Chemie

Milliarden-Deal geplatzt: Clariant bricht Fusion mit Huntsman ab

Die Chemiekonzerne Clariant und Huntsman müssen sich dem Druck des aktivistischen Investors White Tale beugen. Der Zusammenschluss der beiden Konkurrenten wird abgeblasen, nachdem White Tale seine Beteiligung auf 20 Prozent aufgestockt hat.

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Clariant fusioniert nicht mit dem US-Konzern Huntsman. Im Bild ist Hariolf Kottmann, CEO von Clariant. (Archiv).

Clariant fusioniert nicht mit dem US-Konzern Huntsman. Im Bild ist Hariolf Kottmann, CEO von Clariant. (Archiv).

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Die Fusion sei in gegenseitigem Einvernehmen beendet worden, teilte Clariant am Freitagmorgen mit. Es sei unwahrscheinlich geworden, dass Clariant an der ausserordentlichen Generalversammlung die für die Fusion nötige Zweidrittelsmehrheit der Aktionäre erhalte, sagte Konzernchef Hariolf Kottmann an einer Telefonkonferenz. Der Abbruch der Fusion, die am 21. Mai 2017 bekannt gegeben wurde, sei deshalb im Interesse aller Beteiligter.

Praktisch gleichzeitig zur Mitteilung von Clariant meldete der US-Grossinvestor White Tale in einer Pflichtmitteilung die Erhöhung seiner Beteiligung an Clariant auf 20 Prozent. Zuletzt hatte White Tale Ende September einen Anteil von gut 15 Prozent vermeldet.

Die US-Beteiligungsgesellschaft bestätigte damals auch ihre grundsätzliche Kritik an der geplanten Fusion, wobei insbesondere die ungenügende Bewertung von Clariant und die fehlende industrielle Logik des Deals bemängelt wurden.

Auch zwei US-Hedgefonds hatten sich gegen die Fusion gestellt, wie die "Nordwestschweiz" im Juli berichtete. Huntsman-Chef Peter Huntsman griff daraufhin die oppositionellen Grossaktionäre aus den USA in einem Brief frontal an.

Peter Huntsman (links), Präsident und CEO von Huntsman, sowie Clariant-Chef Hariolf Kottmann. (Archiv)

Peter Huntsman (links), Präsident und CEO von Huntsman, sowie Clariant-Chef Hariolf Kottmann. (Archiv)

KEYSTONE/SIGGI BUCHER

Neues Ziel: Marktposition ausbauen

Mit dem Abbruch der Fusion ist Clariant weiterhin als eigenständiges Unternehmen unterwegs. Das Unternehmen werde sich nun auf seine Strategie konzentrieren, die Marktposition weiter auszubauen, hiess es. Einem möglichen Verkauf von Unternehmensteilen und einem Rücktritt erteilte Konzernchef Kottmann eine Absage.

Der Aufhebungsvertrag sieht für keine der beiden Seiten eine Strafgebühr vor. Somit vermeidet Clariant sowohl die Abbruchzahlung von 210 Millionen Dollar als auch die Strafzahlung von 60 Millionen Dollar bei Nichtzustimmung durch die ausserordentliche Generalversammlung, wie es im Fusionsvertrag ursprünglich vereinbart worden war.

An der Börse zeichnet sich am Freitag ein Kurstaucher der Clariant-Aktien ab. Im vorbörslichen Handel in Zürich liegen die Titel nach dem Abbruch der Fusion mit 6 Prozent im Minus.