MINUSTEMPERATUREN: Kälte lässt Stromverbrauch steigen

Wegen der Eiseskälte ist diese Woche deutlich mehr elektrische Energie konsumiert worden. Vor allem Wärmepumpen sind auf Hochtouren gelaufen. Die Stromkonzerne haben mehr produziert.

Johannes Wey
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Hochspannungsleitung in Bad Ragaz. Bei eisigen Temperaturen nimmt der Stromverbrauch deutlich zu. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

Hochspannungsleitung in Bad Ragaz. Bei eisigen Temperaturen nimmt der Stromverbrauch deutlich zu. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

Johannes Wey

Wenn die Temperaturen fallen, schnellt der Stromverbrauch nach oben: Diese Binsenweisheit hat sich während der Kältewelle diese Woche auf eindrückliche Weise bestätigt. Im Versorgungsgebiet der St. Gallisch-Appen­zellischen Kraftwerke AG (SAK) wurden beispielsweise am Montag 10 bis 15 Prozent mehr Strom verbraucht als vor Wochenfrist. Die Temperaturdifferenz zwischen den beiden Montagen betrug rund 10 Grad Celsius.

Auch Guido Wetter von der SAK sieht zwischen tiefen Temperaturen und hohem Stromverbrauch einen Zusammenhang: «Das zeigt sich daran, dass die Zunahme beim Stromverbrauch bei grösseren Industriestand­orten näher bei 10 Prozent, in kleineren Gemeinden näher bei 15 Prozent lag.»

Wärmepumpen müssen mehr leisten

Für Stefan Bertsch liegt es auf der Hand, dass der Stromverbrauch während der Kältephase angestiegen ist. Bertsch ist Leiter des Instituts für Energiesysteme an der Hochschule für Technik Buchs. «Vor allem Elektroheizungen und Wärmepumpen brauchen momentan mehr Strom», sagt er. Wärmepumpen müssten bei solchen Temperaturen deutlich mehr Wasser bewegen, um genügend Wärme aufzunehmen. «Das ist wie bei einem Kaminfeuer, wo man mehr Holz nachlegen muss», sagt Bertsch.

Er sieht noch eine weitere Auswirkung der Kältewelle auf die lokale Energieproduktion: Die Betreiber von Blockheizkraftwerken, wie sie heute beispielsweise in vielen Kehrichtverbrennungsanlagen eingesetzt werden, drosseln ihre Stromproduktion zu Gunsten der Wärmegewinnung. «Bei den gegenwärtigen Strompreisen können sie deutlich mehr Geld mit Wärme verdienen», sagt Bertsch.

Schweizer Stromkonzerne produzieren am Limit

Die Netzlast beim Stromkonzern Axpo lag diese Woche tagsüber rund 10 Prozent und nachts 15 bis 20 Prozent über dem Niveau der Vorwoche. «Die Kältewelle führt zu einer höheren Nachfrage nach Strom», sagt Axpo-Sprecherin Monika Müller. Die Produktion von Solarenergie habe den Anstieg tagsüber etwas gebremst. Man habe alle Axpo-Kraftwerke aufs Maximum hochgefahren. Entsprechend der Nachfrage seien zeitweilig auch die Marktpreise für Strom gestiegen. «Derzeit sind jedoch steigende Temperaturen in Aussicht, die den Verbrauch und die Produktion auf ein tieferes Niveau bringen und damit auch die Preishausse voraussichtlich beenden», so Müller.

«Kalte Temperaturen bedeuten tendenziell steigende Strompreise», sagt auch Alpiq-Sprecher Guido Lichtensteiger. Der Stromkonzern habe Massnahmen ergriffen, um die Verfügbarkeit von Strom zu maximieren. Die planmässige Wartung der Wasserkraftwerke sei soweit möglich verschoben worden. In den von Alpiq bewirtschafteten Stauseen liege der Wasserpegel im Mehrjahresdurchschnitt, was für die kommenden Wochen eine Energiereserve garantiere.

Doch offensichtlich fuhren die Stromkonzerne die Produktion nicht alleine für den Schweizer Markt hoch: «Die Kältewelle hatte vor allem in Frankreich Auswirkungen. Aufgrund steigender Preise haben Schweizer Energieproduzenten mehr Energie produziert und in den letzten Tagen auch in Richtung Frankreich exportiert», heisst es bei der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid. So hätten die Stromimporte in die Schweiz in der zweiten Februarhälfte nicht zu-, sondern abgenommen.