Mit 07 14 alle in die Tasche gesteckt

Die vierte Thurgauer KMU-Frau heisst Barbara Tschanen. Die 44-Jährige ist Inhaberin und Geschäftsführerin der Lady Lederwarenfabrik AG in Frauenfeld. Gestern abend hat sie die Auszeichnung entgegengenommen.

Christof Lampart
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Barbara Tschanen mit den Neuheiten der Herbst/Winter-Kollektion. Ihre Favoritin aus der 07 14-Kollektion, «Helena», hat sie bereits ausgewählt. (Bild: Christof Lampart)

Barbara Tschanen mit den Neuheiten der Herbst/Winter-Kollektion. Ihre Favoritin aus der 07 14-Kollektion, «Helena», hat sie bereits ausgewählt. (Bild: Christof Lampart)

FRAUENFELD. Um halb sieben in der Früh sitzt Barbara Tschanen schon im Büro. «Dann gibt es zuerst einen Kaffee und dann beginnt der Tag», erzählt die Frau, die die von ihrem Grossvater 1932 gegründete Lady Lederwarenfabrik AG im Jahr 1997 von ihrem Vater übernahm. Damals ging es der Firma schlecht, heute hingegen blendend. Was änderte sie, damit der Erfolg zurückkam? So ziemlich alles. Sie reorganisierte das Geschäft, schloss 1998 einen langjährigen Exklusiv-Lizenzvertrag mit Navyboot ab und kreierte die Kult-Kantons-Tasche.

Eigene Marke lanciert

«Ich bin eine Thurgauerin» und lancierte schliesslich im Frühling 2009 die Marke 07 14, welche bei modebewussten Frauen und Männern offenbar gut ankommt. Bei Letzteren gewinnt 07 14 unter anderem auch deshalb Anteile, weil mit dem Frauenfelder und ehemaligen Mister Schweiz, Luca Ruch, ein bekanntes Gesicht für die Marke wirbt. Wer meint, die Zahlenkombination 07 14 stünde lediglich dafür, dass es sich bei der Marke um kein 08/15-Label handelt, liegt falsch. «Das ist zudem mein Geburtstag, der 14. Juli», erklärt die begeisterte Sportlerin, welche leidenschaftlich golft und Tennis spielt.

Dass sie nun gestern den mit 5000 Franken dotierten 4. Thurgauer KMU-Frauenpreis erhalten hat, macht Barbara Tschanen stolz. Zumal sie überhaupt nicht damit gerechnet hat. Und sich selbst vorgeschlagen hat sie erst recht nicht. «Ich bin nicht der Typ dazu und wäre nie auf die Idee gekommen», sagt sie. Auf diese kamen ihre Vorgängerin als Preisträgerin, Angela Haltiner, Münchwilen, und die SVP-Nationalrätin Verena Herzog, Frauenfeld. «Verena kam zu mir und sagte, das wäre doch etwas für Dich. Und Angela ist zu meinem Mann gegangen, und der hat dann ein Dossier zusammengestellt und eingereicht. Ich bin also sozusagen vor vollendete Tatsachen gestellt worden.»

Dass sie es nun quasi zum preisträgerischen «Hole in one» geschafft hat, freut sie sehr. Und zwar mitunter auch deshalb, weil die Jury nicht nur ihr unternehmerisches Geschick bewertete, sondern auch ihr gesellschaftliches Engagement. «So etwas wird bei einem Wirtschaftspreis nicht oft gewürdigt, sondern vielmehr als selbstverständlich erachtet und deswegen gar nicht beachtet. Als umso schöner empfinde ich es, dass gerade auf diesen Aspekt grossen Wert gelegt wurde», erklärt Barbara Tschanen.

Gesellschaftliches Engagement

Tatsächlich ist die Liste von Barbara Tschanens ehrenamtlichen Engagements, die sie in der Vergangenheit leistete und in der Gegenwart noch leistet, lang. So war sie beispielsweise acht Jahre als Vorstandsmitglied des Gewerbevereins Frauenfeld und Umgebung tätig und ein engagiertes Mitglied und Senatorin der Junior Chamber International Frauenfeld. Auch gehörte sie den OKs des Eidgenössischen Turnfestes 2007 und des Eidgenössischen Schwingfestes 2010 an. Aktuell engagiert sie sich im Verwaltungsrat der Bürgergemeinde Frauenfeld als Bürgerschreiberin und als Stiftungsrätin des Alters- und Pflegeheimes Stadtgarten. Zudem wirkt sie aktiv im OK des «Tags der Frauenfelder Wirtschaft» mit, welcher alljährlich stattfindet. Auch für den Nachwuchs engagiert sie sich gerne, und sie unterstützt das Projekt Lift, das Schulabgängern einen Einblick ins Berufsleben verschafft, und ist Mitglied der Stiftung zur Förderung junger Berufsleute.

«Vielleicht hat dieses Engagement ja den Ausschlag für mich gegeben?», mutmasst die Powerfrau. «Ich freue mich über den Preis. Aber ich bin mir zugleich ganz sicher, dass es im Thurgau auch viele andere tüchtige Geschäftsfrauen gibt, welche diese schöne Auszeichnung zweifelsohne verdient hätten. Der von den KMU Frauen Thurgau initiierte Preis wird zum vierten Mal einer Thurgauer KMU-Frau verliehen.

Einsatz und Erfolg

Mitgetragen wird die Auszeichnung vom Gewerbeverband Thurgau und der Industrie- und Handelskammer Thurgau, das Preisgeld von 5000 Franken stiftet die Thurgauer Kantonalbank. Die Auszeichnung ist Anerkennung und Wertschätzung für den wirtschaftlichen Einsatz und Erfolg einer KMU-Frau im Thurgau. Sie zeichnet sich durch eine hohe Leistungsbereitschaft und ein vielseitiges Engagement für den Wirtschaftsstandort Thurgau aus.

Die Jurymitglieder, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der KMU Frauen Thurgau, des Bildungszentrums Wirtschaft Weinfelden, des Thurgauer Gewerbeverbandes, der Industrie- und Handelskammer Thurgau, der Business and Professional Women und aus der Politik, haben 20 Bewerbungen geprüft und fünf Bewerberinnen in ihren Betrieben besucht und sie im Gespräch persönlich kennengelernt. Anschliessend hat die Jury die Preisträgerin 2013 bestimmt.

Bisherige Preisträgerinnen

Die bisherigen Preisträgerinnen des Thurgauer KMU-Frauenpreises sind: Monika Laib, Ginkgo Blumen, Amriswil (2007); Fabiola Colombo Imhof, Chinderhuus, Weinfelden (2009); Angela Haltiner, Haltiner Bauunternehmen AG, Münchwilen/Tobel (2011). (art.)

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