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Mit Negativzinsen steht die Zinswelt kopf

Ende Januar hat mit der Bank of Japan eine weitere grosse Notenbank angekündigt, die Leitzinsen in den negativen Bereich zu drücken.
Daniel Kalt, Chefökonom Schweiz, UBS

Ende Januar hat mit der Bank of Japan eine weitere grosse Notenbank angekündigt, die Leitzinsen in den negativen Bereich zu drücken. Was zuvor schon die Dänische, die Schwedische und die Schweizerische Nationalbank (SNB) unter teilweise dramatischen Währungsverwerfungen und im Sinne einer Notmassnahme einführten, scheint salonfähig zu werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte bereits Mitte 2014 diesen Schritt gewagt.

Neues Heilmittel?

Was bis vor kurzem die meisten Ökonomen als unmöglich, oder zumindest als äusserst riskant, betrachteten, wird nun als machbar, ja gar als taugliches, unkonventionelles geldpolitisches Konzept betrachtet. Das Durchbrechen der «zero lower bound», der geldpolitischen Nullgrenze, nach unten wird von einigen heute gar als neues Heilmittel zur Ankurbelung von Investitionen und Konsum in einer Welt mit deutlich deflationären Tendenzen gesehen. Doch ganz so einfach ist die Welt der Negativzinsen nicht. Zwar mögen Negativzinsen Anleger dazu verleiten, mehr Risiken einzugehen, oder Private wie auch Unternehmen animieren, den Konsum und die Investitionen zu erhöhen. Im Falle der Schweiz haben sie wohl auch dazu beigetragen, den Franken als sicheren Anlagehafen unattraktiver zu machen. Allerdings wird auch zunehmend klar, dass negative Zinsen für den Bankensektor und das Finanzsystem insgesamt äusserst schädliche Wirkungen entfalten können. Bei einem länger anhaltenden Negativzinsumfeld akkumulieren sich die Zinsänderungsrisiken. Extrem tiefe und flache Zinsstrukturkurven können die Margen der Banken im klassischen Zinsdifferenzgeschäft weiter unter Druck setzen und das Bankensystem bei einem allfälligen späteren starken Zinsanstieg in Schieflage bringen.

Tiefes Niveau bleibt

Die jüngsten Rückschläge bei Banktiteln können als Reaktion der Märkte auf die Aussichten auf noch weiter ins Negative fallende Zinsen interpretiert werden. Es ist damit zu rechnen, dass die EZB Mitte März ankündigen wird, nicht nur das Volumen der monatlichen Anleihenkäufe zu erhöhen und damit die Zinskurve weiter flach zu halten. Man erwartet auch, dass Draghi eine weitere Senkung des Einlagensatzes bekanntgeben wird. Selbst wenn die Zinssenkung von –0,3% auf –0,4% nur gering ausfallen dürfte, ist das Signal klar: Die Zinsen werden längere Zeit auf den extrem tiefen, verbreitet gar negativen Niveaus verharren. Somit stellt sich die Frage, was dies für das schweizerische Zinsumfeld und Finanzsystem bedeutet. Die SNB will es vermeiden, im Falle des oben nur kleinen Zinsschritts der EZB, die Leitzinsen ebenfalls weiter zu senken. Einerseits hat sich der Euro-Franken-Kurs zuletzt ohne sichtbare Währungsinterventionen der SNB auf deutlich über 1.10 halten können. Die SNB wird somit in erste Linie mit weiteren Deviseninterventionen gegen eine Frankenaufwertung ankämpfen. Da sie sich der äusserst problematischen Nebenwirkungen von noch tieferen Negativzinsen für das Banken- wie auch das Vorsorgesystem bewusst sein dürfte, wird erwartet, dass sie eine weitere Zinssenkung nur dann ins Auge fassen wird, wenn bei den Währungsinterventionen erneut alle Dämme brechen sollten. Angesichts der schon heute kopfstehenden Zinswelt ein schwacher Trost.

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