Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Google-Pay gibt es nun auch in der Schweiz

Der Internetriese Google fordert die Schweizer Banken und die Post heraus – und schaltet den Twint-Konkurrenten auf. Dennoch dürfte Google Pay anfangs nicht über eine kleine Nische hinauskommen.
Raffael Schuppisser

Handy aus der Tasche kramen, ans Kreditkarten-Terminal halten und schon ist der Einkauf bezahlt. Das funktioniert seit Dienstag mit dem Service Google Pay auch in der Schweiz. Bezahlt werden kann auf diese Weise mit jedem neueren Android-Smartphone und überall dort, wo man auch mit kontaktlosen Kreditkarten seinen Einkauf begleichen kann – mittlerweile also fast in allen Geschäften in der Schweiz.

Denn die Technologie dahinter ist dieselbe: Transaktionsdaten werden über NFC (Near Field Communication) übermittelt. Benötigt wird eine Kreditkarte, die man in seinem Google-Profil hinterlegt und über die der Einkauf beglichen wird. Google verspricht, die so anfallenden Daten nicht für personalisierte Werbung zu nutzen. Auch verdient der Tech-Riese an den Zahlungen nicht mit. «Wir verrechnen für unseren Dienst keine Kommissionen», versichert die Google Managerin Florence Diss. Dennoch will Google mit dem Service den Nutzern natürlich nicht nur das Leben leichter machen. Es geht auch darum, sie noch mehr ins Google-Universum zu ziehen. Im Internet suchen, Medien konsumieren, einkaufen – alles soll nahtlos mit demselben Profil funktionieren.

Handy statt Kreditkarte: Google Pay gibts jetzt auch in der Schweiz. (Bild: HO)

Handy statt Kreditkarte: Google Pay gibts jetzt auch in der Schweiz. (Bild: HO)

Markt ist noch längst nicht gesättigt

Der Service lässt sich auch im Onlinehandel nutzen. Da neben Kreditkartendaten auch die Lieferadresse hinterlegt werden kann, muss man diese nicht bei jedem Onlinehändler aufs Neue eingeben oder sich registrieren. Das vereinfacht den Bezahlungsprozess. Laut Google sind lediglich zwei Klicks nötig, um eine Bestellung auszulösen. Die Konkurrenten Apple Pay und Samsung-Pay sind schon seit über zwei Jahren in der Schweiz präsent. Der späte Markteintritt von Google dürfte aber kaum mit Nachteilen verbunden sein. Denn der Markt für Mobile-Payment ist hierzulande noch längst nicht gesättigt. Laut einer Studie der Hochschule Luzern macht der Anteil Transaktionen über Mobilgeräte nur 0,5 Prozent aus.

Dass die Schweizer so selten mit dem Handy bezahlen, hat ihre Ursache in einem Streit zwischen Apple und den Grossbanken. Apple verweigert anderen Firmen den Zugriff auf die NFC-Schnittstelle des iPhones. Als Folge davon haben die Post Finance zusammen mit den Schweizer Banken die Bezahllösung Twint entwickelt, bei der die Transaktionsdaten nicht über NFC, sondern über eine Bluetooth-Verbindung übertragen werden – eine Technologie, die für diesen Austausch der Daten weniger gut geeignet ist. Um ihre eigene Lösung nicht zu schwächen, haben die Post und die Banken ihren Kunden die Möglichkeit verwehrt, sich mit ihren Kreditkarten bei Apple Pay zu registrieren.

Das hat zur Folge, dass Apple Pay, das schon seit 2016 in der Schweiz zur Verfügung steht, kaum genutzt wird. Bei Twint hingegen dürfte die fehleranfällige und umständliche Schnittstelle über Bluetooth Grund sein, dass Schweizer Smartphone-Nutzer an den Kassen noch immer zum Portemonnaie greifen. Hinzu kommt, dass Twint eine reine Insellösung ist; ausserhalb der Schweiz kann damit nicht bezahlt werden. Für das Branchenportal «Finews» ist Twint, deren Entwicklung bereits eine halbe Milliarde Franken verschlungen habe, «der Flop des Jahrzehnts».

Der Streit hat sich zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung ausgeweitet: Apple und Twint haben sich bei der Schweizer Wettbewerbskommission gegenseitig mit Klagen eingedeckt. So wie es aussieht, könnte nun aber doch der Markt und nicht das Gericht die Streitigkeiten glätten: Als erste namhafte Bank weicht die Credit Suisse von ihrer Boykotthaltung ab und geht sowohl mit Apple Pay als auch mit Samsung Pay eine Kooperation ein. Seit Dienstag können Credit-Suisse-Kunden mit ihrer Kreditkarte die beiden Mobile-Payment-Dienste nutzen. Und Google Pay wird immerhin mit Prepaid-Karten unterstützt. Die UBS dürfte ebenfalls bald folgen. Auf Anfrage dieser Zeitung meint die Grossbank: «Wir arbeiten daran, unser Angebot im Bereich Mobile Payment im laufenden Jahr zu erweitern.» Optimistisch gibt sich Google-Managerin Florence Diss. «Wir sind überzeugt, dass wir dereinst auch die UBS an Bord holen können», sagt sie.

Das Kräfteverhältnis auf dem Mobile-Payment-Markt verschiebt sich also zu Gunsten internationaler Konzerne. Einen Trumpf hat Twint aber noch: Die App bietet die Möglichkeit, dass sich Nutzer kleine Beträge gegenseitig überweisen können. Beliebt ist das etwa, wenn es unter Freunden darum geht, die Rechnung eines Nachtessens zu begleichen: einer bezahlt, die anderen «twinten» ihm ihren Anteil. Keine der grossen drei bietet einen solchen Dienst in der Schweiz an. Es ist diese Funktion, welche für die meisten der 1,4 Millionen Twint-Nutzer den Reiz der App ausmacht. Bloss: Die Betreiber verdienen mit dieser Funktion kein Geld. Denn anders als bei den Transaktionen an den Ladetheken, fallen hier keine bereichernden Kommissionen an.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.