Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Mit Fairtrade-Musik zum Erfolg

Die Schweizer Musikplattform iGroove will die Musikszene aufmischen und konkurriert dabei mit iTunes & Co. Dabei setzen sie auf faire Bezahlung und Unterstützung der Künstler – und neue Angebote für die Konsumenten.
Laurence Marion Kaufmann
Vom Nobody zum Shootingstar: Der Zürcher Rapper Xen hat es dank iGroove auf Platz 2 der Schweizer Single-Hitparade geschafft.

Vom Nobody zum Shootingstar: Der Zürcher Rapper Xen hat es dank iGroove auf Platz 2 der Schweizer Single-Hitparade geschafft.

Von Platten zu CDs zu iTunes zu Spotify zu iGroove. Die Musikbranche befindet sich im konstanten Wandel der Digitalisierung. Was man vor 20 Jahren noch im Laden gekauft hat, lässt sich heute bequem von zu Hause per Mausklick herunterladen, wahlweise legal oder illegal.

Aber auch das Herunterladen selbst ist heute nicht mehr nötig. Gegen eine fixe Monatsgebühr hat zum Beispiel ein Kunde des Streaming-Dienstes Spotify immer und überall Zugriff auf Millionen Lieder nationaler wie auch internationaler Künstler. Was für Kunden teils nicht mehr wegzudenkende Dienstleistungen sind, wird vielen Musikern zum Verhängnis. Diese kämpfen mit wachsender Konkurrenz und schwindenden Einnahmen.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und vor allem unbekannten Künstlern die Türe in eine profitable Musikwelt zu öffnen, haben drei junge Unternehmer die Schweizer Online-Musikplattform iGroove aufgebaut. Als Musiker kannte Dennis Hausammann, Mitgründer von iGroove, die harten Bedingungen der Musikbranche zur Genüge. Aus seinen eigenen Erfahrungen entwickelte sich nach und nach das Konzept der Fairtrade-Musikplattform iGroove.

Ursprung des Gedanken

Begonnen hat Hausammann vor gut zehn Jahren zusammen mit seiner Band mit der Eigenproduktion einer CD, die sie dann auch selbst auf der Strasse verkauften. Nach diesem ersten Erfolg produzierte Hausammann sein erstes eigenes Album und suchte für die Vermarktung ein Label. Ein solches fand er ohne grössere Probleme, doch die Kosten schluckten dann auch fast alle Verkaufseinnahmen. Dabei habe das Label «nicht mehr gemacht, als meine CD auf Anfrage hin an die Händler zu liefern», sagt Hausammann.

Auch der Versuch, ein eigenes Label zu gründen, scheiterte wegen der hohen Kosten und minimen Auszahlungen. Hausammann gab nicht auf und produzierte ein rein digitales Album, das er auf iTunes vertrieb. Er war jedoch nicht einverstanden mit dem Prozentsatz der Einnahmen, die iTunes für sich behielt, nur für die Veröffentlichung auf der Plattform. Produzieren und Hochladen müsse der Künstler die Musik ja selber. Aus dieser von Hausammann als unfair empfundenen Aufteilung der Kosten und Einnahmen entstand iGroove als Musikplattform, die 92% der Einkünfte an den Künstler zurückgibt.

So funktioniert iGroove

Der Künstler lädt seine Musik auf die Onlineplattform und bestimmt einen Mindestpreis. Der Käufer kann dann entscheiden, ob er mehr für die Musik bezahlen möchte. Somit kann er gezielt seine Lieblingskünstler unterstützen. Eine weitere Innovation der Plattform ist der Kauf von Musik über SMS. Dabei klickt der Kunde auf das ausgewählte Lied und kann dann Preis und Zahlungsart auswählen. Klickt er auf «via SMS», zeigt die Seite einen Code an, den der Kunde anschliessend an die Nummer 900 schickt. Innert Bruchteilen einer Sekunde erscheint ein Link zum Download des Liedes. Um dieses abzuspielen, braucht man nun noch die passende App dazu. Alternativ kann der Kunde nach Eingabe des Codes die Musik auch direkt auf dem Computer herunterladen. Der Preis wird per Handyrechnung bezahlt.

Mit ihrem Konzept des Fairtrade-Labels behält iGroove lediglich 8% der Einkünfte, ein ungewöhnlich kleiner Anteil in der Musikbranche. Laut Hausammann steckt jedoch keinerlei Wirtschaftlichkeitsgedanke dahinter. Die Prozentzahl habe sich «einfach gut angefühlt», denn die Gründer wollten ihr Geld nicht am Künstler verdienen.

Bezahlt wird nur die Leistung

Trotzdem muss die Plattform profitabel sein. Dies geschieht durch den bisher letzten, jedoch umso lukrativeren Schritt in der Entwicklung des Konzepts: Abgesehen vom reinen Vertrieb der Musik über die Plattform bietet das Unternehmen auch verschiedene Dienstleistungen an, von der Produktion von Merchandising-Artikeln bis zum Marketing. Und laut Hausammann ist die Dienstleistungssparte auch weitaus lukrativer als der Verkauf der Musik. Der Künstler oder auch ein Label entscheidet selbst, welche dieser Dienstleistungen er beanspruchen will. Somit ist iGroove laut Hausammann auch «die Neuerfindung des traditionellen Musiklabels». Der Künstler engagiert das Label für eine spezifische Dienstleistung. Das Label wird nach Dienstleistung bezahlt und hat keine Anrechte auf einen Teil der Einnahmen.

Der Erfolg dieser Neuerfindung lässt nicht lange auf sich warten: 2015 hat iGroove ein Umsatzwachstum von 1500% erlebt. Dank 50% SMS-Verkäufen schaffte es der damals unbekannte Rapper Xen auf Platz 2 der Schweizer Single-Hitparade. Laut iGroove setzen bereits 2500 Künstler auf das Fairtrade-Label.

«Wie grosse Schiffe»

Das Umsatzwachstum wirkt noch bedeutender vor dem Hintergrund der Umsatzeinbussen von jährlich 10%, welche die Schweizer Musikindustrie laut iGroove erleidet. Trotzdem müssen die Jungunternehmer aufpassen, dass sie am Ball bleiben. Die heutige Strategie steht vor allem im Zeichen des Wachstums. So wollen sie nicht nur die digitale Entwicklung weiterführen, sondern auch ihr Marktpotenzial ausschöpfen, in der Schweiz wie im nahen Ausland. Die Gefahr beim Wachstum sieht Hausammann vor allem bei der Qualität. So sei ein künftiger Bewerbungsprozess mit Qualitätskontrolle für Künstler denkbar. Heute beschränkt sich diese auf die Veröffentlichung der Musikstücke. Hausammann sieht zudem den Einbezug grosser Labels kommen. «Sie sind wie grosse Schiffe; ein Richtungswechsel gestaltet sich schwierig.» Aber: «Die Verhandlungen laufen.»

Die iGroove-Gründer: (Von links) Moris Marchionna, Géraldine Allemann, Dennis Hausammann. (Bilder: pd)

Die iGroove-Gründer: (Von links) Moris Marchionna, Géraldine Allemann, Dennis Hausammann. (Bilder: pd)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.