FOOD FORUM
Wie Big Data und Künstliche Intelligenz Foodwaste verringern können

Das Ostschweizer Food Forum in Weinfelden zeigte mögliche Wege in die digitale Zukunft des Essens. Verschiedene Referenten zeigten auf, wie die Digitalisierung und künstliche Intelligenz die Nahrungsmittelindustrie effizienter machen - und helfen, weniger Nahrungsmittel zu verschwenden.

Kaspar Enz
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Künstliche Intelligenz kann Bäckern helfen, das Brot zu backen. dass die Kunden auch wollen - statt es fortwerfen zu müssen.

Künstliche Intelligenz kann Bäckern helfen, das Brot zu backen. dass die Kunden auch wollen - statt es fortwerfen zu müssen.

Bild: Christoph Ruckstuhl

Im März 2020 konnte das Ostschweizer Food Forum in Weinfelden gerade noch stattfinden, bevor der Lockdown begann. Seither finden solche Veranstaltungen eher digital statt. Auch das diesjährige Forum hatte virtuelle Zuschauer. Doch gegen 50 waren im Rathaus Weinfelden live dabei. «Ich bin es fast nicht mehr gewohnt, den Leuten in die Augen zu schauen», sagte Moderator Stefan Nägeli.

Doch das Ende der Pandemie ist nicht das Ende der Digitalisierung, machte der deutsche Wirtschaftsjournalist Olaf Deininger am Forum klar. Für das Buch «Food Codes» recherchierte er, wie die Digitalisierung die Branche verändert. «Vieles ist schon viel digitaler, als sie sich denken.»

Roboter auf Schneckenjagd

Olaf Deininger

Olaf Deininger

Bild: PD

Das beginnt bei der Landwirtschaft. Deininger stellte den Prototypen eines Roboters vor, an dem die Uni Kassel forscht. Er sieht aus wie ein Rasenmäher auf Raupen. Nachts fährt der MSR-Bot selbstständig über den Acker. Er erkennt dort schädliche Schnecken, die er sogleich zerhackt. Da er speichert, wo er die Schnecken gefunden hat, weiss er, wo er weitere findet.

Ein Prototyp mit Potenzial. Die Kombination von Daten und intelligenten Maschinen erlaubten einen Sprung in der Landwirtschaft. «So lassen sich verschiedene Teile eines Feldes verschieden behandeln»: Stellt sich eine feuchte Senke als Ursprungsort von Pilzbefall heraus, spritzt man die Pestizide dort statt über das ganze Feld. Auch der Einsatz von Düngern lasse sich so optimieren.

Künstliche Intelligenz und die grosse Datenmengen könnten den ganzen Weg vom Bauern bis zum Konsumenten effizienter gestalten. Bereits errechnen Systeme anhand von Wetterdaten und Verkaufszahlen, wo welche Produkte wann gebraucht werden. Für Deininger ein Mittel gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Bis zu 30 Prozent Ressourcen könne man so sparen. «Was man wegschmeisst, wurde erst geerntet, verarbeitet, verpackt und transportiert.»

Wetterdaten und Gedruckte Pizza

Dabei hilft auch das Kreuzlinger IT-Unternehmen Sancofa. Ihre Systeme erstellen aufgrund von Verkaufs- und Wetterdaten oder Ferienterminen Bestellempfehlungen für deutsche Bäckereien. Mit Erfolg, sagt Gründer Thomas Rohn.

Etwas weiter in die Zukunft blickte André Bernard. Der Gründer der Matriq AG zeigte Wege in die Zukunft des Essens, von 3D-gedruckten Pizzas bis auf das eigene Genom angepasste Ernährungspläne. «Ob wir das auch wollen ist die andere Frage», sagte er mal während seines Vortrags.

Dörren statt wegschmeissen

Roland Kauderer von der Öpfelfarm mit den geretteten Dörrbananen.

Roland Kauderer von der Öpfelfarm mit den geretteten Dörrbananen.

Bild: Reto Maertin

Beinahe altmodisch wirkt dagegen der Onlineshop der Öpfelfarm von Roland Kauderer. Dabei war der Steinebrunner Anfang der 2000er Jahre einer der ersten Landwirte, der Produkte direkt ab Hof Online verkaufte. Einen Coup landete er kurz vor dem Lockdown mit einer Idee gegen Foodwaste: Er rettete Bananen aus Läden vor dem Abfall und dörrte sie wie die Apfelringli. «Das brachte uns ganz neue Kunden», sagt er. Und die sind treu. Der Onlineshop sei heute ebenso wichtig wie der Hofladen, sagt er. Den Grundstein dafür hatte Kauderer aber schon, als er den Hof 1996 übernahm. «Wir hatten damals schon eine Kundenkartei.» Die allein reicht nicht aus, um sich gegen die Grossen im Onlinegeschäft zu behaupten. «Abe wer ein Päckli von uns bekommt, merkt schon: Das ist mit Liebe gemacht.»