Milliardenauftrag der Berliner U-Bahn: Stadler muss sich gedulden

Der Entscheid der Vergabekammer über die Beschwerde des Konkurrenten Alstom lässt auf sich warten. Im schlechtesten Fall könnten bis zu einem finalen Urteil noch Jahre verstreichen.

Thomas Griesser Kym
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Eine U-Bahn-Komposition der Berliner Linie U2. (Bild: Jivee Blau/Wikimedia)

Eine U-Bahn-Komposition der Berliner Linie U2. (Bild: Jivee Blau/Wikimedia)

Für rund 3 Milliarden Euro (3,33 Milliarden Franken) wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bis zu 1500 U-Bahn-Wagen kaufen. Es ist die grösste Fahrzeug-Neubeschaffung in der gut 90-jährigen Geschichte der BVG. In der Ausschreibung durchgesetzt hat sich die deutsche Tochter des Ostschweizer Schienenfahrzeugbauers Stadler, die Stadler Pankow GmbH. Das wurde vor sieben Wochen bekannt. Doch die Auftragsvergabe ist blockiert, denn Stadlers Konkurrent Alstom hat gegen den Entscheid Einspruch eingelegt.

Darüber zu entscheiden hat die Vergabekammer des Landes Berlin. Zunächst hatte es geheissen, der Nachprüfungsauftrag werde innert vier bis sechs Wochen behandelt. Doch mittlerweile hat die Kammer laut Informationen der «Berliner Morgenpost» ihren Entscheid auf Ende Juli verschoben. Damit heisst es für Stadler weiter warten und um den Milliardenauftrag bangen.

Für die Berliner U-Bahn spitzt sich die Lage immer mehr zu

Die Vergabekammer hat drei Möglichkeiten: Sie kann den Einspruch zurückweisen, Nachbesserungen anordnen oder die ganze Ausschreibung kippen. Dann müssten die BVG das Verfahren komplett neu starten. Aber selbst wenn die Kammer den Einspruch abschmettert, kann Alstom ans Kammergericht als nächste Instanz gelangen. Für die BVG heisst es unabhängig vom Fortgang, dass sie sich das Ziel, die ersten neuen U-Bahn-Züge 2021 in Verkehr zu setzen, wohl abschminken kann. Das dürfte das Fahrplanproblem wegen der veralteten und pannenanfälligen aktuellen Flotte noch verschärfen.