Mit dem «City Messenger» gegen das Ladensterben: FHS St.Gallen entwickelt das Smartphone-Schaufenster

Mit einer Messenger-App wollen FHS, die Stadt St.Gallen und Detailhändler dem Ladensterben begegnen.  Der «City Messenger» ist eine Weltneuheit.

Kaspar Enz
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Während der Adventszeit ist die Innenstadt voll. Mit dem "City Messenger" soll sie auch ausserhalb dieser Zeit belebter werden. (Bild: Michel Canonica)

Während der Adventszeit ist die Innenstadt voll. Mit dem "City Messenger" soll sie auch ausserhalb dieser Zeit belebter werden. (Bild: Michel Canonica)

«Neu Eingetroffen und perfekt für kaltes SG-Wetter», schreibt das Schuhgeschäft Schneider samt Bildern und Emoji. Die Stadt preist den Bauernmarkt an. Hier gibt es Gipfeli, dort Mäntel: Der «City Messenger» schickt die Schaufenster aufs Smartphone. Doch die Smartphone-App, die gestern lanciert wurde, soll das Schlendern und Stöbern in der Innenstadt nicht ersetzen, im Gegenteil. «Der City Manager soll die Leute animieren, wieder in die Innenstadt zu gehen», sagt Sigrid Hofer-Fischer, Projektleiterin von Seiten der Fachhochschule St.Gallen. Oft sei in Vergessenheit geraten, was die Innenstadt biete.

Denn viele Kunden kaufen heute lieber im Ausland oder Online ein. Kunden, die den Läden in den Innenstädten fehlen. So hört man aus vielen Städten Klagen übers Ladensterben, nicht nur in St.Gallen. «Wir haben das Problem zuerst aufgegriffen», sagte gestern Standortförderer Samuel Zuberbühler bei der Vorstellung des Messengers.

Die digitale Vernetzung sei eine Massnahme im Rahmen des Projekts «Zukunft St.Galler Innenstadt». Und auch hier dürfte der Stadt die Aufmerksamkeit anderer Städte und Detailhändler gewiss sein. Denn der «City Messenger» ist eine Weltneuheit.

Digital die Stadt beleben

Das Ladensterben beschäftigte in den letzten Jahren viele Städte. Nicht nur in Kleinstädten, auch in Grossstädten wie Zürich sind mehr Leerstände zu verzeichnen. Auch etliche Einkaufszentren bekunden Mühe. Denn Online-Handel und Einkaufstourismus verändern das Einkaufsverhalten der Kunden und damit die Ansprüche an die Läden.

Mit dem Projekt «Zukunft St.Galler Innenstadt» geht die Stadt das Problem an. In Zusammenarbeit mit Läden und Gastronomen, Eigentümern und Kulturschaffebden, Anwohnern und anderen Interessierten erarbeitet die Standortförderung Massnahmen, um die Innenstadt lebendig zu halten. Digitale Vernetzung ist eines der Massnahmenfelder.

Neben dem «City Messenger» ist auch das Projekt «Pop-Up-City» in Bearbeitung. Dabei geht es darum, leere Geschäftsflächen für neue, kurzfristige Möglichkeiten wie «Pop-Up-Stores» zu nutzen.

Nächstes Jahr soll auch das fünfköpfige «City Management Board» seine Arbeit aufnehmen. Dort werden dann die Fäden der Innenstadtbelebung zusammenlaufen. (ken)

Die Zukunft ist
Interaktiv

Die Idee, die Innenstadt mit einer App zu beleben ist nicht ganz neu. Sie ist auch schon oft gescheitert. Anders als diese Apps, die meist statische Informationen liefern, ist der «City Messenger» aber ein Messenger, ähnlich wie WhatsApp oder der Facebook Messenger. Diesen gehöre die Zukunft, sagt Hofer-Fischer. Denn sie sind intuitiv zu bedienen und sie sind interaktiv. Mit der App können nicht nur Betriebe potenzielle Kunden erreichen. Diese können antworten, Fragen stellen, reservieren. Auch der Kundendienst könne so verbessert werden, meint beispielsweise Dominic Krähenbühl vom Juweliergeschäft Frischknecht. Bei Reparaturen oder Bestellungen sei es nun einfacher, den Kunden zu kontaktieren oder ihnen Bilder zu schicken.

Der Onlinehandel ist zwar für manche stationäre Detailhändler eine Konkurrenz. «Aber er ist auch eine Chance», sagt Franco Mastropietro, Geschäftsführer des PkZ in der Stadt. Allerdings müsse man die Vorteile von Online und Laden richtig kombinieren. Eine App wie der «City Messenger» erlaube einen neuen Kanal, mit den Kunden zu kommunizieren.

Auch für Ralph Bleuer, Präsident der Innenstadtvereinigung Pro City ist der «City Messenger» wichtig. «Wir haben damit eine neue Möglichkeit, den Leuten unsere Kompetenzen und Qualitäten näher zu bringen.» Er sei zwar nur ein Puzzleteil wenn es darum geht, die Innenstadt zu beleben. «Aber wir hoffen, dass er etwas Positives auslöst.» Das glaubt nicht nur Bleuer: Bereits über 30 Detailhändler, Gastronomen und andere Organisationen sind schon in der Entwicklungsphase dabei. «Und sie arbeiteten sehr motiviert mit», sagt Projektleiterin Hofer-Fischer.

Kritische Masse erreichen

Nun gehe es aber darum, auch die Kunden zu erreichen, sagt sie. «Eine gewisse kritische Masse braucht es», macht sie klar. Dass bereits so viele Läden mitmachten steigere die Chance, dass diese bald erreicht werde. Damit Kunden die App nicht bald wieder ausschalten, weil sie zu viele unerwünschte Nachrichten bekommen, ist es möglich, Läden oder Kategorien zu wählen, die einen interessieren. Es gebe zwar keine Instanz, die die aufgeschalteten Nachrichten kontrolliert. «Aber die Strategie sagt klar, dass nur Nachrichten verschickt werden sollen, die die Leute animiert, in die Stadt zu kommen», sagt Hofer. Wie gut das funktioniert wird sich zeigen. Zumindest bis Anfang 2021 begleitet die FHS noch das Projekt.

Andere Städte schon
interessiert

In einer frühen Phase des Projektes habe man noch überlegt, bestehende Messenger-Dienste zu nutzen. Doch dann wäre man von weit entfernten Konzernen abhängig – und deren Regeln, sagt Sigrid Hofer-Fischer. Bei WhatsApp soll es so bald nicht mehr möglich sein, an eine unbegrenzte Zielgruppe Nachrichten zu schicken. Was für den «City Messenger» aber unabdingbar sei.

Die St.Galler Weltneuheit könnte sich bald ausbreiten. «Es ist schon die Idee, die App auch in anderen Städten zu lancieren», sagt Renuo-Geschäftsleiter Samuel Steiner. Das Interesse sei jedenfalls schon da, man habe schon mit einigen Städtevertretern Gespräche geführt. «Das Problem betrifft nicht