Millionen-Spritze blockiert: Die Swiss muss auf die erste Tranche ihrer Bankkredite länger warten

Gemäss Recherchen sind die Verträge für das Hilfspaket der Lufthansa-Tochter noch nicht unterzeichnet . Auch die erste Kreditzahlung in der Höhe von 300 Millionen Franken dürfte vorläufig nicht fliessen - aus einem bestimmten Grund.

Benjamin Weinmann
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Wie diese Flugzeuge auf Passagiere warten, so wartet die Swiss derzeit auf die Überweisung von Bankkrediten.

Wie diese Flugzeuge auf Passagiere warten, so wartet die Swiss derzeit auf die Überweisung von Bankkrediten.

Salvatore Di Nolfi / KEYSTONE

Die Erleichterung in Kloten war gross. Anfang Mai folgte das Parlament den Empfehlungen des Bundesrates und gab so grünes Licht für die Bundesgarantien, mit denen die Lufthansa-Töchter Swiss und Edelweiss Bankkredite in der Höhe von 1,5 Milliarden Franken erhalten sollen. 1,3 Milliarden Franken davon werden durch die Schweiz gedeckt.

Swiss-Chef Thomas Klühr drückte in der Folge der Schweiz seine Dankbarkeit aus und betonte, wie erleichtert er sei. «Das gibt uns Sauerstoff, um über die nächsten Wochen zu kommen», sagte er im Rahmen eines Telefongesprächs mit knapp 30 Journalisten. Die Verhandlungen mit den Banken seien im Endstadium und er rechne mit einer ersten Auszahlung in der Höhe von 300 Millionen Franken Ende Mai, Anfang Juni.

Doch wie Recherchen dieser Zeitung ergeben haben, ist das Geld noch nicht geflossen - und wird es vorläufig auch nicht. Denn der Bund will abwarten, was in Deutschland passiert. Dort haben sich Gespräche zwischen der Swiss-Mutter Lufthansa und der deutschen Regierung über ein Hilfspaket in die Länge gezogen. Erst vor wenigen Tagen kam es zu einer Einigung. Doch diese muss an einer Generalversammlung von den Lufthansa-Aktionären am 25. Juni noch abgesegnet werden.

Verträge noch nicht unterzeichnet

Bis dahin muss sich die Swiss weiterhin gedulden. Die Verträge für die Schweizer Lösung sind demnach auch noch nicht in trockenen Tüchern. Die Verhandlungen sind zwar im Endstadium. Doch erst wenn der Deal in Deutschland in der Höhe von 9 Milliarden Euro gesichert ist, fliesst auch das Schweizer Geld, das hauptsächlich von den Grossbanken UBS und Credit Suisse als Kredit zur Verfügung gestellt wird.

Inhaltlich dürfte es bei der Swiss-Hilfe hingegen keine grossen Änderungen geben, obwohl die deutsche Lösung eine staatliche Beteiligung von 20 Prozent vorsieht. Dies ist für den Bundesrat offenbar nach wie vor keine Option. Zu einer solchen käme es nur, wenn die Swiss in den nächsten Jahren die Kredite nicht fristgerecht zurückbezahlten könnte. Die EU verpflichtet die Lufthansa zudem, an ihren Drehkreuzen in Frankfurt und München jeweils einer Konkurrentin bis zu 24 Start- und Landerechte für bis zu vier Flugzeuge abzugeben.

Wie lange reicht der Cash aus?

Das Eidgenössische Finanzdepartement will sich zur Verschiebung der ersten Zahlung nicht äussern. Ein Sprecher sagt nur, alle Eckwerte zur Unterstützung der Luftfahrtindustrie seien bekannt. Grundsätzlich sei jede stabile Lösung bei der Lufthansa auch positiv für die Swiss. Die Schweizer Airline will zur neuen Situation ebenfalls keine weiteren Angaben machen. Auch nicht zur Frage, wie lange die Liquidität ausreicht und wie dringlich die Kredite sind.

Bekannt ist seit Mittwoch das erste Quartalsergebnis der Swiss. In den ersten drei Monaten flog sie einen operativen Verlust von 84 Millionen Franken ein. Im Vorjahr war es noch ein Gewinn von 50 Millionen. Umsatz und Passagierzahl gingen um über 20 Prozent zurück. Doch das wahre Horror-Quartal ist das laufende zweite von April bis Juni. Für das ganze Jahr wagt die Airline wegen der Weiterentwicklung der Corona-Pandemie gar nicht erst eine Prognose.

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