Mit Volldampf in die Zukunft

Die Anlagen der Evatec beschichten Bauteile mittels Verdampfung. Gefragt ist das in der High-Tech-Industrie. Das Trübbacher Unternehmen ist für den Prix SVC Ostschweiz nominiert.

Kaspar Enz
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CTO Marco Padrun und CEO Andreas Wälti mit hauchdünn beschichteten «Wafers».

CTO Marco Padrun und CEO Andreas Wälti mit hauchdünn beschichteten «Wafers».

Bild: Ralph Ribi

Das Herzstück der Evatec liegt hinter Glas und ist nur mit Schutzanzügen zugänglich. Geschützt werden aber nicht die Mitarbeiter, geschützt werden die Geräte und die Substanzen, mit denen hier gearbeitet wird. Denn jedes Staubkorn kann stören, so hauchdünn sind die Schichten, um die es hier geht. Die filtern Farben oder Frequenzen, leiten Signale weiter oder blocken sie ab. Die Kunden des Trübbacher Unternehmens kommen aus der Halbleiterindustrie, aus der Telekommunikation, sie bauen Solarzellen. Auch in Smartphones stecken etliche solch dünn beschichteter Bauteile. Die Evatec hilft den Kunden nicht nur beim Entwickeln der Schichten, sie baut ihnen vor allem die Anlagen, mit denen die Bauteile hergestellt werden.

Prix SVC Ostschweiz

Der Unternehmerpreis Prix SVC Ostschweiz wird dieses Jahr zum neunten Mal vergeben. Sechs Firmen sind nominiert: Davaz Holding aus Fläsch, Evatec aus Trübbach, Glatz aus Frauenfeld, Heule Werkzeug aus Balgach, Integra Biosciences aus Zizers und Zünd Systemtechnik aus Altstätten. Wir stellen die Firmen in loser Folge vor. Der Gewinner wird am 5. März erkoren. (T.G.)

«Damit haben wir vor 16 Jahren angefangen», sagt Andreas Wälti neben einem dieser Geräte, das einem futuristischen Backofen gleicht. Im Verdampfer drinnen wird eine Substanz erhitzt, bis sie als Dampf aufsteigt. Der hinterlässt eine hauchdünne Schicht auf einer Trägersubstanz, oft einer runden Siliziumscheibe, einem «Wafer». Aus diesem entstehen dann die Bauteile, die oft kaum einen Quadratzentimeter gross sind.

An Technologie geglaubt

Anlagen aus solchen Verdampfern produzierte bereits die Abteilung des Oerlikon Konzerns, die Andreas Wälti und der heutige Technologiechef Marco Padrun Anfang des Jahrtausends leiteten. «An der Konzernspitze glaubte man nicht mehr an die Technologie», sagt Wälti. «Wir schon.» Die beiden kauften die Abteilung aus dem Konzern heraus. Von Flums aus belieferte die Evatec bald die Welt – Wälti und Padrun sollten Recht behalten. Neue Beschichtungsverfahren kamen hinzu, und rund elf Jahre später ein neuer Teil des Oerlikon-Konzerns: 2015 übernahm man die Oerlikon Advanced Technologies, die Zahl der Mitarbeiter verdreifachte sich beinahe auf 300. Noch bevor die japanische TEL Solar in Trübbach ihren Standort schloss, zog die Evatec ein – in die Hallen, in denen noch bis 2012 die Solarsparte der Oerlikon zu Hause war.

Anlagen gehen vermehrt nach Asien

Auf zwei Stockwerken montieren hier nun die Mitarbeitenden die Anlagen für die Kunden. Die bestehen meist aus Abfolgen verschiedener Beschichtungsgeräte. Einige Bestandteile davon werden auch vor Ort gebaut, viele Bauteile kommen von Zulieferern auch aus der Region.

Dann gehen sie in die ganze Welt. «Vor ein paar Jahren gingen erst etwa ein Drittel unserer Anlagen nach Asien», sagt Wälti. Heute sind es schon über die Hälfte. Zwar seien viele der Kunden Tochterfirmen europäischer oder amerikanischer Unternehmen. Trotzdem hat die Evatec vor einigen Jahren damit begonnen, auch in Asien Tochtergesellschaften zu gründen. Zur Service- und Vertriebsgesellschaft in den USA und in Europa, die schon länger existierten, kamen Niederlassungen in Japan, China, Singapur, Taiwan, Korea und Malaysia hinzu, die unterdessen rund 140 Mitarbeitende beschäftigen.

Das habe einiges gebracht, sagt Wälti. «Früher haben wir mit Agenten gearbeitet.» Doch die arbeiten mit mehr als einer Firma zusammen, und haben ihre eigene Ziele. «Jetzt sind wir näher bei den Kunden», sagt Wälti. Dabei setzt die Evatec bei ihren Niederlassungen auf einheimisches Personal. Zur Ausbildung werden die ausländischen Mitarbeiter auch in die Schweiz geholt. Und manchmal hilft das Glück. «In Malaysia konnten wir Mitarbeitende einer geschlossenen Firma übernehmen, die mit unseren Anlagen gearbeitet hat. So war diese Niederlassung schnell sehr produktiv», sagt Wälti.

Mit den eigenen Leuten vor Ort blickt Wälti nun zuversichtlich in die Zukunft. Denn die verspricht viele Chancen für seine Evatec. «Für den Fortschritt der Kommunikationstechnologie, die weitere Vernetzung, wie für selbstfahrende Autos braucht es die beschichteten Bauteile, die unsere Anlagen herstellen.» Und auch wenn die meisten Kunden dafür in Asien sind, Wälti will am Rhein bleiben. Hier seien die gut ausgebildeten Mitarbeitenden, die spezialisierten Zulieferer. Hier gebe es Hochschulen, die bei manchen Projekten helfen können: Die ETH in Zürich, oder, noch näher, das Technikum in Buchs (NTB). Von dort kämen auch viele Mirarbeitende. «Das Know-How ist hier ist in der Schweiz», sagt Wälti.