Mowag sichert sich Millionenauftrag von der deutschen Bundeswehr

Die Mowag baut 80 hochgeschützte Eagle-6x6-Fahrzeuge für den Zentralen Sanitätsdienst. Der Auftragswert beträgt 148 Millionen Euro.

Stefan Borkert
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Ein Eagle 6x6 wird unter Einsatzbedingungen getestet.

Ein Eagle 6x6 wird unter Einsatzbedingungen getestet.

Bild: PD

Mitten in der Coronakrise kann sich die GDELS-Mowag (General Dynamics European Land Systems) in Kreuzlingen einen lukrativen Auftrag der Deutschen Bundeswehr sichern. Giuseppe Chillari, Managing Director der Mowag, sagt: «Der Betrieb bei GDELS-Mowag kann trotz Coronamassnahmen gut aufrechterhalten werden. Grundsätzlich verfügen wir über einen sehr guten Auftragsbestand mit langfristigen Verträgen. Aktuell sind uns auch keine Stornierungen von Aufträgen bekannt.»

Chillari fährt fort: «Wo immer möglich arbeiten wir im Wechselbetrieb.» Konkret heisse das, 50 Prozent des Teams sind im Homeoffice und die andere Hälfte im Büro. In der Folgewoche kehre sich das dann um. «In der Produktion fahren wir grundsätzlich mit zwei Schichten, damit immer nur halb so viele Mitarbeitende in den Produktionshallen arbeiten und wir die geforderten zwei Meter Abstand einhalten können», so der Mowag-Chef weiter. Sitzungen würden ausserdem vermehrt per Skype organisiert. Und: «Natürlich werden zusätzlich unsere Sitzungsräume, Türgriffe und Oberflächen regelmässig desinfiziert.»

Hohe Wertschöpfung in der Schweiz

Giuseppe Chillari, Managing Director der Mowag in Kreuzlingen

Giuseppe Chillari, Managing Director der Mowag in Kreuzlingen

PD

Chillari kommentiert den Eagle-Auftrag: «Der Auftrag für Sanitätsfahrzeuge für die deutsche Bundeswehr generiert eine sehr hohe Wertschöpfung für uns in der Schweiz und weitere Schweizer Zulieferunternehmen, da alle Fahrzeuge in Tägerwilen grundgefertigt werden.» Das bedeute, dass der gesamte automotive Anteil bis zum fahrbereiten Fahrzeug in der Schweiz produziert werde. «Auch die kundenspezifische technische Entwicklung, die Dokumentation sowie die Trainingsunterlagen werden bei uns erstellt.»

Mowag-Sprecher Pascal Kopp sagt, die Mowag habe vom deutschen Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr einen Auftrag über die Lieferung von 80 hochgeschützten Eagle-6x6-Fahrzeugen für den Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr erhalten. Die Fahrzeuge sollen im Zeitraum 2021 bis 2024 ausgeliefert werden. Der Eagle sei im Rahmen des Beschaffungsvorhabens «Mittleres geschütztes Ambulanzfahrzeug» im Wettbewerb ausgewählt worden. Ziel der Bundeswehr sei, die Lücke zwischen der leichten und schweren Sanitätsfahrzeugflotte der Bundeswehr zu schliessen.

Der Eagle 6x6 sei das neueste Mitglied der Eagle-Fahrzeugfamilie. In seiner 6x6-Konfiguration biete das Fahrzeug ausreichend Platz und Verstaumöglichkeiten für den Transport von Patienten, Besatzung und entsprechender Sanitätsausstattung. Aufgrund der hohen logistischen Gleichheit mit dem Eagle 4x4, der wartungsfreundlichen Konstruktion des Fahrzeugs sowie der Servicekonzepte würden die Betriebskosten auf ein Minimum reduziert werden können.

Deutschland sei nach der Schweizer Armee der zweite Kunde für diese neue Eagle-Variante. «Wir danken der Bundeswehr für das Vertrauen, das sie in unsere Eagle-Fahrzeugplattform setzt», sagt Thomas Kauffmann, Vize-Präsident von GDELS. Als zuverlässiger Partner der Bundeswehr werde GDELS die Fahrzeuge termingerecht liefern, verspricht er.

Deutschland hat schon 700 Eagle

Der Eagle wird an den GDELS-Standorten in der Schweiz und in Deutschland gefertigt. Neben den Arbeiten in der Schweiz werde auch ein Teil davon in Deutschland, in Kaiserslautern und Sembach erbracht. Dabei seien auch Dutzende deutsche Zulieferer eingebunden. Der aktuelle Vertrag werde zu einer Multimillioneninvestition am deutschen Fahrzeugwartungszentrum in Sembach führen, erklärt Christian Kauth, Geschäftsführer von GDELS–Deutschland. In Deutschland betreiben die Bundeswehr und die Bundespolizei eine Flotte von knapp 700 Eagle-Fahrzeugen.