Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Minergie-Boom bringt Probleme

Jeder vierte Neubau in der Schweiz ist mittlerweile ein Minergie-Haus. Bis 2020 soll die Bauweise nationaler Standard sein. Nun sorgt sich der Minergie-Pionier Ruedi Kriesi um die Qualitätssicherung.
Hans-Peter Hoeren
Blick auf ein Passivhaus, gemäss Minergie-P-Standard, zum Testen in Unterwasser im Toggenburg. (Bild: ky/Ennio Leanza)

Blick auf ein Passivhaus, gemäss Minergie-P-Standard, zum Testen in Unterwasser im Toggenburg. (Bild: ky/Ennio Leanza)

Eigentlich könnte sich Ruedi Kriesi (60) zurücklehnen. In den 90er-Jahren wurden die von ihm mitentwickelten Minergie-Häuser noch als Exoten belächelt, mittlerweile haben sie den Durchbruch geschafft. Jeder vierte Neubau in der Schweiz wird nach diesem Standard gebaut, das entspricht fast 25 000 Neubauten (2011). Ab 2020 soll nach dem heutigen Stand der politischen Diskussion jeder Neubau in der Schweiz nur noch so viel Energie verbrauchen wie ein klassisches Minergie-Haus. Das heisst drei bis vier Liter Heizöl pro Quadratmeter im Jahr.

Erreicht wird das durch drei zentrale Elemente: Eine dichte und gut gedämmte Gebäudehülle sorgt für geringe Wärmeverluste. Hinzu kommen eine automatisch steuerbare Lüftung mit Wärmerückgewinnung für gute Luftqualität und eine umweltfreundliche Heizung. Zum Vergleich: Viele ältere Häuser verbrauchen aktuell 20 Liter Heizöl pro Quadratmeter und mehr.

Zu trocken, zu warm

Am Ziel ist Kriesi, der Ingenieur und Strategieleiter des Vereins Minergie, aber trotz seines Erfolgs noch nicht. Das sieht man auch auf der Homepage des Vereins. «Die populärsten Unwahrheiten über Minergie», titelt ein prominent plaziertes vierseitiges Dokument, in dem Kriesi sich mit gängigen Vorbehalten an dem Standard auseinandersetzt. Schlagzeilen schrieb im Dezember vergangenen Jahres die Kritik rund um das 82 Mio. Fr. teure Minergie-Haus des Obergerichts Zürich. Die vorgeschriebene Lüftung führe zu einer zu trockenen Luft, die Raumtemperatur sei zu hoch, so lautete der Vorwurf. «Tatsächlich war es Anfang Dezember sehr kalt, womit grundsätzlich alle Bürohäuser ohne Befeuchtungseinrichtung zu trockene Luft hatten», sagt Kriesi. Zudem seien die Raumtemperaturen in dem Gebäude mit 24 Grad Celsius zu hoch und die Luftmengen zu gross gewesen. «Das hängt damit zusammen, dass die Einregulierung der Anlagen zu wenig sorgfältig gemacht wurde», stellt der Minergie-Pionier klar. Die Kritik habe viele Menschen verunsichert. «Dabei wurden hier generelle Probleme der Baubranche auf das Label Minergie abgeschoben», sagt Kriesi. Die Baubranche laufe auf Hochkonjunktur, die Fachleute seien oft am Anschlag. «Die Preise sind nicht gut, es wird mit vielen Subunternehmern gearbeitet. Das führt dazu, dass die Bauten oft generell mehr mit Mängeln behaftet sind», sagt Kriesi.

Auflagen zur Qualitätssicherung

Unterschieden werden bei Minergie vier Standards, vom Basis- bis zum A-Standard. Bei letzterem ist der Verbrauch an nicht erneuerbarer Energie praktisch null. Aber: Als Folge des heute schon hohen Marktanteils an zertifizierten Minergie-Bauten seien die Stimmen der unzufriedenen Nutzer mittlerweile unüberhörbar geworden. Wenn ab 2020 «jedes Haus technisch wie ein Minergie-Haus gebaut sein muss», ist für Kriesi die Mission deshalb nicht erfüllt, sondern er sieht für Minergie eine neue Aufgabe. «Dieser Schritt wird zu grösseren Qualitätsproblemen in der Bauindustrie führen», sagt er.

Neue Auflagen sollen helfen

Künftig will der Verein Minergie die Bauindustrie deshalb mit neuen Auflagen zu einer besseren Qualitätssicherung verpflichten. Dies soll unter anderem über zusätzliche Protokoll- und Dokumentationspflichten für die verantwortlichen Bauunternehmen und Installateure gegenüber dem Bauherren erreicht werden. Die Auflagen sollen Teil des Zertifizierungsprozesses werden. So soll dokumentiert werden, dass ein Installateur einen Nutzer in die richtige Bedienungsweise der Heizung und Lüftung eingewiesen hat. Mangelhafte Inbetriebsetzung sei eine gängige Ursache für Betriebsprobleme, sagt Kriesi.

Anreize bei Renovationen

Viel Potenzial für den Minergie-Standard sieht Kriesi künftig bei Modernisierungen. Wenn die Schweiz die Energiewende schaffen will, muss sie den Energieverbrauch drosseln. Die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs entfällt auf Warmwasser und Heizung. Aber nur rund 10% der Minergie-Gebäude sind sanierte alte Häuser. «Ein tieferer Energieverbrauch wird hier nicht als Anreiz reichen. Ein Hausbesitzer lässt sich eher zu einer Sanierung motivieren, wenn sich dadurch der Gebäudewert und die Verkaufschancen steigern lassen», ist Kriesi überzeugt. Entscheidend könne ein langfristiges Konzept sein, das kleine Sanierungsschritte über fünf bis zehn Jahren zulasse. Das könne auch für die Steueroptimierung wichtig sein.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.