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Mit Kredit in die Falle gelockt?

Über eine Internetseite, die günstige Kredite verspricht, werden Kunden in eine teure Telefonfalle gelockt. So sehen es jedenfalls Betroffene. Dahinter steckt vermutlich ein Mann aus Arbon, der Finanzfirmen betreibt.
Stefan Borkert
Die Internetseite (Screenshots oben) steht im Verdacht, mit falschen Versprechen Kunden zu teuren Telefonanrufen zu verleiten. Dahinter steckt vermutlich eine Arboner Firma. (Bild: Max Eichenberger)

Die Internetseite (Screenshots oben) steht im Verdacht, mit falschen Versprechen Kunden zu teuren Telefonanrufen zu verleiten. Dahinter steckt vermutlich eine Arboner Firma. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Urs Holz (Name geändert) sitzt vor seinem heimischen PC und sucht einen Anbieter für günstige Privatkredite. Der 20-Jährige wird auf der Internetseite www.swissmoneybank.ch fündig. Maria Z. wird dort zitiert: «Ich finde Swissmoneybank super. Einfach schnell und unkompliziert.» Verschiedene Kreditarten werden vorgestellt, und am Schluss versichert der CEO U. Chener: «Als CEO und Gründer der www.swissmoneybank.ch stehe ich mit meinem Namen für Qualität, Seriosität und Kundenorientierung in der Beratung. Sie können sich darauf verlassen, dass wir Ihnen nur Produkte und Angebote empfehlen, die Sie wirklich brauchen und sich auch leisten können.»

«Das hört sich gut an», denkt sich Urs Holz und fühlt sich durch die beeindruckenden Testsiegel und niedrigen Zinsen angesprochen. Es gilt jetzt, ein Onlineformular auszufüllen, abzuschicken und die 25 000 Franken Privatkredit sind «gebucht».

Teurer Rückruf

Doch es kommt anders. Einen Kredit sieht Urs Holz nie. Die Telefonnummer, die er anrufen soll, kostet 4,23 Franken pro Minute. «Man hat mich künstlich lange in der Warteschleife gehalten», sagt er. Eine Erfahrung, die auch seine Mutter macht. Wie der Sohn, sieht auch sie nie einen Kredit, dafür beläuft sich ihre Telefonrechnung plötzlich auf mehr als 500 Franken. Urs Holz kommt das Gebaren komisch vor. Er recherchiert und muss erkennen: «Ich bin hereingelegt worden. Aber der Internetauftritt ist professionell gemacht. Und es wird einem auch noch versichert, dass eine Kreditvergabe verboten sei, wenn sie zur Überschuldung führe.»

In zahlreichen Internetforen wird vor dem Absahnen über teure Telefonleitungen gewarnt. Der «Beobachter» und «K-Tipp» haben über Swissmoneybank berichtet. Potenzielle Kunden haben dabei 2000 Franken und mehr an Telefonkosten liegen lassen. Dabei hätten Kredit-Interessierte wie Urs Holz hellhörig werden können, denn ganz unten auf der Website steht: «Es erfolgt keine Kreditvermittlung oder Kreditvergabe.» Urs Holz sagt: «Diesen Hinweis habe ich nicht gesehen.» In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen wird darauf hingewiesen: «www.swissmoneybank.ch ist ein Informationsdienst der Swiss Money Finance Ltd, UK.» Und später wird noch einmal betont: «Die vorliegenden Informationen auf www.swissmoneybank.ch stellen weder eine Beratung noch eine Vermittlung von Krediten oder Finanzprodukten jeglicher Art dar. www.swissmoneybank.ch ist ein reiner Informations- und Werbedienstleister und zeigt Werbeinformationen von Kreditanbietern, Finanzsanierungsunternehmen und Kreditvermittlern an.»

Damit entsteht allerdings ein widersprüchlicher Eindruck, denn auf der Seite selbst wird verkündet: «Wir lehnen grundsätzlich keine Anfrage ab und betreuen auch Menschen mit einer vermeintlich schlechten Bonität. (...) Die Lösung aller Ihrer finanziellen Probleme wartet auf Sie. Jetzt anfragen.» Urs Holz und seiner Mutter ging es wie vielen anderen. Sie haben das Kleingedruckte nicht gelesen.

Die Spur führt nach Arbon

Die Spur auf der Suche nach der mutmasslichen Internet-Abzockerei führt nach Arbon ins Herzen der Altstadt. Hier residiert die Money Management AG. Der Inhaber fährt gerne mit dem Porsche vor, ist allerdings nur selten anzutreffen. Mieter des Hauses berichten von einem häufig überfüllten Briefkasten. Die Polizei schaute Anfang der Woche vorbei, doch vergeblich. Eine entsprechende Anfrage bei der Kantonspolizei Thurgau wurde mit dem Hinweis auf das Amtsgeheimnis beantwortet. Man könne deshalb keine Auskunft geben. Versuche, mit dem Firmeninhaber der Money Management AG in Kontakt zu treten, scheiterten bislang. Auf einer Festnetznummer heisst es, der Teilnehmer sei vorübergehend nicht erreichbar. Mails kommen als nicht zustellbar zurück oder man erhält das: «Sehr geehrte Damen und Herren, herzlichen Dank für Ihre Mail! Leider können wir Ihre Anfrage auf diesem Wege nicht bearbeiten: Die SwissMoneyBank CH ist ein Online-Dienstleiter ohne Filialnetz und refinanziert Ihren Beratungs- und Vermittlungsaufwand zu 100% aus den Gebühren der kostenpflichtigen Hotline 0901 51 51 5551 (CHF 4,31 pro Minute). Im Gegensatz zu anderen Instituten und Wettbewerbern sind Ihre Kosten damit absolut transparent und kalkulierbar für Sie. Es entstehen neben den Telefongebühren keine weiteren Provisions- oder Vermittlungskosten. Alle Aufwände im Rahmen Ihrer Kreditbearbeitung und Finanzpartner-Vermittlung sind damit vollständig abgegolten.»

Die Suche nach dem angeblichen Gründer und CEO von Swissmoneybank ist ohne Ergebnis. Weder im Handelsregister noch im Telefonbuch ist der Mann zu finden. Namen von Finanzspezialisten und einem Senior Client Director, die Mails an Kunden von Swissmoneybank unterzeichnen, erregen ebenfalls den Verdacht, erfunden zu sein. Sie tauchen aber beim Wiener Verein zur Prävention gegen unerlaubte Werbeanrufe und Telefonbetrug sowie zur Spielsuchthilfe (VPT) wieder auf. Swissmoneybank hat auch eine österreichische Internetadresse. Auf der Startseite wird aktuell vor der Money Management AG gewarnt: «Eine neue Webseite der Money Management AG ist aufgetaucht! Meiden Sie swissmoneybank.at» Die Seite ist so gut wie deckungsgleich mit dem Schweizer Pendant.

Finma warnt

Dass sich Kunden von Swissmoneybank durch teure Rückrufe über den Tisch gezogen fühlen, könnte auch daran liegen, dass der Name eine Bank suggeriert. Bank darf sich allerdings nur nennen, wer dafür eine Banklizenz hat. Auf der offiziellen Warnliste der Finanzmarktaufsicht (Finma) wird die Swissmoneybank seit dem 6. November geführt.

Darauf zu finden ist auch die House of Finance AG in St. Gallen. Auch hier taucht als Alleininhaber der Mann aus Arbon von der Money Management AG auf. Die House of Finance AG hat turbulente Zeiten hinter sich. Letztes Jahr verfügte der St. Galler Handelsgerichstpräsident im Oktober zunächst die Liquidation im Konkursverfahren. Im November hob er sie wieder auf.

Bild: Borkert Stefan

Bild: Borkert Stefan

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