahinter: Jemand aus der gleichen Wohnregion fährt demnächst sowieso zu Ikea und kann die Artikel gleich mitbringen. Nachbarn vernetzen, die aus dem gleichen Laden Waren brauchen – das ist das Ziel des Internetportals Bring-Bee, das seit bald einem Jahr online ist.

Ungenutzte Kapazitäten

Als Pilotprojekt von Ikea in Zürich gestartet, kaufen heute laut dem Start-up mehr als 1000 Mitglieder landesweit in diversen Geschäften für ihre Nachbarn ein. Die Klimastiftung Schweiz hat dem Projekt diese Woche einen Unterstützungsbeitrag von 50 000 Fr. in Aussicht gestellt. Denn: Wer nicht nur für sich, sondern auch für seine Nachbarn einkauft, spart Transportwege und schont damit die Umwelt. «Bereits heute lähmen Staus unsere Strassen. Dabei bleiben durchschnittlich 70 Prozent aller Transportkapazitäten ungenutzt», sagt Stella Schieffer, Verkehrsplanerin mit Abschluss an der ETH Zürich und Mitgründerin von Bring-Bee.

Damit die fleissigen Bienen auch etwas von ihrem Einsatz für die Nachbarn haben, werden sie mit einer Provision von 10% bis 15% des Einkaufswerts entschädigt. Bei unserem Beispiel mit Fini sind es etwas mehr als 8 Franken. Bring-Bee selbst erhält eine Provision von 3 Fr. und 2,5% des Einkaufswerts – dafür stellt das Portal die Verifizierung der Community, sichere Zahlungen und Transportversicherungen sicher. Als durchschnittliche Lieferzeit gibt Bring-Bee ein bis drei Tage an. Das Zeitfenster für die Lieferung bestimmt der Auftraggeber.

Die neue Freude am Teilen

«Bring-Bee ist ein gutes Beispiel für die aufstrebende Share Economy. Sie eröffnet eine innovative und einfache Möglichkeit, CO2 zu sparen», sagt Ursula Finsterwald, Stiftungsrätin der Klimastiftung Schweiz. Share Economy, die Ökonomie des Teilens: «Ein Megatrend, der Wirtschaft und Gesellschaft revolutioniert», wie der deutsche Bundesverband für Informationswirtschaft und Telekommunikation (Bitkom) in einer Studie schreibt. Das Internet hat der breiten Masse die Möglichkeit eröffnet, nicht nur Meinungen oder digitale Inhalte mit anderen zu teilen, sondern auch Gegenstände jeder Art. Das wohl bekannteste Beispiel ist das Carsharing. Der Community geht es in erster Linie um Bequemlichkeit. Und darum, durch Leihen, Mieten oder Tauschen Geld zu sparen. Dass Community-Marktplätze dabei das Klima schonen oder Abfall reduzieren, sind gerngesehene Nebeneffekte. Geteilt wird fast alles. Von Werkzeugen über Parkplätze bis zu Nahrungsmitteln, welche die Community unter die Leute bringt, anstatt sie während der Ferienabwesenheit verderben zu lassen.

Alte Modelle in Frage gestellt

Wie die Bitkom-Studie weiter festhält, verstärkt sich der Trend zu Share Economy, je mehr die Online-Mobilität der Nutzer steigt. Dank Smartphones können übers Internet zeitnah Angebote gesucht und genutzt werden, und auch die Abrechnung wird einfacher. Allerdings werfen die neuen Geschäftsmodelle rechtliche Fragen auf. Das zeigt beispielsweise die Diskussion um das Portal Airbnb, über das Wohnungen oder Zimmer vermietet werden können. Weil immer mehr kommerzielle Anbieter das Portal nutzen und so etwa um Kurtaxe und Mehrwertsteuer herumkommen, sind die Hoteliers verärgert. Wie viele andere Mitbewerber der neuen Geschäftsmodelle im Internet werden sie sich jedoch mit der Situation arrangieren müssen. Denn, und auch das hält die Studie fest: «Die vielen neuen Geschäftsmodelle der Share Economy stellen viele alte Modelle in Frage.»